Wie wir uns lieben!

Er legte die Hand auf den Aufschlag seiner Weste.

– Kommt kein Kind, wenn man einander liebt wie ihr! Bist du verrückt? Doch du sollst ein ordentlicher Mensch sein, und darum darfst du dich verloben; aber benutze deine Verlobungszeit, um dir Brot zu schaffen, denn es nahen schwere Zeiten: das Getreide steigt!

Der Assistent wurde ganz rot im Gesicht, als er die Schlussworte hörte, aber die Freude, sie zu bekommen, war so gross, dass er dem Alten die Hand küsste. Und Gott im Himmel, wie glücklich war er! Als sie zum ersten Male Arm in Arm die Strasse hinunterzogen, ging ein Leuchten von ihnen aus; und es war ihnen, als blieben die Menschen auf dem Trottoir stehen und bildeten Reihen, um ihnen auf ihrem Triumphzug das Ehrengeleit zu geben; und sie gingen dahin mit stolzen Blicken, hocherhobenen Kopfes und federnden Schrittes.

Und abends kam er zu ihr; und sie setzten sich mitten in den Saal und lasen Korrektur; sie las die Gegenkorrektur. Und der Alte dachte, das ist ein tüchtiger Kerl. Und als sie fertig waren, sagte er: Jetzt haben wir drei Kronen verdient! Und dann küssten sie sich. Und am nächsten Abend waren sie im Theater und fuhren nach Haus und das kostete zwölf Kronen.

Zuweilen, wenn er abends Unterricht geben sollte, liess er – was tut man nicht für die Liebe – die Stunde ausfallen und kam zu ihr. Und dann gingen sie spazieren.

Aber die Hochzeit rückte näher. Da hatte man etwas anderes zu tun. Sie sahen sich Möbel an. Mit dem Wichtigsten mussten sie beginnen. Luise wollte nicht dabei sein, wenn er das Bett kaufte, aber dann ging sie doch mit. Sie wollten zwei Betten haben, natürlich; die sollten nebeneinander stehen, damit sie nicht so viele Kinder kriegten, natürlich. Und Nussbaum musste es sein, jedes einzige Stück, echt Nussbaum. Und dann wollten sie rotgestreifte Matratzen mit Sprungfedern haben und mit Federn gestopfte Langkissen. Und jeder seine eigene Decke, aber gleiche natürlich, und Luise wollte ihre blau haben, denn sie war blond.

Dann gingen sie ins erste Warenhaus. Vor allem natürlich eine rote Ampel für die Schlafstube und eine Venus aus Biskuit. Und dann das Tischservice: sechs Dutzend Gläser von jeder Sorte mit geschliffenen Ecken; und dann Messer und Gabeln, gerieft und gezeichnet. Und schliesslich die Kücheneinrichtung. Da aber musste Mama mitgehen.

Und wieviel er zu tun hatte! Wechsel akzeptieren, zu Banken laufen, Handwerker suchen, Wohnung finden, Gardinen anbringen. Und er kriegte alles fertig. Seine Arbeit musste er allerdings liegen lassen; aber wenn er nur erst verheiratet wäre, dann würde er sie schon wieder aufnehmen!

Sie wollten nur zwei Zimmer haben, für den Anfang, sie wollten ja so verständig sein! Da man aber nur zwei Zimmer hatte, so konnte man sie wenigstens gut einrichten. Und er mietete zwei Zimmer mit Küche eine Treppe hoch in der Regierungsstrasse für sechshundert Kronen. Und als Luise bemerkte, sie hätten ebensogut drei Zimmer mit Küche vier Treppen hoch für fünfhundert Kronen haben können, wurde er etwas verlegen; aber was tut das, wenn man einander nur liebt. Ja, das meinte Luise auch, aber man könne sich in drei Zimmern für niedrigere Miete ebenso lieb haben als in vier für höhere. Ja, er sei dumm, das wisse er, aber das mache nichts aus, wenn man einander nur liebe.