– Kommt es daher, dass die Oberklasse uns dazu erzogen hat, ein böses Gewissen zu haben, jedes Mal wenn wir uns gegen sie erheben? Wahrscheinlich! Warum hat der nicht das Recht, die Ungerechtigkeit anzugreifen, der von der Ungerechtigkeit gekränkt worden ist? Weil nur der, der gekränkt worden ist, angreifen wird, und die Oberklasse nicht angegriffen werden will. Warum habe ich die Oberklasse früher, als ich zu ihr gehörte, nicht angegriffen? Weil ich damals natürlich nicht wusste, was sie ist! Man muss sich von einem Bild entfernen, um den richtigen Gesichtspunkt zu finden!
– Am Weihnachtsabend spricht man nicht von solchen Dingen.
– Es ist wahr, es ist Weihnachten, „dieses Fest ...“
Und sie fuhren nach Haus. Der Tannenbaum wurde angesteckt, und Friede und Glück strahlten von ihm aus; aber die dunklen Tannenzweige rochen nach Begräbnis und sahen düster aus, düster wie das Gesicht des Barons. Dann aber kam die Amme mit den Kleinen. Da klärte er sich auf, denn, dachte er, wenn sie herangewachsen sind, dann werden sie in Freude ernten, was wir in Tränen gesäet haben; dann werden sie nur ein böses Gewissen haben, wenn sie sich gegen die Gesetze der Natur vergehen; werden nicht wie wir jetzt von Grillen geritten werden, die mit dem Rohrstock eingebläut, mit Pfaffengeschichten eingetrichtert, von der Oberklasse zum Nutzen der Oberklasse verfasst sind.
Die Baronin setzte sich an den Flügel, als die Mädchen von der Küche und der Diener hereinkamen. Und sie spielte alte wehmütige Tänze, über die sich der Nordländer freut, und die Leute tanzten mit den Kindern, sahen aber nicht fröhlich aus. Es war wie der schuldige Teil eines öffentlichen Gottesdienstes.
Dann erhielten die Kinder und die Leute ihre Weihnachtsgeschenke. Und dann mussten die Kinder schlafen gehen.
Die Baronin ging in den Salon und setzte sich in einen Sessel. Der Baron setzte sich auf einen Schemel ihr zu Füssen. Darauf liess er seinen Kopf auf ihre Knie sinken. O, der war so schwer, so schwer! Und sie streichelte ihm die Stirn, sagte aber nichts.
– Was! Er weine?
– Ja, das tue er!
Sie hatte noch nie einen Mann weinen sehen. Das war furchtbar! Die ganze kräftige Gestalt schlotterte, aber er schluchzte nicht, und kein Laut war von ihm zu hören.