– Erkläre dich!
Das konnte er eben nicht. Alle Hilfsmittel der Philosophie und der Ethik versagten; er stand einer kalten und höchst unangenehmen Wirklichkeit gegenüber.
Sie ist schamhaft, dachte er; das ist ihr Recht, aber ich muss einschreiten und meine Pflicht tun.
– Hast du mich missverstanden? fragte Helene und die Stimme zitterte ihr.
– Nein, gewiss nicht, aber, liebes Kind, hm, wir, hm ...
– Was ist das für eine Sprache? „Liebes Kind?“ Für was hältst du mich? Und was sind deine Absichten? Albert, Albert! fuhr sie fort, ohne eine Antwort abzuwarten, die sie nicht haben wollte. Sei gross, sei edel, und lerne im Weibe etwas Höheres sehen als nur ein Weib! Tue das und du wirst glücklich und gross werden!
Albert war besiegt! Von Scham vernichtet und zornig auf den falschen Freund, der ihm einen schlechten Rat gegeben, fiel er auf seine Kniee und stammelte:
– Verzeih, Helene! Du bist edler als ich, reiner, besser, du bist eine bessere Natur, und du wirst mich erheben, wenn ich in die Materie versinken will!
– Steh auf und sei stark, Albert, sagte Helene mit dem Tonfall einer Prophetin; geh in Frieden und zeig der Welt, dass die Liebe etwas anderes ist, als die niedrige tierische Begierde. Gute Nacht!
Albert stand auf und sah unschlüssig seiner Frau nach, wie sie in ihr Zimmer ging und die Tür hinter sich schloss.