So traf er einst auf seinen langen Wegen einen Pilgrim; unter dem breiten, mit Muscheln besetzten Filzhut schlotterte der Reisemantel, auf den ein Bettelsack und eine Kürbisflasche drückten. Es war eine knochige Gestalt, die ohne zu hasten weiterschlurfte, und beim Gehen fiel der Leib regelmäßig aufs eine und dann aufs andere Bein; der Kerl schien nicht mehr von seinem Willen getrieben. Als die beiden Schatten nahe beieinander wandelten, blickte er nicht auf. Er murmelte zwischen seinen Zähnen: „Unser Vater, der Du bist im Himmel . . .“, und man hörte die dicken Kugeln seines Rosenkranzes leise klappern.
„Warm!“ sagte Ahasverus, der durstig war und nach der bauchigen Flasche schielte.
Unter dem Rand des Hutes blickte das alte Gesicht auf, mit einem toten Blick, der in einer großen Augenhöhle saß, und sagte:
„. . . Geheiliget werde Dein Name . . .“
„Ein Schlückchen würde mir gut tun, Mann!“
„. . . Dein Wille geschehe wie im Himmel, also auch auf Erden . . .“ antwortete der Pilgrim.
Ahasverus griff nach der Kürbisflasche und tat einen langen Zug, aber der Pilgrim murmelte immer nur und knabberte weiter an seinem Gebet, ohne auf etwas zu achten. Ahasverus wurde es seltsam zumute; das schien ihm wie ein Gespenst, beladen mit einem furchtbaren Geheimnis, und er fragte mit unsicherer Stimme:
„Aber Mann . . . lebst du? . . .“
Doch der Pilgrim sah noch einmal auf, wie ein gutmütiger Tropf:
„. . . Erlöse uns von dem Übel,“ und mit tiefem Atemholen: „Amen.“ Darauf fiel sein Blick wieder auf die Erde, und er begann von vorne mit einer anderen Kugel.