Ich weiss nicht, ob ich dort unten an der Donau meine Frau treffen werde; das ist mir beinahe gleichgültig geworden, weil unsere Charaktere sich doch nicht vertragen. Ich rüste mich zu meiner Pilgerfahrt, denn ich weiss wohl, dass es eine Büsserreise ist und dass mir neue Golgathas bestimmt sind.
Dreissig Tage der Marter, dann öffnen sich die Türen der Folterkammer. Ich scheide ohne Bitterkeit von meinem Freund und meinem Henker. Er ist nur die Geissel der Vorsehung für mich gewesen.
Glücklich der Mensch, den Gott züchtigt!...
[9.]
Beatrice.
In Berlin bringt mich eine Droschke vom Stettiner zum Anhalter Bahnhof. Auf der halbstündigen Durchfahrt ist es mir, als führe ich durch eine Dornenhecke, soviel leibhaftige Erinnerungen bedrängen mein Herz. Zuerst fahre ich durch die Strasse, in der mein Freund Popoffsky mit seiner ersten Frau wohnte, unbekannt oder vielmehr verkannt, mit dem Elend und den Leidenschaften kämpfend. Jetzt ist die Frau tot, sein Kind ist tot, in diesem Haus linkst war es; und unsere Freundschaft hat sich in wilden Hass verwandelt.
Hier rechts die Bierstube der Künstler und Schriftsteller, der Schauplatz so vieler Geistes-und Liebesorgien.
Dort die Cantina Italiana, wo ich vor drei Jahren meine damalige Braut zu treffen pflegte; dort haben wir das erste Honorar, das ich aus Italien erhielt, in Chianti verwandelt.
Dort der Schiffbauerdamm mit der Pension Fulda, wo wir als junges Ehepaar wohnten. Hier mein Theater, mein Buchhändler, mein Schneider, mein Apotheker.