Die verbrecherische Natur

Der Kutter ging vor halbem Wind durch die letzten Schären des Stockholmer Inselmeeres, und das Meer öffnete sich in Nachmittagsbeleuchtung.

Der Doktor suchte nach Worten, um sein Entzücken darüber auszudrücken, denn er war im Innern des Landes geboren und hatte das Meer nur einige Male von dem Deck eines Dampfers gesehen.

Nachdem der Leutnant das Steuerruder umgelegt und Kurs auf den Leuchtturm von Landsort genommen, befahl er Punsch und Zigarren.

Die Einsamkeit, die Stille, der Mangel an Gegenständen, auf denen das Auge haften konnte, stimmte den Sinn mitteilsam, und trotzdem die beiden Jugendfreunde bereits drei Stunden von alten und neuen Dingen gesprochen, fand sich immer wieder neuer Stoff zu neuen Gesprächen.

– Es muss doch herrlich sein, auf dem Meer leben zu können, sagte der Doktor und liess das Auge rings um den Horizont schweifen.

– Ja, in guter Gesellschaft, wenn man sein eigener Herr ist, sagte der Leutnant. Aber im Dienst an Bord, das ist etwas anderes! Erstens ist man eingeschlossen; das Schiff ist ein Käfig, merk dir das, und der Horizont wird eng, wenn du dich an ihn gewöhnt hast; der blaue Rand, hinter dem man etwas träumt, wenn man jung ist, wird eine graue Steinmauer. Denke dir, du seist in einem Käfig auf dem eingeschlossenen Hof eines Gefängnisses. Und noch eins: hast du einen Unfreund an Bord, so merkst du, dass du lebst.

– Es ist doch jedenfalls ein gesundes Leben.

– Gesund? Das sieht so aus, aber die Gedanken werden nicht gesund, wenn das Gehirn keine Eindrücke von aussen empfängt; und immer auf das blosse Nichts sehen, macht auf die Dauer stumpfsinnig. Aber es gibt noch andere Schattenseiten im Leben des Seemannes, die durchaus nicht gesund sind.

Das Gesicht des Leutnants wurde finster, und er sah erst nach, ob die Leute auch so weit entfernt waren, dass sie nicht lauschen konnten.