Sie schwiegen lange. Das Antlitz des Eremiten war ein unbewegliches Leuchten in der lichten Dämmerung. Er schloß seine Augen, um tiefer in sich selbst die währende Schönheit anzuschauen alles dessen, was er gesehen hatte, und sagte halblaut: „Gott!“

Dies eine Wort war wie die Stimme des großen Schweigens, worin sie da irgendwo saßen, verloren wie in einem Meer.

„Ich habe ihn so lange gesucht . . .“ sagte Ahasverus kurz und dumpf, den Kopf zum Boden gewendet.

„Was könntet Ihr wohl anders auch suchen?“ fragte ruhig der Greis. „Alles, was die Menschen tun, sind Bewegungen hin zu Gott. Aber sie wissen es nicht und liegen im Schlamm.“

„Ich habe ihn niemals gefunden . . .“

„Wenn Ihr nun ahnt, daß Gott ist, dann könnt Ihr nichts anderes finden. Er ist das Unbegreifliche Licht. So wie alle Flammen nach oben schlagen, so kann Eure Seele nicht anders, als steigen zum Licht.“

„Aber wenn alles nur ein Traum wäre . . .“

„Alles ist ein Traum, nur nicht dies eine.“

Die unhörbare Flut der Dunkelheit kam langsam herauf: die Wälder standen tiefschwarz gegen den opalglänzenden Himmel. Und Ahasverus fühlte schmerzlicher denn je, daß, was da in ihm brannte und ewig brennen würde, ach! kein Traum war.

Die folgenden Tage schweifte er wieder umher, von seiner Unrast gejagt. Das Bild jenes Abends lebte in ihm fort, eins geworden mit den Worten des Klausners: die schwarzen Wälder und der leuchtende Himmel, der die Welt überwölbte . . . Da hatte er auf einmal so deutlich begriffen, was er war; — das Unergründliche Licht! dies Wort war bis in sein tiefstes Innere gefallen, und . . . er fand es so einfach, nun, da es ausgesprochen war, wie wenn es schon lange in ihm läge, unbewußt. War es also doch dieses, wonach er verlangt hatte? Wonach er noch verlangte, — denn die Flamme schlug wieder empor, er hatte sie in den Abgründen des Erdenstaubes nicht auslöschen können . . . O, diese Abgründe! . . . Seit er dort gewesen war, fühlte er mehr denn je seine Ohnmacht, und daß er ein armseliges Pünktchen war, verloren im Ewig-Unbegreiflichen: sein ganzes früheres Leben schien ihm zusammengeschrumpft zu einem Nichts — zum Rascheln dürrer Blätter von einem Schritt, der vorübergeht — vor diesem einen, wovon der Eremit gesprochen hatte. Warum sollte er es noch leugnen, sich verkriechen hinter einem Stein? Er suchte dies eine, ach, er suchte dies eine!