– Wirklich? Und hier laufen sie wie Aussätzige herum, werden von einer ewigen Unruhe verzehrt, dass sie verdächtigt oder entdeckt werden. Ich will einen Fall erzählen, den ich mit eigenen Augen gesehen habe. Dann magst du urteilen, ob es ein Laster, eine Entartung oder ganz einfach eine Erscheinung ist, deren Gründe wir nicht kennen.

– Es ist mir gleichgültig, wie man es nennt; eine Berufskrankheit bei Mönchen und Seeleuten; die Erscheinung ist ebenso interessant wie eine menschliche Frucht, welche die Natur mit einem Kalbskopf oder drei Armen ausgestattet hat.

– Etwas merkwürdiger ist es doch wohl, besonders wenn sie in seelischer Form auftritt und alle Symptome zeigt, die bei einer unschuldigen Schwärmerei zwischen Mann und Weib vorkommen.

– Bei einer unschuldigen? Hm!

– Ja, du, unschuldig, betonte der Leutnant. Ich weiss, dass ein solches Verhältnis unschuldig sein kann.

– Ja, eine Zeit lang! Du darfst nicht, und sie wagt nicht! Das kennen wir! Aber erzähle deine Geschichte.

Sie nippten am Punsch und steckten neue Zigarren an.

– Weisst du, was der Chef einer Fregatte ist? begann der Leutnant und legte die Ruderpinne ins Hackbrett. Das ist ein Porzellangott. Er ist da, aber er zeigt sich nicht. Er hat nicht den höchsten Befehl, denn den hat der Sekond, aber er steht über dem höchsten Befehl. Seeleute pflegen den Schiffer den „Alten“ zu nennen, ganz wie die Bauern vom Donner sprechen und „Gevatter“ sagen. Der Sekond ist der „Alte“ auf einem Kriegsschiff; für den Chef hat man keinen Namen. Er sitzt eingeschlossen in seiner Kajüte, spricht nur mit dem Sekond; isst allein, bis auf einen Tag in der Woche, an dem er die Offiziere an seinen Tisch ladet, und einen zweiten Tag, an dem er sich von den Offizieren einladen lässt. Er tadelt nie, belohnt nie, kommandiert nie. Was er tut, weiss nur der Sekond. Kommt er auf Deck, so geht er nie über den Besan hinaus.

Das Schiff ist die vollkommenste aller Gemeinden, die in der Organisation tausend Jahre hinter der Zeit zurückbleibt! Sie würde unvollkommen sein, wenn Frauen dabei wären.

Meine erste Fahrt machte ich als Kadett auf der Fregatte Thor.