—Vielleicht haben seine blutdürstigen Triebe, die neulich hier in Paris keine Befriedigung fanden, einen andern Ausweg gesucht, gleichviel welchen.
In mir selber frage ich: ist es möglich, dass meine glühenden Gebete den Dolch abgelenkt haben, der nun durch meinen Gegenstoss den Mörder mitten ins Herz getroffen hat?
Ich forsche nicht weiter, sondern schlage, edelmütig wie ein Sieger vor:
—Retten wir unsern Freund wenigstens literarisch. Ich werde einen Aufsatz über seine schriftstellerischen Verdienste schreiben: Sie zeichnen ein sympathisches Porträt, und beides bieten wir der "Revue blanche" an.
Im Atelier des Dänen—der Hund bewacht es nicht mehr!—betrachten wir ein Porträt Popoffskys, das vor mehr als zwei Jahren gemalt ist. Es ist nur der Kopf, durch eine Wolke abgeschnitten, und darunter Totenknochen, wie man sie auf Grabtafeln sieht. Der abgeschnittene Kopf macht uns schaudern, und mein Traum vom dreizehnten Mai bedrückt mich wie ein Gespenst.
—Wie sind sie auf den Gedanken dieser Enthauptung gekommen?
—Schwer zu sagen, aber es ruhte ein Verhängnis auf diesem feinen Geist: er besass Spuren von entschiedenem Genie und trachtete nach dem höchsten Ruhm, ohne aber den Preis dafür zahlen zu wollen. Das Leben lässt uns nur die Wahl: entweder der Lorbeer oder die Sinnenlust.
—Sie haben das endlich auch entdeckt?
23. Juni.—Ich habe eine Nadel aus unechtem Gold mit einer falschen Perle gefunden. Aus dem Bad der Goldsynthese habe ich ein Herz aus Gold gefischt.
Als ich am Abend durch die Rue du Luxembourg gehe, sehe ich im Hintergrund der ersten Allee rechts, über den Bäumen, eine Hirschkuh am Himmel gezeichnet. Ich bewundere sie, so schön ist sie in der Form wie in der Farbe, und sie gibt mir ein Zeichen mit dem Kopf, in der Richtung nach Südost (Donau)!