Wie er sich schämte! Dass er sich so lange hatte dupieren lassen!

Als er nach Haus kam, sah er noch Licht in Helenes Zimmer. Er ging so leise, wie er konnte, an ihrer Tür vorbei. Drinnen wurde gehustet.

Er ging in sein Zimmer und legte sich zu Bett. Las seine Zeitung und rauchte seine Zigarre. Er hatte sich gerade in einen Artikel über die Wehrpflicht vertieft, als plötzlich die Tür von Helenes Kammer aufgeht und Schritte und Geschrei im Salon zu hören sind. Er springt auf, um nachzusehen, was es gibt, im Glauben, Feuer sei ausgebrochen.

Im Salon steht Helene, im Nachtkleid. Als sie ihren Mann erblickt, schreit sie auf und eilt bis an ihr Zimmer zurück; dort bleibt sie stehen, den Kopf vorgestreckt.

– Verzeih, Albert! Du bist es, ich wusste nicht, dass du noch auf warst, und glaubte, es seien Diebe! Verzeih!

Und die Tür schliesst sich.

Was bedeutete das? Liebte sie ihn?

Er ging in sein Zimmer und trat vor den Spiegel. Konnte eine Frau ihn lieben? Er war ja hässlich! Aber die Seelen lieben einander, und so mancher hässliche Mann hatte eine schöne Frau bekommen. Dann aber war der Mann fast immer reich und mächtig gewesen!

Sollte Helene ihre falsche Stellung eingesehen haben? Oder hatte sie gemerkt, dass er sie verlassen wollte, und hatte sie die Absicht, ihn wieder zu erobern?

Am nächsten Morgen, als sie sich beim Kaffeetisch trafen, war Helene überaus sanft. Der Professor bemerkte, dass sie einen neuen Morgenrock trug, der mit Spitzen besetzt war und ihre Schönheit bedeutend hob.