Die Zimmer waren in Ordnung. Und die Schlafstube war wie ein kleiner Tempel. Und die beiden Betten standen nebeneinander wie zwei Equipagen. Und die Sonne schien auf die blaue Decke und die weissen, weissen Laken und auf die kleinen Kopfkissen, die von einer unverheirateten Tante mit Namen bestickt waren; es waren grosse blumige Buchstaben, die sich in einer einzigen Umarmung umschlangen und sich hier und dort küssten, wenn sie einander an den Ecken trafen. Und die junge Frau hatte ihren kleinen Alkoven für sich, vor dem ein japanischer Schirm stand. Und im Salon, der Esssaal, Arbeitszimmer und Wohnstube zugleich war, stand ihr Klavier (das zwölfhundert Kronen gekostet), stand sein Schreibtisch mit zehn Fächern („Nussbaum jedes einzige Stück“), standen die Pfeilerspiegel aus lauter Glas, Sessel, Büfett, Esstisch. „Es sieht aus, als wohnten vornehme Leute in dem Zimmer“; und sie konnten nicht verstehen, was man mit einem Esssaal machen sollte, der mit seinen Rohrstühlen immer ungemütlich war.

Und an einem Sonnabend war die Hochzeit! Und am Sonntagmorgen! Hei, welches Leben! Ist es nicht schön, verheiratet zu sein! Ist nicht die Ehe eine herrliche Erfindung! Man darf ja ganz tun, was man will, und dann kommen Eltern und Geschwister und gratulieren einem noch obendrein!

Die Schlafstube ist um neun Uhr morgens noch dunkel. Er will nicht die Läden öffnen, um das Tageslicht hereinzulassen, sondern steckt noch ein Mal die rote Ampel an, und die wirft ihren zauberischen Schein über die blaue Decke und die weissen Laken, die etwas zerknittert sind, und die Biskuit-Venus steht dort rosenrot und ohne Scham. Und dort liegt das Frauchen, so seelisch zerknirscht, aber so ausgeschlafen, als habe sie die erste Nacht ihres Lebens geschlafen. Und auf der Strasse rollen heute keine Wagen, denn es ist Sonntag, und die Glocken läuten zum ersten Male, so jubelnd, so hurtig, als riefen sie die ganze Welt zusammen, um den, der Mann und Weib geschaffen, zu loben und zu preisen. Und er flüstert der kleinen Frau ins Ohr, sie möge sich abwenden, denn er wolle hinausgehen und das Frühstück bestellen. Und sie steckt den Kopf in die Kissen. Und er schlüpft in den Schlafrock und geht hinter den Schirm, um sich einige Kleider anzuziehen.

Und dann kommt er in den Salon hinaus, und die Sonne hat eine grosse strahlende Bahn auf den Boden geworfen; und er weiss nicht, ob es Frühling, Sommer, Herbst oder Winter ist; er weiss nur, dass es Sonntag ist! Und er fühlt, wie seine Junggesellenzeit als etwas Garstiges und Dunkles entweicht, und in seiner Häuslichkeit spürt er einen Hauch vom alten Elternhaus und zugleich vom Heim seiner künftigen Kinder.

Hei, wie stark er ist! Die Zukunft empfindet er wie einen Berg, der ihm entgegen kommt! Er wird ihn anblasen und der Berg wird einstürzen wie Sand vor seinen Füssen; er wird über Schornsteine und Dachfirste dahinfliegen mit seinem Frauchen im Arm.

Und er liest seine Kleider zusammen, die er im Zimmer verstreut hat; und das weisse Halstuch findet er an einem Bilderrahmen: dort sitzt es wie ein weisser Schmetterling.

Und dann geht er in die Küche hinaus. Wie das neue Kupfer glänzt, wie die neuverzinnten Kasserollen leuchten! Das gehört ihm und ihr! Und er weckt das Mädchen, das im Unterrock aus ihrer Kammer kommt. Und er wundert sich, dass er ihre nackte Brust nicht sieht: sie ist geschlechtslos für ihn! Denn für ihn gibt es nur noch eine Frau! Er fühlt sich keusch wie ein Vater vor seinem Kind. Er gibt ihr den Auftrag, ins Restaurant hinunter zu gehen und ein Frühstück zu bestellen, sofort, aber brillant soll es sein. Porter und Burgunder! Der Wirt weiss schon Bescheid. Grüssen Sie nur von mir.

Und er geht an die Tür zum Schlafzimmer und klopft.

– Darf ich hereinkommen?

Ein leichter Aufschrei: