Nun begann der bittere Ernst des Lebens! Er fand eine Stelle bei einer Morgenzeitung als Korrektor. Um Mitternacht musste er auf der Redaktion sein, um drei Uhr konnte er wieder gehen. Auf seinem Amt konnte er bleiben, da es nicht zum Konkurs gekommen war, aber mit der Beförderung war es vorbei!
Schliesslich wurde ihm erlaubt, ein Mal in der Woche Weib und Kind zu besuchen, aber immer unter Bewachung. Und er musste in der Nacht zum Sonntag in einer Kammer schlafen, die neben der Schlafstube des Schwiegervaters lag. Am Sonntagabend musste er wieder in die Stadt, denn die Zeitung erschien auch am Montag.
Wenn er dann Abschied von Weib und Kind nimmt, die ihn bis an die Gartentür begleiten dürfen, denen er vom letzten Hügel noch ein Mal zuwinkt, dann fühlt er sich so elendiglich, so unglücklich, so gedemütigt. Und sie erst!
Er hat ausgerechnet, dass er zwanzig Jahre braucht um seine Schulden zu bezahlen! Und dann? Dann kann er doch nicht Weib und Kind versorgen. Aber seine Hoffnung? Nichts! Wenn der Schwiegervater stirbt, stehen seine Frau und sein Kind auf der Strasse; er wagt also nicht, ihrer einzigen Stütze den Tod zu wünschen.
O wie grausam ist das Leben, das den Menschenkindern kein Essen schaffen kann, während es doch allen anderen Geschöpfen Nahrung umsonst gibt.
O wie grausam, wie grausam! Dass das Leben nicht allen Menschen Erdbeeren und Schneehühner geben kann! Wie grausam, wie grausam!
Musste
Punkt halb neun Uhr abends im Winter steht er in der Tür zur Glasveranda des Restaurants. Während er mit mathematischer Genauigkeit die Kastorhandschuhe auszieht, guckt er über die angelaufenen Gläser erst nach rechts, dann nach links, ob Bekannte da sind. Dann hängt er den Überrock an seinen Haken, den rechts vom Kamin. Der Kellner Gustav, der ein Schüler des Lehrers gewesen ist, hat, ohne eine Ordre abzuwarten, die Brotkrumen von dessen Tisch gefegt, die Senfdose umgerührt, das Salzfass geharkt und die Serviette umgedreht. Darauf holt er, ohne dass es ihm erst gesagt zu werden braucht, eine Flasche Medhamra, macht eine halbe Flasche Vereinsbier auf, überreicht dem Lehrer, nur des Scheins wegen, die Speisekarte und fragt, mehr der Form wegen als um zu fragen:
– Krebse?
– Weibliche Krebse! sagt der Lehrer.