– Das könne er nicht sagen, aber es sei bestimmt etwas nicht richtig. Der Haushalt sei zu teuer. Das sei alles. Auf die Dauer ginge es nicht so weiter, und er komme nie dazu, an seiner Abhandlung zu arbeiten.
Tränen und Küsse und grosse Versöhnung!
Er fing nun aber an, einige Abende in der Woche auszugehen. Geschäfte! Ein Mann müsse sich unter den Leuten sehen lassen. Das sei nun ein Mal so; sonst werde er vergessen.
O die langen, langen Abende! Jetzt aber ging die Frau zu Bett und stellte sich schlafend, als ihr Mann nach Hause kam.
Ein Jahr war vergangen, aber von einem Kind war nichts zu merken. Der Mann dachte: das gleicht ja ganz einem kleinen Verhältnis, das ich früher ein Mal gehabt habe; nur ist das jetzige langweiliger und teuerer. Die Gespräche hörten auf, und nur Geschwätz über Angelegenheiten des Haushalts blieb übrig. Sie ist ja dumm, dachte er. Auf mich selber lausche ich ja, wenn ich spreche, und die Tiefe in ihren Blicken kam ja nur daher, dass sie so grosse Pupillen hat, so ungewöhnlich grosse Pupillen.
Er sprach jetzt offen mit ihr von seiner früheren Liebe zu ihr, als von etwas, das vergangen sei. Nein, das gab ihm wieder einen Stich ins Herz, wie etwas Aufreizendes, Unbarmherziges, etwas das niemals sterben konnte.
Dann aber sprach er zuweilen zu sich selber.
– Alles auf Erden ist der Abnutzung unterworfen. Warum soll denn ihr Lieblingslied unvergänglich sein. Wenn man es dreihundertfünfundsechzig Male gehört hat, ist es verbraucht; daran ist nichts zu ändern. Aber hat denn meine Frau recht, wenn sie daraus schliesst, dass es mit der Liebe auch zu Ende ist? Nein, und ein leises ja! Wenn es aber nur ein Konkubinat ist? Das ist es, da wir kein Kind haben!
Eines Tages entschloss er sich, mit einem verheirateten Kameraden zu sprechen; sie waren ja beide Mitglieder des Freimaurerordens der Verheirateten.
– Wie lange bist du verheiratet?