Mittlerweile habe ich eine Unterredung mit dem Chemiker, und ein Tag wird bestimmt für eine Zusammenkunft, bei der die entscheidenden Versuche gemacht werden sollen.

An dem Morgen, der diese Sache entscheiden soll, nehme ich einen Wagen und bringe meine Retorten und Reagentien zu dem Kaufmann, der im Quartier du Marais wohnt. Der gute Mann war da; aber der Chemiker, der entdeckt hatte, dass es ein Feiertag war, hatte sich entschuldigt und die Sitzung auf den folgenden Tag verschoben.

Es war Pfingsten, was ich nicht gewusst hatte. Das schmutzige Kontor, das auf die finstere und unsaubere Strasse sah, bedrückte mir das Herz. Erinnerungen an die Kindheit erwachten: Pfingsten, das selige Fest, an dem die kleine Kirche mit grünen Zweigen, mit Tulpen, Lilien und Maiblumen geschmückt, sich für die Abendmahlskinder auftat; die jungen Mädchen weissgekleidet wie die Engel ... die Orgel ... die Glocken....

Ein Gefühl der Scham bemächtigte sich meiner Seele, und ich kehrte tief bewegt nach Hause zurück, fest entschlossen, jeder Versuchung, aus meiner Wissenschaft ein Geschäft zu machen, zu widerstehen. Ich säuberte mein Zimmer von den herumstehenden Apparaten und Reagentien; ich kehrte es aus; staubte ab, räumte auf; ich liess Blumen holen, besonders Narzissen. Nachdem ich dann ein Bad genommen und das Hemd gewechselt hatte, glaubte ich von dem Schmutz gereinigt zu sein. Darauf ging ich aus, um auf dem Kirchhof Montparnasse spazieren zu gehen; dort führte eine Heiterkeit der Seele mich zu milden Gedanken und einer ungewöhnlichen Zerknirschung.

O crux ave spes unica: so weissagten die Grabhügel mir mein Schicksal. Nichts mehr von Liebe! Nichts mehr von Geld! Nichts mehr von Ehre! Der Weg des Kreuzes, der einzige, der zur Weisheit führt.


[4.]

Das wiedergewonnene Paradies.

Den Sommer und den Herbst des Jahres 1895 zähle ich, trotz allem, zu den glücklichsten Etappen meines so bewegten Lebens. Alles, was ich angreife, gelingt mir; unbekannte Freunde bringen mir die Nahrung wie die Raben dem Elias; Geld fliegt mir zu: ich kann Bücher kaufen, naturwissenschaftliche Gegenstände, darunter ein Mikroskop, das mir die Geheimnisse des Lebens entschleiert.

Tot für die Welt, da ich auf die eitlen Freuden von Paris verzichte, bleibe ich in meinem Viertel, wo ich jeden Morgen die Toten des Kirchhofs Montparnasse besuche, um dann in den Luxemburggarten hinabzusteigen und meine Blumen zu begrüssen. Zuweilen besucht mich ein durchreitender Landsmann, um mich einzuladen, auf der andern Seite des Wassers zu frühstücken und ins Theater zu gehen. Ich versage es mir, weil das rechte Ufer mir verboten ist: das ist die sogenannte "Welt", die Welt der Lebenden und der Eitelkeit.