Das Leben war nicht so, wie es sich der Schüler geträumt, als er voll Neid auf die kokette Jacke und das hübsche Seitengewehr der Seekadetten sah. Es war etwas ganz anderes; etwas sehr Rohes und sehr Hässliches; vor allem sehr Unpoetisches.

Eines Tages hatte ich die Wache und stand am Steuerrad, also auf einem sehr verantwortungsvollen Posten; ich sah starr voraus durch Taue und Takelung über die Mannschaft auf Deck hinweg; versuchte die Gedanken zusammen zu halten, indem ich sie nur auf den Kurs richtete. Aber teils unruhig über die wichtige Aufgabe, da ich die ganze Bevölkerung des Schiffes in meiner Hand hatte, teils nervös infolge eines unbestimmten Gefühls, dass jemand seine Augen auf mich richte, vergass ich mich. Die Talje knirschte, das Bugspriet gierte und es begann im Jager lebendig zu werden. Da rief der Flaggschiffer, der an meiner Seite stand:

– Festhalten!

Ich fühlte, wie das Rad meinen Händen entrissen wurde, während ich zugleich einen Stoss bekam, dass ich aufs Deck flog.

Ich taumelte zur Seite wie ein hingeworfener Handschuh und stand zu meiner grossen Bestürzung unmittelbar vor den Zehen keines Geringeren als meines Chefs. Ich sah in ein gelbgraues Gesicht, das dem eines reichen Grosshändlers glich. Der Mund war scharf geschnitten und von zwei schrägen Zügen eingefasst, die ihm einen boshaften Ausdruck gaben, der jedoch von einem hellen Backenbart gemildert wurde. Er sah aus, als wolle er mich in die See werfen, aber er schwieg. Er schien sich zu fragen, ob er sich so weit herablassen könne, dass er mich Würmchen ansprach.

Schliesslich erweichten sich die strengen Züge, und er sah mich an, als sei ich ein kleines Kind.

– Wie heissest du, Kadett? fragte er.

Ich nannte meinen Namen.

– Und dein Vater ist?

– Tot, antwortete ich. Aber er war Oberstleutnant bei den Pionieren.