Zu festem, regelmäßigem Linien- und Massenkampfe mit den Colonnen der christinoschen Infanterie taugten sie gar nicht: sie wurden augenblicklich gebrochen und in wilde Flucht geworfen, denn geordneter Rückzug war ihnen unbekannte Sache. Bei dem Anblicke der Cavallerie aber pflegten sie, wenn nicht durch das Terrain gesichert, sich zu zerstreuen, indem ein Jeder für sich im Laufe sein Heil suchte. Und sie liefen leicht mit den Pferden um die Wette. — Daher schlug Cabrera alle seine siegreichen Actionen mit den Divisionen von Aragon und vom Ebro.

Diese letztere hat den höchsten Ruf erworben: doch müssen dabei ihre beiden Theile streng gesondert werden. Sie bestand aus Cataloniern, den Landsleuten Cabrera’s, welche indessen mit den echten Cataloniern wenig gemein haben und ihnen selbst nicht angehören wollen: sie nennen sich Tortosinos und sehen mit gleicher Eifersucht auf Valencia und Catalonien, keinem von beiden sich zurechnend. Es sind die Bewohner des Ebrothales und des kleinen Theiles dieses Fürstenthumes, der sich südlich von dem Strome hinzieht. Sie bilden den Übergang von dem rauhen, braven Aragonesen zu dem geschmeidigen und weichlichen Valencianer, indem sie viele der bessern Eigenschaften der beiden Nachbarvölker in sich vereinigen und von deren Fehlern auch nicht ganz frei geblieben sind. Sie haben neben der unverwüstlichen Kraft und Ausdauer des Aragonesen die Körpergewandtheit und Leichtigkeit der Valencianer erhalten, deren auflodernde Heftigkeit und Rachsucht sie dafür auch theilen. Bieder und treu im Umgange verbinden sie damit die Schlauheit, durch die sie ihren Vortheil wohl zu wahren wissen.

In Betreff des militairischen Werthes dieser Süd-Catalonier muß wohl die Brigade von Mora, welche von ihren eigenen Officieren geführt wurde und nicht unter dem Einflusse von so vielen einwirkenden Umständen war, als Grundlage für die Beurtheilung angenommen werden. Sie sind demnach entschieden brav und fest beim Angriffe, tollkühn beim Sturm; aber selbst angegriffen verlieren sie leichter die Ruhe und Besonnenheit, und es ist vorgekommen, daß sie, ehe der Feind auch nur einen Schuß auf sie that, fliehend sich zerstreuten, da er durch langes Manövriren, dem sie sich nicht gewachsen glaubten, ihr anfängliches Feuer in Muthlosigkeit erkalten machte. Doch waren sie leicht disciplinirt und ertrugen standhaft jede Beschwerde.

Ganz verschieden aber zeigte sich stets die Brigade von Tortosa, die Garde des Grafen von Morella, zuletzt vier Bataillone stark. Sie focht mit hoher Auszeichnung immer gleich kaltblütig, gleich brav und entschlossen, und wie sie wahrhaft der Kern war, um den die Armee nach und nach sich gebildet hatte, so wurde sie auch die Elite derselben. Sie war begeistert durch das Gefühl, daß der angebetete General, den sie überall begleitete, als Landsmann und als Schöpfer ihr angehöre, und sie verrichtete heroische Thaten, um der Vorliebe eines solchen Führers sich würdig zu zeigen.

Unendlich Viel trug zu dieser Überlegenheit der Brigade von Tortosa über ihre Brüder von Mora ohne Zweifel der Umstand bei, daß Cabrera alle die ausgezeichnetsten Officiere der Armee, einen Jeden, der durch eine hohe Kriegerthat hervorleuchtete, zur Ergänzung der täglich in jener Brigade geöffneten Lücken[83] bestimmte. Und was hätte er mehr thun können, um sie zu heben! So durfte sie in Disciplin, Bravour, unerschütterlicher Festigkeit und Ausdauer den Elite-Truppen der ersten Armeen Europa’s an die Seite gestellt werden. In äußerer Ausschmückung stand sie freilich weit hinter ihnen.

Wie seine Officiere wußte Cabrera auch die Vorzüge und Schwächen seiner Truppen genau zu beurtheilen und sie immer dahin zu stellen, wo sie ihrer Eigenthümlichkeit wegen den meisten Erfolg hoffen durften. Die Division von Valencia sehen wir daher fast nie bei einer regelmäßigen Action genannt, sie wurde gewöhnlich in kleineren Detachements in der Art des Guerrilla-Krieges in den Provinzen verwendet, in denen das Terrain auch dem Feinde die Entwickelung seiner Massen nicht gestattete. Daher war sie besonders im gebirgigen Theile von Valencia, im Turia und in der Provinz Cuenca höchst thätig, während Cabrera mit den andern Divisionen in die ebeneren Provinzen, die Huerta, das westliche Aragon, Mancha und Guadalajara sich ausdehnte.


Am 31. Juli langten wir in Chelva an, einem niedlichen Städtchen nicht fern vom Guadalaviar, umgeben von Weinbergen und reizenden Gärten, in denen alle Arten von Südfrüchten prangten. An demselben Tage wurde ich dem Brigadier Arévalo vorgestellt, welcher damals en Chef die Provinz del Turia und die Division von Murcia commandirte, die er, ein erfahrener Militair, der seit dem Unabhängigkeits-Kriege in dem königlichen Heere gedient hatte, täglich mehr hob. Er sagte, daß er einen Angriff des Feindes erwarte, und erlaubte uns gern, da er zu schlagen entschlossen war, für diesen Fall seinen Truppen uns anzuschließen, wie er denn überhaupt durch höchst feine Bildung und Artigkeit vortheilhaft vor vielen unserer andern Chefs sich auszeichnete, die nur brave Soldaten und gute Anführer waren.