[80] Der Volksglaube knüpft an diese isolirten Blöcke manche Sage und manchen Aberglauben. Einen derselben sollte Orlando — Roland — durch einen Fußtritt von einem benachbarten Felsberge hinabgeworfen haben, auf dessen Gipfel eine Lücke von ähnlicher Gestalt sichtbar ist. Nicht fern davon ist eine ungeheure Spalte in einem Felsen: Orlando öffnete sie mit einem Hiebe seines Schwerdtes im Kampfe gegen die Araber u. s. w.

[81] Als Nuestra Señora del pilar de Zaragoza — unsere Herrin von der Säule von Zaragoza — in ganz Aragon enthusiastisch verehrt. Die Capelle der Cathedrale, in der ihre auf einer Säule stehende Statue von Gold bewahrt ist, soll die prachtvollste der Halbinsel sein. Espartero suchte sich die Gunst der Aragonesen zu versichern, indem er bei seinem Durchzuge im Herbst 1839 der Jungfrau seine Ehrfurcht bewies; das Volk aber behauptete, er habe gar nicht die gehörigen Formen beachtet und sich benommen, als ob er zu hoch stehe, um ihre Jungfrau anzubeten.

[82] Dagegen taugten sie zu solchen nicht so gut, weil sie die Strapatzen einer solchen Kriegsart nicht zu ertragen wußten.

[83] Die Division, zu jedem schwierigen Unternehmen unter den Augen des Generals verwendet, litt immer ungeheure Verluste, so daß sie endlich aus lauter unbärtigen Jünglingen bestand. Die Officiere aber fielen natürlich stets die Ersten.

[84] Wo die Carlisten in ihrem Gebiete waren, ermüdeten sie selten die Truppen mit Vorposten-Dienst: jedes Dorf mußte die geringste Bewegung des Feindes sofort durch Eilboten melden und während der Nacht jeden Weg durch einen Posten bewachen lassen, so daß die Truppen durch mehrfache Reihen wachsamer Bauern geschützt waren.

XXVII.

Mehrere Wochen waren seit meiner Ankunft im Turia auf die angenehmste Weise verflossen. Das Gefühl, wieder unter den Meinen, wieder frei zu sein, würde ja das elendeste Gebirgsdörfchen zum lieben Aufenthalte mir gemacht haben; wie hätte ich da nicht überglücklich in dem reizenden Chelva sein sollen, wo eine ausgewählte, wahrhaft gebildete Gesellschaft sich vereinigte, da nicht nur die Familien vieler höheren Officiere und Beamten, sondern auch noch weit mehr aus den nahen, dem Feinde unterworfenen Provinzen vertriebene oder freiwillig ausgewanderte Carlisten dort sich niedergelassen hatten. Dazu kamen die eben so belehrenden wie heiteren Stunden, welche ich in Arévalo’s Gesellschaft, so oft er in Chelva war, zubrachte, die Tertulias in seinem Hause und die Spatzierritte, zu denen er täglich in der Kühle des Nachmittags mich einlud, da er seit dem glücklichen Gefechte von Chulilla durch ganz besonderes Wohlwollen mich ehrte.

So begleitete ich ihn auch zu einer militairischen Promenade mit zwei Bataillonen und zwei Escadronen südlich vom Guadalaviar auf Chiva — unglücklichen Andenkens, da die Expedition des Königs dort von Oráa geschlagen wurde — und dann gen Westen über Buñol nach Castilien, wo wir einen Tag in dem schönen Handelsstädtchen Utiel rasteten, um von da über Tuejar nach Chelva zurückzukehren. Wir hatten nirgends den Feind gesehen, schleppten aber einen nicht unbedeutenden Convoy von Lebensmitteln und vierzehn Maulthierladungen von Tuch und Schuhen mit uns, die, für O’Donnell’s Armee bestimmt, auf der großen Heerstraße von Madrid nach Valencia von uns aufgefangen waren.