Von kleinen Gewissensbissen geplagt, konnte der Baron dann aufstehen, für einen Augenblick zu seiner Frau in die Kinderstube gehen, sie und das Kind küssen und fragen, wie es ihnen gehe. Und die Baronin war dankbar, aber sie war nicht glücklich. Der Baron kehrte dann in brillanter Laune zur Gesellschaft zurück, als habe er eine Pflicht erfüllt. Oft allerdings verstimmte es ihn, dass seine Frau, als seine Frau, nicht dabei sein konnte; und er fühlte sich von dieser Last bedrückt.

Als der Frühling kam, fuhr die Kusine nicht nach Haus, sondern begleitete das Ehepaar in einen Badeort. Dort führte sie für die Armen kleine Schauspiele auf, und sie und der Baron spielten gegen einander, natürlich Liebhaber und Liebhaberin. Das hatte die ganz natürliche Folge, dass die Flamme aufloderte. Aber es war nur geistiges Feuer. Gemeinsame Interessen, dieselben Ansichten, und vielleicht ähnliche Naturen.

Die Baronin hatte Zeit genug gehabt, um über ihre Stellung nachzudenken. Eines Tages sagte sie dem Mann, da es zwischen ihnen aus sei, so sei es das Beste, sich zu trennen. Das wollte er denn doch nicht, und Verzweiflung ergriff ihn. Die Kusine sollte nach Haus reisen und seine Frau sollte sehen, dass er ein Mann von Ehre sei.

Die Kusine reiste ab. Aber der Briefwechsel begann. Die Baronin musste alle Briefe lesen. Sie wollte es nicht, aber der Baron verlangte es. Bald aber gab er nach und las seine Briefe allein.

Schliesslich kam die Kusine zurück! Da brach es los! Der Baron hatte entdeckt, dass er nicht mehr ohne sie leben könne! Was war zu tun? Trennung? Das wäre der Tod! Fortsetzen? Unmöglich! Die Ehe auflösen, die der Baron jetzt nur noch für eine Prostitution hielt, und sich mit einander verheiraten? Ja, das war das einzig Ehrliche, wenn es auch schmerzhaft war.

Das aber wollte die Kusine nicht! Es sollte nicht heissen, sie habe einen Mann von seiner Frau gelockt; und der Skandal, der Skandal!

– Aber es sei unehrlich, wenn er seiner Frau nicht alles sage; es sei unehrlich, weiter zu gehen; man wisse nicht, wie weit es gehen könne.

– Was? Was meine er? Wie weit könne es gehen?

– Das könne man nicht wissen!

– Oh, wie schändlich! Was er von ihr denke?