Schliesslich sind wir am Fleurus-Tor angelangt, wo mein Wegweiser mir ein Zeichen gibt, stehen zu bleiben, und in einer Sekunde ist er an das andere Ende des Gartens, ans Gay-Lussac-Tor, versetzt; eine Entfernung, die mir unermesslich erscheint, obgleich sie nur ein halbes Kilometer umfasst; und trotz der Entfernung kann ich den Unbekannten von seinem ovalen Lichtrand umgeben sehen. Ohne ein Wort hervorzubringen, befiehlt er mir mit kleinen Bewegungen der Mundmuskeln, mich zu nähern. Ich glaube seine Ansicht zu begreifen, in dem ich die endlose Allee zurücklege, den Hippodrom, den ich seit Jahren wohl kenne; in der Ferne begrenzt ihn das Kreuz des Pantheon, das sich in blutroter Farbe auf dem schwarzen Himmel abzeichnet.

Der Weg des Kreuzes, und vielleicht die vierzehn Stationen! wenn ich nicht irre. Ehe ich beginne mache ich Zeichen, dass ich sprechen, fragen, Aufklärung erhalten will; und mein Wegweiser antwortet mit einer Neigung des Hauptes, dass er bereit sei, zu hören, was ich vorzubringen habe.

Im selben Augenblick ändert der Unbekannte den Platz, ohne die kleinste Bewegung oder das geringste Rascheln vernehmen zu lassen; das einzige, was ich merke, ist, dass er, als er mir näher kommt, einen balsamischen Duft verbreitet, der mein Herz und meine Lungen schwellen lässt und mir Mut einflösst, den Strauss zu wagen.

Und ich beginne mein Verhör.

—Du bist es, der mich seit zwei Jahren verfolgt; was wünschest du von mir?

Ohne den Mund zu öffnen, antwortet mir der Unbekannte mit einer Art Lächeln voll übermenschlicher Güte, Nachsicht und Bildung:

—Warum fragst du mich, da du die Antwort selbst kennst? Und wie in meinem Innern höre ich eine Stimme widerklingen:

—Ich wünsche dich zu einem höheren Leben zu erheben? Dich aus dem Schmutz zu ziehen.

—Geboren aus dem Schmutz, geschaffen für das Niedrige, mich vom Moder nährend, wie soll ich anders von der Grobheit befreit werden als durch den Tod? Nimm denn mein Leben!—Du willst nicht! Die auferlegten Strafen sollen also die Mittel zur Erziehung ausmachen. Aber ich versichere dir, die Demütigungen machen mich hochmütig, der Verzicht auf die kleinen Genüsse des Lebens erzeugt Verlangen, Fasten ruft Schwelgerei hervor, was nicht meine Haussünde ist; die Keuschheit verschärft die Begierde des Fleisches, die aufgezwungene Einsamkeit erzeugt Liebe zur Welt und ihren ungesunden Vergnügungen, Armut gebiert Geiz; und die schlechte Gesellschaft, auf die ich angewiesen bin, flösst mir Menschenverachtung ein und erregt in mir den Argwohn, dass die Gerechtigkeit schlecht gehandhabt wird. Ja, in gewissen Augenblicken scheint es, als sei die Vorsehung ungenügend unterrichtet von ihren Satrapen, denen sie die Regierung über die Menschenwelt anvertraut hat; dass ihre Präfekten und Unterpräfekten sich Unterschleife, Fälschungen, unbegründete Anzeigen zu schulden kommen lassen. So ist es mir geschehen, dass ich bestraft worden bin, wo andere gesündigt haben; Prozesse gehalten worden sind, bei denen ich nicht nur unschuldig war, sondern noch dazu Verteidiger der Billigkeit und Ankläger des Verbrechens; und gleichwohl hat die Strafe mich getroffen, während der Schuldige triumphierte. Gestatte eine offene Frage: sind etwa Frauen zu Mitregentinnen angenommen worden? Die gegenwärtige Regierungsart scheint mir so reizbar, so kleinlich zu sein, so ungerecht, ja ungerecht! Jedes Mal, wenn ich eine gerechte und gesetzliche Sache gegen eine Frau geführt habe, ist sie, wie gemein sie auch gewesen sein mag, freigesprochen und ich bin verurteilt worden! Du willst nicht antworten! Und da forderst du von mir, dass ich die Verbrecherischen lieben soll, die Seelenmörder, die das Gemüt vergiften und die Wahrheit verfälschen, die Meineidigen! Nein, tausendmal nein! "Ewiger, sollte ich nicht die hassen, die dich hassen? Sollte mir nicht grauen vor denen, die sich gegen dich erheben? Ich hasse sie aus dem Grunde: ich halte sie für meine Feinde." So spricht der Psalmist, und ich füge hinzu: ich hasse die Bösen, so wie ich mich selbst hasse! Und mein Gebet ist dieses: Strafe, o Herr, die mich verfolgen mit Lügen und Bosheiten, wie du mich gestraft hast, wenn ich boshaft und lügnerisch gewesen war! Habe ich nun gelästert, habe ich nun den Ewigen beschimpft, Jesu Christi Vater, den Gott des Alten und Neuen Testamentes? Ehemals hörte er auf die Einwürfe der Sterblichen und erlaubte den Angeklagten, sich zu verteidigen. Höre nur, wie Moses seine Verteidigungsrede vor dem Herrn formte, als die Israeliten Ekel vor dem Manna bekommen hatten: "Warum bekümmerst du deinen Diener? Und warum finde ich nicht Gnade vor deinen Augen, dass du so die ganze Last des Volkes auf mich legst? Habe ich nun alles dieses Volk empfangen und geboren, dass du zu mir sagst: Trage sie auf deinen Armen, wie eine Amme einen Säugling trägt, in das Land, das du ihren Väter zugeschworen hast? Woher soll ich nun Fleisch nehmen, das ich allen diesem Volk gebe? Denn sie weinen vor mir und sprechen: Gib uns Fleisch, dass wir essen. Ich vermag nicht allein zu tragen alles dieses Volk, denn es ist mir zu schwer." Ist das nicht Freimütigkeit von einem Sterblichen? Ist sie ganz gebührlich, diese Rede eines zornigen Dieners? Und sein Herr erschlägt den Aufrührerischen nicht mit dem Donnerkeil, sondern lässt sich belehren und nimmt ihm seine Last ab, indem er siebzig Anführer auswählt, die mit Moses die Bürde des Volkes teilen. Des Ewigen Art, das Volk zu erhören, da es ihm um Fleisch zum Essen anruft, ist nur ein bisschen verächtlich, wie die eines gutmütigen Vaters, der sich den Wünschen seiner unverständigen Kinder fügt: "Darum wird euch der Herr Fleisch geben, auf dass ihr esset: Nicht einen Tag, nicht zwei, nicht fünf, nicht zehn, nicht zwanzig Tage lang; sondern einen Monat lang, bis dass es euch zur Nase ausgehe und euch ein Ekel werde." Das ist ein Gott nach meinem Ideal, und er ist derselbe, den Hiob anruft: "O, dass es dem Menschen erlaubt wäre, mit Gott zu rechten, so wie ein Mann tut mit seinem vertrauten Freund!" Aber ohne diesen Zustand abzuwarten, nimmt der mit Unglück Geschlagene sich die Freiheit, Erklärungen von dem Herrn zu verlangen über die schlechte Behandlung, der er ausgesetzt worden ist. "Ich werde zu Gott sagen: Verdamme mich nicht; zeige mir, warum du gegen mich ins Gericht gegangen bist. Kann es dir gefallen, mich niederzudrücken, deiner Hände Werk zu verwerfen und die Absichten der Boshaften zu fördern?" Das sind doch Vorwürfe und Beschuldigungen, die der gute Gott ohne Groll hinnimmt, und auf die er antwortet, ohne sich des Donners zu bedienen. Wo ist er, der himmlische Vater, der zu den Torheiten der Kinder gutmütig lächeln und verzeihen konnte, nachdem er gestraft hatte? Wo verbirgt er sich, der Hausherr, der das Haus in guter Ordnung hielt und die Aufseher überwachte, um Ungerechtigkeiten zu hindern? Ist er vom Sohn abgesetzt worden, dem Idealisten, der sich nicht mit weltlichen Dingen befasst? Oder überlieferte er uns dem Fürsten dieser Welt, der Satan genannt wird, als er nach dem Fall der ersten Menschen seinen Fluch über die Erde schleuderte?

Während dieser meiner unzusammenhängenden Verteidigungsrede betrachtete der Unbekannte mich mit demselben nachsichtigen Lächeln, ohne Ungeduld zu verraten; als ich aber zu Ende gekommen war, war er verschwunden, eine erstickende Atmosphäre von Kohlenoxyd um mich zurücklassend, und ich fand mich einsam stehend auf der düsteren, schmutzigen, herbstschauerlichen Rue Medicis.