Reibungen

Ihm waren die Augen aufgegangen über die Verkehrtheit der Welt, aber er besass nicht die Kraft, das Dunkel zu durchdringen, um zu sehen, worin die Ursache zu dieser Verkehrtheit lag; darum verzweifelte er, wurde, was man „zerrissen“ nennt. Da verliebte er sich in ein Mädchen, das sich mit einem andern verheiratete. Er beklagte sich seinen Freunden und Freundinnen gegenüber, aber die lachten nur über ihn. So ging er allein, „unverstanden“, seinen Weg ein Stück weiter. Er gehörte zur „Gesellschaft“ und nahm an deren Vergnügungen teil, weil die ihn zerstreuten; im Grunde aber verachtete er diese Vergnügungen, und das verbarg er nicht.

Eines Abends war er auf einem Ball. Er tanzte mit einem jungen Mädchen von ungewöhnlicher Schönheit und von lebhaften Zügen. Als der Walzer zu Ende war, stellte er sie an eine Wand. Er musste mit ihr sprechen, wusste aber nicht, was er sagen sollte. Schliesslich brach das Mädchen das Schweigen und sagte mit einem harten Lächeln:

– Sie tanzen wohl sehr gern, Herr Baron?

– Nein, durchaus nicht! antwortete er. Und Sie?

– Ich kenne nichts Alberneres, antwortete sie.

Er hatte seinen Mann, oder richtiger, seine Frau gefunden.

– Warum tanzen Sie denn? fragte er.

– Aus demselben Grunde wie Sie, sagte sie.

– Kennen Sie denn meine Gedanken? fragte er.