Und dann verheiratete er sich.
Der Böttcher trank zuviel auf der Hochzeit und hielt eine unanständige Rede auf die Mädchen. Der Schwiegersohn fand aber so viel Natur, so viel Liebenswürdigkeit im Auftreten des Alten, dass er ihn noch aufmunterte, statt ihn zum Schweigen zu bringen. Er fühlte sich so wohl unter diesen einfachen Menschen, da konnte er er selber sein.
– Seht, das ist die Liebe, sagten seine Freunde. Es ist doch etwas merkwürdiges mit der Liebe!
Und so waren sie verheiratet. Einen Monat. Zwei Monate. Und er war so glücklich. An den Abenden sassen sie zusammen, und er sang wieder von der „Rose im Walde“; das war ihr Lieblingslied. Und er sprach über Theater und Religion, und sie sass andächtig da und hörte zu. Aber sie sagte nichts, sie war immer seiner Meinung und häkelte Decken.
Im dritten Monat nahm er die alte Gewohnheit des Mittagschlafes wieder auf. Seine Frau wollte neben ihm sitzen, denn sie konnte nicht allein sein. Das genierte ihn, denn er hatte ein grosses Bedürfnis, mit seinen Gedanken allein zu sein.
Zuweilen ging sie ihm mittags entgegen; dann war sie so stolz, wenn er seine Kameraden verliess und zu ihr hinüberkam. Und dann brachte sie ihn im Triumph nach Haus: es war ihr Mann!
Im vierten Monat begann er müde zu werden, ihr Lieblingslied zu singen. Das war so verbraucht! Und er nahm ein Buch, und beide sassen still da.
Eines Abends musste er auf eine Sitzung, der ein Schmaus folgte. Es war der erste Abend, an dem er nicht zu Hause war. Seine Frau musste sich eine Freundin einladen und sollte früh zu Bett gehen, denn er würde erst spät nach Haus kommen.
Die Freundin kam; um neun Uhr ging sie wieder. Die junge Frau setzte sich in den Salon, um zu warten, denn sie wollte sich bestimmt nicht früher niederlegen, bis ihr Mann nach Haus gekommen. Sie hatte keine Ruhe zum Schlafen.
So sass sie allein in der Wohnung. Was sollte sie tun? Das Mädchen war schlafen gegangen, und im Haus wurde es still. Die Wanduhr tickte und tickte. Aber es war erst zehn, als sie müde die Decke, an der sie häkelte, fortlegte. Sie ging umher, räumte etwas auf, war nervös.