– Verzeih, das ist eine Lüge. Du hast nie einen Wechsel gefälscht; du hast niemals einem syphilitischen Doktor, von dem du Geld gegen Sicherheit in natura leihen wolltest, deine Strümpfe gezeigt; du bist niemals so romantisch stupid gewesen, zu erwarten, dein Mann würde sich eines Verbrechens wegen anzeigen, das seine Frau aus Dummheit begangen und das kein Verbrechen wurde, weil kein Ankläger da war; und du hast mich nie belogen! Ich habe dich ebenso ehrlich behandelt, wie Helmer seine Frau behandelte, als er sie zur Vertrauten seiner Seele machte, sie über die Geschäfte der Bank mitsprechen liess; duldete, dass sie sich in die Besetzung einer Stelle einmischte! Wir sind also Mann und Weib nach allen Begriffen gewesen, sowohl altmodischen wie neumodischen!

– Ja, aber ich bin deine Haushälterin gewesen!

– Verzeih, das ist eine Lüge! Du hast niemals in der Küche gegessen, du hast keinen Lohn erhalten, niemals über Ausgaben Rechnung legen müssen, niemals Schelte gekriegt, weil dies und jenes nicht richtig war! Und hältst du meine Arbeit: holen und brassen, Tau fieren und „präsentiert“ schreien, Heringe auszählen und Schnäpse ausmessen, Erbsen wiegen und Mehl prüfen – hältst du das für ehrenvoller als: nach Mägden sehen und auf den Markt gehen, Kinder ernähren und Kinder erziehen!

– Nein, aber du wirst dafür bezahlt! Du bist dein eigener Herr! Du bist ein Mann!

– Mein liebes Kind! Willst du einen Lohn von mir haben? Willst du meine wirkliche Haushälterin werden? Dass ich ein Mann bin, das ist ein Zufall, denn das soll erst im sechsten Monat entschieden werden! Das ist traurig, denn es ist jetzt ein Verbrechen geworden, Mann zu sein; es ist aber kein Fehler. Und der Teufel hole den, der die beiden Hälften der Menschheit gegen einander erhoben hat! Der hat viel zu verantworten. Bin ich der Herr? Herrschen wir nicht beide? Tue ich etwas Wichtiges, ohne dich um Rat zu fragen? Was? Aber du, du erziehst deine Kinder nach deinem Kopf! Erinnerst du dich nicht, dass ich das Wiegen abschaffen wollte, weil es die Kinder zum Schlaf berauscht. Da durftest du herrschen! Ein ander Mal habe ich geherrscht, das nächste Mal wieder du! Einen Mittelweg gibt es nicht, denn zwischen Wiegen und Nichtwiegen gibt es kein Mittelding! Es ist doch ganz gut gegangen bis jetzt! Du hast mich für Ottilie verlassen!

– Ottilie! Immer Ottilie! Hast du nicht selber sie zu mir geschickt?

– Nicht gerade sie! Jetzt aber herrscht sie jedenfalls!

– Von allem, was ich liebe, willst du mich trennen!

– Ist Ottilie alles? Es sieht beinahe so aus!

– Aber ich kann sie jetzt nicht fortschicken, da ich sie engagiert habe, damit sie Pädagogik und Latein mit den Mädchen treibt!