– Schrecklicher Gedanke, aber das täten sie wohl. Man sehe ja Steine in Kiefern festwachsen, warum nicht Ansichten in Gehirnen. Aber sie glaube doch, dass er recht habe, dass er das Gute wolle?
– Ja, das glaube sie! Aber er dürfe nicht böse werden: vermisse er nicht sein Kind, das erste?
– Doch gewiss, aber dem sei ja nicht zu helfen. Wenigstens jetzt noch nicht! Aber er und die andern, die für die Zukunft arbeiteten, müssten auch dafür eine Hilfe finden! Noch wisse er nicht wie, aber stärkere Köpfe als seiner, und viele zusammen, würden wohl einmal diese Frage, die jetzt unlösbar erscheine, lösen.
– Ja, das müssten sie!
– Aber ihre Ehe? Sei das noch eine rechte Ehe, da er ihr seinen Kummer nicht sagen wolle? Sei das nicht auch Pro ...?
– Nein, das sei eine rechte Ehe, denn sie liebten einander; das hätten er und seine erste Frau nicht getan! Sie liebten doch einander? Könne sie das leugnen?
– Nein, lieber Geliebter, das könne sie nicht!
– Nun, dann sei es eine rechte Ehe, von Gott, von der Natur!
Unnatürliche Auslese
oder
Die Entstehung der Rasse
Der Baron hatte mit grossem und edlem Verdruss im „Lebenssklaven“ gelesen, dass die Kinder der Oberklasse untergehen würden, wenn sie nicht die Muttermilch von den Kindern der Unterklasse nähmen. Er hatte Darwin gelesen und zu verstehen geglaubt, durch die Auslese seien adelige Kinder eine höhere Entwicklungsstufe der Gattung Mensch. Durch die Lehre von der Erblichkeit aber hatte er einen Widerwillen gegen den Gebrauch von Ammen gefasst: indem Blut der Unterklasse in adelige Adern fliesst, könnten ja gewisse Begriffe, Vorstellungen, Intentionen eingepflanzt werden. Er hatte also den Grundsatz angenommen, seine Frau solle selber säugen; wenn ihre Milch nicht reiche, solle das Kind mit der Flasche genährt werden. Die Milch von den Kühen zu nehmen, war wohl sein Recht, wenn die Kühe sein eigenes Heu frassen, ohne das sie verhungern würden oder gar nicht geboren wären.