Von den reinsten Gefühlen und edelsten Absichten erfüllt, ging Albert ebenfalls in sein Zimmer. Er warf den Frack ab und steckte eine Zigarre an. Es war ein Junggesellenzimmer, das er sich eingerichtet hatte. Ein Bettsofa, ein Schreibtisch, einige Büchergestelle, eine Waschtoilette.
Als er sich ausgekleidet hatte, rieb er sich mit dem nassen Handtuch kalt ab. Dann legte er sich auf sein Sofa und schlug die Abendzeitung auf. Während er seine Zigarre rauchte, wollte er lesen. Er las einen Artikel über Schutzzoll. Nachdem er durch diese Lektüre seine Gedanken in ihren normalen Lauf zurückgeführt hatte, begann er über seine Stellung nachzudenken.
War er verheiratet oder war er ein Junggeselle? Er war Junggeselle wie vorher, nur mit dem Unterschied, dass er einen weiblichen Pensionär hatte, der aber nicht für sich bezahlte. Der Gedanke war unangenehm, aber er sagte die Wahrheit. Die Köchin besorgte den Haushalt und das Hausmädchen räumte die Zimmer auf. Was sollte Helene denn tun? Sich entwickeln! Ach, das ist ja Unsinn, dachte er, und er fand sich lächerlich. Aber, dachte er, wenn der Freund recht hätte, wenn es nur die gewöhnliche alberne Art der Frauen war? Sie konnte nicht gut zu ihm kommen, also musste er wohl zu ihr gehen. Ging er nicht, so würde sie ihn morgen vielleicht auslachen, ja, was schlimmer war, sich verletzt fühlen. Ja, ja, die Frauen sind unbegreiflich, und der Versuch muss gemacht werden.
Er sprang auf, warf den Schlafrock über und ging in den Salon. Mit zitternden Knieen lauschte er, ob ein Laut aus Helenes Zimmer zu hören sei.
Nichts! Da fasste er sich ein Herz und trat an die Tür. Blaue Blitze funkelten ihm vor den Augen, als er klopfte.
Keine Antwort. Er zitterte am ganzen Körper und der Schweiss rann ihm über die Stirn.
Darauf klopfte er noch ein Mal, und mit einer Fistelstimme, wie sein trockener Mund sie nur hervorbringen konnte, sagte er:
– Ich bin es nur!
Keine Antwort! Da überkam ihn die Scham, und er kehrte wieder in sein Zimmer zurück, verdutzt und abgekühlt.
Es war also Ernst!