Er ging hinein, setzte sich an einen freien Tisch nahe der Estrade und verlangte einen Grog.
Zuerst sang ein Komiker ein trauriges Lied von der „Toten Ratte“. Dann kam ein junges Mädchen in rosenrotem Kleid und trug das dänische Lied vor: „Und nichts ist so lieblich wie eine Mondscheinfahrt“. Sie sah verhältnismässig unschuldig aus und richtete das Lied an unsern unschuldigen Referendar. Von einer solchen Auszeichnung geschmeichelt, leitete der Unterhandlungen ein, die mit einer Flasche Wein begannen und mit zwei möblierten Zimmern nebst Küche und den nötigen Bequemlichkeiten endeten.
Die Gefühle des jungen Mannes zu analysieren, gehört nicht in den Plan dieser Arbeit, ebensowenig wie eine Beschreibung des Meublements und der nötigen Bequemlichkeiten zu geben. Genug, sie waren gute Freunde.
Aber von den sozialistischen Tendenzen der Zeit angesteckt und immer sein Glück vor Augen haben wollend, beschloss der junge Mann, selber in die Wohnung zu ziehen und die Freundin als Haushälterin anzustellen. Darauf ging sie gern ein.
Aber der junge Mann hatte Familie, das heisst seine Familie zählte ihn zu ihrem Mitglied, und da er nach deren Meinung die allgemeine Moral verletzt und einen Schatten auf das Ansehen der Familie geworfen hatte, wurde er vor Eltern und Geschwister zitiert, um zurechtgewiesen zu werden. Er aber glaubte für solche Zurechtweisungen zu alt zu sein und brach Unterhandlungen und Verkehr ab.
Das machte ihm sein eigenes Heim nur noch lieber, und er wurde ein recht häuslicher Ehemann, Verzeihung, „unehelicher“ Mann. Sie waren selig, denn sie liebten einander, und keine Fessel drückte sie. Sie lebten in einer fröhlichen Unruhe, dass sie einander verlieren könnten, und taten daher alles, um einander zu behalten. Die Beiden waren eins.
Etwas aber fehlte ihnen in ihrem Leben; das war der Verkehr. Die Gesellschaft wollte nichts von ihnen, und der junge Mann wurde von der „grossen Welt“ nicht eingeladen.
Es war der Tag vor der Weihnacht, ein trauriger Tag für die, welche Familie gehabt haben. Als er morgens beim Kaffee sass, empfing er einen Brief. Der war von einer Schwester, die ihn inständig bat, am Weihnachtsabend nach Haus zu kommen. Die Saiten seiner alten Gefühle waren angeschlagen, und er wurde verstimmt. Sollte er seine Freundin an einem solchen Abend allein zu Hause sitzen lassen? Nein! Sollte sein Platz im Elternhaus zum ersten Mal am Weihnachtsabend leer bleiben? Hm! So standen die Dinge, als er aufs Gericht ging.
In der Frühstückspause trat ein Kamerad an ihn heran und fragte so vorsichtig wie möglich: