Der Pole nickt wieder und lächelt, denn als Pole versteht er das Wort „Gänse“ nicht.
– Ich bin sehr glücklich verheiratet gewesen – huh!
– Und dann hat man Kindergeschrei und saure Kleider am Ofen, fuhr der Lehrer fort, und dann Mägde und Küchengeruch. Nein, danke! Und dann kann man vielleicht nachts nicht schlafen.
– Huh! vollendete der Pole.
– Herr Potocki sagt huh, fiel der Buchhändler ein, mit der gewöhnlichen Schadenfreude des Junggesellen, der einen Verheirateten sich unvorteilhaft über die Ehe äussern hört.
– Was sagte ich? fragte der Witwer erstaunt.
– Huh, ahmte der Buchhändler ihm nach, und das Gespräch löste sich in ein gemeinsames Grinsen und eine Tabakswolke auf.
So wird es zwölf. Das Klavier, das eine Treppe hoch einen gemischten Chor männlicher und weiblicher Stimmen begleitet hat, schweigt. Der Kellner hört auf, von der Küchenklappe nach der Veranda zu laufen; der Wirt trägt in die Kladde die letzten Champagnerflaschen ein, die eine Treppe hoch bestellt sind; die drei Freunde erheben sich und gehen, jeder heim zu seinem „keuschen Junggesellenbett“, aber der Buchhändler heim zu seiner Stafva.
Lehrer Blom hatte im Alter von zwanzig Jahren seine Studien auf der Universität Uppsala unterbrochen und war nach der Hauptstadt Stockholm gekommen, um als Hilfslehrer sein Brot zu verdienen. Da er ausserdem noch Privatstunden gab, kam er ganz gut aus. Er verlangte nicht viel vom Leben. Ordnung und Ruhe war alles. In seinem möblierten Zimmer, das er von einer alten Mamsell gemietet hatte, fand er mehr, als ein Junggeselle zu verlangen pflegt; er fand Pflege und Freundlichkeit; all die Zärtlichkeit, welche die Natur bei dieser Frau für ein neues Geschlecht aus ihrem Blut bestimmt hatte, fiel ihm gratis zu. Sie besserte seine Kleider aus und sorgte für ihn. Er hatte aber früh seine Mutter verloren und war daher nicht gewohnt, dergleichen umsonst zu bekommen; deshalb nahm er das Geschenk als einen Eingriff in seine Freiheit hin, nahm es aber an! Die Kneipe war jedoch sein Heim. Dort bezahlte er für alles und blieb nichts schuldig.
In einer Provinzstadt des mittleren Schweden geboren, war er ein Fremdling in Stockholm. Besuchte niemand! Verkehrte nicht in Familien und traf nur seine Bekannten in der Kneipe, plauderte mit ihnen, schenkte ihnen aber nicht sein Vertrauen und hatte auch keins zu verschenken. Da er in der Schule nur in der dritten Klasse unterrichtete, hatte er ein Gefühl, als sei er im Wachstum zurückgeblieben. Er hatte ja einmal die dritte Klasse bis zur siebenten durchgemacht und war Student geworden; nun sass er doch wieder in der dritten, hatte zwölf Jahre dort gesessen und kam nicht weiter. Er lehrte das zweite und dritte Buch des Euclid, das war der Kursus der Klasse. Das ganze Leben zeigte sich also für ihn nur als ein Fragment; als ein Fragment ohne Anfang oder Ende: das zweite und dritte Buch. In freien Stunden las er Altertumskunde und Zeitungen. Altertumskunde ist eine moderne Wissenschaft, eine Krankheit der Zeit, kann man sagen. Und sie ist gefährlich, denn sie zeigt in den meisten Fällen, dass die menschliche Albernheit ziemlich konstant gewesen ist.