Er hatte ein Florett bei sich, da er nachher in die Fechtstunde wollte. Er stellte es in eine Ecke, damit es sich keine unangenehme Aufmerksamkeit zuzog. Aber es war schon bemerkt werden. Niemand wusste eigentlich, was es für ein Ding sei, aber sie verstanden, dass es eine Waffe vorstellte. Einige der Kühnsten machten sich in der Ecke zu schaffen, um es zu untersuchen. Sie befingerten die Umwindung des Heftes, kratzten mit den Nägeln auf dem Stichblatt, bogen die Klinge, befühlten den kleinen Ball aus Handschuhleder. Es war, als schnüffelten Hasen an einer Flinte, die sie im Walde gefunden. Sie verstanden nicht, wozu es anzuwenden sei, aber sie fühlten, es war etwas Feindliches, das einen verborgenen Zweck hatte. Schliesslich trat ein Gürtlerlehrling, dessen Bruder zur Leibgarde gehörte, an die Neugierigen heran und entschied die Frage sofort: Könnt ihr nicht sehen, dass es ein Säbel ist, ihr Kaulbarsche! Und damit warf er einen respektvollen Blick auf Herrn Theodor; doch lag in diesem Blick auch ein geheimes Einverständnis, das bedeutete: Wir verstehen das! Aber ein Seilerjunge, der einmal bei der Artillerie gewesen war, um Trompeter zu werden, hielt sich beim Fällen des Urteils für übergangen, konnte den Mund nicht halten, sondern erklärte: man könne ihn in den Rücken beissen, wenn das nicht ein Degen sei! Die Folge war eine Schlägerei, die den ganzen Kirchensaal in einen einzigen grossen Hundehof verwandelte, der von Staub rauchte und mit Geheul erfüllt war.

Da wird die Tür geöffnet und der Hilfsprediger steht da. Ein junger, blasser, magerer Mann, der Ausschlag im Gesicht und wässerige blaue Augen hat. Er schrie die Jungen zuerst an. Die wilden Tiere hörten auf, sich zu schlagen. Darauf liess er sich aus über Jesu teueres Blut und die Macht, die das Böse über die Herzen hat. Schliesslich brachte er die hundert Jungen dazu, sich auf Bänke und Stühle zu setzen. Bis dahin war er aber ganz ausser Atem gekommen und das Zimmer war voll von aufgewirbeltem Staub. Er warf einen Blick nach dem Fensterventil und sagte mit matter Stimme: Öffnet die Klappe! Damit weckte er aber den Sturm wieder. Fünfundzwanzig Knaben stürzten hin und stiessen beim Fenster auf einen Haufen zusammen, um die Schnur zum Ventil zu fassen.

– Geht und setzt euch! schrie der Geistliche von neuem und lief nach dem Stock.

Für einen Augenblick herrschte Ruhe. Der Geistliche dachte sich eine praktischere Art aus, um ohne Schlacht die Klappe zu öffnen.

– Du, sagte er und zeigt auf einen eingeschüchterten armen Teufel, geh und öffne die Klappe.

Der Kleine trat ans Fenster und suchte die zusammengezogene Schnur zu lösen. In atemlosen Schweigen warteten die versammelte Schar das Ergebnis ab, als ein grosser Bursche im Seemannsanzug, der eben mit der Brigg Carl Johan heimgekehrt war, die Geduld verlor:

– Nun sollt ihr mal sehen, hol mich der Teufel, was ein Junge kann, sagte er; im Nu hatte er den Rock abgeworfen, das Fensterbrett geentert, sein Messer gezogen und die Schnur durchgeschnitten.

– Kappen Bakstag! konnte er noch sagen, als der Geistliche einen neuen Schrei ausstiess, wie ein hysterisches Weib, und damit den Seemann buchstäblich hinunterscheuchte. Der beteuerte:

– Das Fall hatte sich so vertüdert, dass nichts anderes zu machen war, als kappen.

Der Pastor war ganz ausser sich. Er kam aus einer stillen Provinz und hätte nicht geglaubt, dass eine Jugend so tief verdorben sein könnte, so in Unsittlichkeit und Sünde versunken, so weit vorgeschritten auf dem Weg der Verdammnis. Und er erzählte ihnen lang und breit von Jesu teuerm Blut.