Aber dich allein hab ich nicht, dich allein hab ich nötig, denn alles, was in mir ist, verlangt nach dir, meine heimlichste Schönheit drängt zu dir . . .
Alles will ich sein für dich, das Leben alles dessen, was lebt; die Klarheit des Lichtes ist in meinem ewigen Fleisch, all die besonnten Dinge des Tages und die Schatten des köstlichen Abends, und auch die Nacht, die niemand messen kann, in der die Zeit stille steht.
Laß unsre Begierden ineinanderschmelzen, — wir werden unsre Seelen nicht mehr fühlen.
Die Welt wird in uns vergehn, wir werden das göttliche Meer sein und das göttliche Licht.“
Sie hatte sich bis vor ihn hingewunden, mit der gelassenen Geschmeidigkeit eines prächtigen Tieres, sie hielt seine Lenden umklammert und hob ihr Gesicht zu seinem Gesicht; er hatte mit beiden Händen ihren Kopf ergriffen, ihre Nüstern zitterten, ihre Augen berührten ihn, und er hörte aus ihren feuchten Lippen dies Geflüster, das ihm mächtiger schien als der Donner:
„Ich bin zugleich Rausch und Tod.“
Ahasverus beugte sich wild über ihre Augen, zu ihrem Mund; ein gewaltiger Schrei war in ihm eingeschlossen, der durch seine Kehle herausbrach; er stürzte sich auf sie wie auf eine Beute, und ineinander verschlungen kämpften sie den grausamen Kampf in dumpfer Wollust.
Er sah sie nicht mehr, den Kopf getaucht in die Nacht ihres Haares, gepreßt in ihre Arme; er fühlte nur die keuchende Brust und die lebendige Herrlichkeit dieses Leibes ihn umschwellen, wie wenn ein gewaltiger Seufzer durch das Meer fährt, — vergebens suchte er diesen sich windenden Leib ganz festzuhalten in einem Griff. Und sie rief:
„Zerbrich mich, umfaß mich, schlürf mich ein in dich . . .“
Und er: „Ich drücke dich an mich, ich drücke dich in mein Fleisch, aber ich hab dich nicht, ich hab dich nicht in mir . . .“