Und für was arbeitete diese Frau? Für den Fortschritt? Für die Rettung der Menschheit?
Nein, gegen den Fortschritt, gegen Freiheit und Aufklärung. Hatte sie nicht kürzlich einen neuen Antrag, die Religionsfreiheit zu beschränken, niedergeschrieben? Hatte sie nicht eine Broschüre über die Zuchtlosigkeit der Dienstboten verfasst? Arbeitete sie nicht für die Verschärfung der Militärgesetze? Unterstützte sie nicht die Agitation, welche die Mädchen durch dieselbe elende Erziehung, welche die Knaben erhalten, verderben will.
Er hasste ihre Seele, denn er hasste ihre Gedanken! Und doch liebte er sie? Was liebte er denn bei ihr?
– Wahrscheinlich, antwortete er sich, indem er es nicht unterlassen konnte, auf die Philosophie zu kommen, wahrscheinlich, den Keim zu einem neuen Wesen, den sie trägt, den sie aber ersticken will!
Was konnte es sonst sein?
Was aber liebte sie an ihm? Seinen Titel, seine Stellung, seine Macht!
Und mit diesen alten Menschen sollte man an dem Aufbau der neuen Gesellschaft arbeiten!
Er wollte ihr all das sagen, wenn sie nach Haus kam; aber er wusste, dass er es nicht tun werde. Er wusste, dass er vor ihr kriechen und um ihre Gunst betteln werde; dass er ihr Sklave bleiben und immer wieder seine Seele verkaufen werde, wie sie ihren Körper verkaufte. Er wusste, dass er das tun werde, denn er liebte sie.
Ungetraut und getraut
Der Referendar ging an einem schönen Frühlingstage im alten Stockholmer Hopfengarten spazieren. Er hörte aus der Rotunde Gesang und Musik klingen und sah aus den grossen Fenstern Licht strömen, das seinen Schein bis unter die Schatten der eben ausgeschlagenen Linden warf.