Pardauz! Da kam ein Ball und traf ihn direkt auf das gestärkte Vorhemd. Wie eine gereizte Wespe flog er auf und wollte den Schuldigen ausbringen, als ein hässliches Mädchengesichtchen ihm in die Augen lachte und hinter ihr ein Arbeiter in Festtagsanzug und Panamahut auftauchte, der das Kind lächelnd bei der Hand nahm und fragte, ob es weh getan habe; und dann erblickte er eine ganze Menge Dienstboten und Soldaten, die lachten. Er sah sich nach einem Schutzmann um, denn er fühlte sich in seinen Rechten als Mensch verletzt. Als er den Schutzmann aber im vertraulichen Gespräch mit der Mutter des Kindes sah, verlor er die Lust, Lärm zu schlagen, sondern ging direkt zum nächsten Droschkenhalteplatz, um einen Wagen zu nehmen und zum Buchhändler zu fahren, denn jetzt konnte er nicht länger allein sein.
Als er in der Droschke sass, fühlte er sich einigermassen geschützt, und nun wischte er mit dem Taschentuch sein Vorhemd ab, das vom Ball staubig geworden.
Als er in die Gotenstrasse des Südens kam, verabschiedete er den Kutscher, da er sicher war, den Buchhändler zu Hause anzutreffen. Wie er aber die Treppen hinaufstieg, wurde er ängstlich! Wenn er nicht zu Hause wäre!
Er war nicht zu Hause! Niemand von den Bewohnern des Hauses war daheim. Es klang so leer, als er an die Türe klopfte, und er hörte das Echo seiner Schritte.
Als er schliesslich einsam auf der Strasse stand, wusste er nicht, wohin er sich wenden solle. Potockis Adresse kannte er nicht, und heute, wo alle Läden geschlossen waren, ein Adressbuch aufzutreiben, hielt er für unmöglich!
Er ging, ohne zu wissen, wohin, die Strasse hinunter, am Hafen entlang, über die Brücke. Nicht ein bekanntes Gesicht traf er, und er fühlte sich verletzt von dieser Volksmenge, welche die Stadt während der Abwesenheit der Herren eingenommen hatte, denn er war, wie wir alle, in den Schulen des Staates zum Aristokraten erzogen.
Der Hunger, der sich bei der ersten Aufwallung gelegt hatte, begann wieder zu erwachen. Da kam ein neuer furchtbarer Gedanke über ihn, den er aus Feigheit nicht auszudenken gewagt: wo soll ich zu Mittag essen? Er war mit seinen Essmarken ausgegangen, und seine ganze Kasse bestand nur aus einer Krone fünfzig Öre. Die Marken galten ja nur bei Rejners, und eine Krone hatte er verfahren.
Er kam wieder in den Berzeliuspark. Dort sassen die Arbeiterfamilien und assen aus ihren Esskörben: gekochte Eier, Krebse, Pfannkuchen! Und die Polizei sagte nichts! Dort stand sogar ein Schutzmann, der ein Butterbrot in der einen und ein Glas Bier in der andern Hand hatte. Was ihn am meisten reizte, war, dass diese Menschen, die er verachtete, ihm augenblicklich überlegen waren! Aber warum konnte er nicht in eine Milchhandlung gehen und seinen Hunger stillen? Warum nicht? Ja! Die Antwort darauf liess er von sich gehen wie ein Aufstossen.
Schliesslich ging er an den Hafen hinunter, um nach dem Tiergarten hinüberzufahren. Dort musste er Bekannte treffen, von denen er, so unangenehm es ihm war, Geld leihen konnte, um zu Mittag zu essen. Dann aber auch fein im vornehmsten Restaurant „Haselhöhe“.
Auf dem Dampfer waren so viel Menschen, dass Lehrer Blom neben der Maschine stehen musste; die heizte ihm den Rücken und spritzte geschmolzenen Talg auf seinen Gehrock, während er einer Köchin auf den Zopf gucken und deren ranzige Pomade riechen musste. Aber nicht ein bekanntes Gesicht!