Es war natürlich, daß meine durch den Jammer der anderthalbjährigen Gefangenschaft ganz zerrüttete Gesundheit unter dem Zusammenwirken so vieler wohlthätigen Umstände täglich mehr und mehr aufblühte.

Wenige Tage nach unserer Rückkehr, am 24. August, kam Cabrera, von Niemand erwartet, mit einer kleinen Escorte seiner Tortosiner in Chelva an; andere Bataillone von allen Divisionen sollten nebst zahlreicher Cavallerie theils auf dem Marsche nach dem Turia und der Provinz Cuenca begriffen sein, theils schon in den umliegenden Ortschaften sich befinden. Auch Oberst Polo — seit kurzem mit einer Schwester des Grafen von Morella vermählt — welcher mit fünf Bataillonen zu einem neuen Zuge nach Castilien detachirt wurde, während der General den feindlichen Oberfeldherrn mit seiner ganzen Armee bei Tales einige Wochen festhielt, war so eben mit bedeutenden Geldsummen durch la Mancha zurückgekehrt, einige dreißig tausend Schafe den Gebirgen zutreibend, wo sie sofort unter die Bauern vertheilt wurden.

Alle Maßregeln deuteten auf die nahe Ausführung hoher Pläne, und Officiere und Soldaten, wenn auch noch ungewiß, wohin ihr angebeteter Feldherr jetzt sie zu führen beabsichtige, vertrauten jubelnd, daß die nächste Zukunft Großes bringen werde.

Wir sahen, wie Cabrera, da er General Aznar’s Rettung nicht hatte hindern können, zur Deckung der schwachen bei Tales errichteten Werke, eines kleinen Castells und zweier einfach runden Thürme, dem General O’Donnell gegenüber sich aufstellte. Es darf nicht übersehen werden, daß dieser General den größten Theil seiner disponibeln[85] Armee, 17 Bataillone und 11 Escadrone mit 17 Geschützen, dort vereinigt hatte, während er nur kleine Colonnen von zwei oder drei Bataillonen — doch mit zahlreicherer Cavallerie, die in jenem Terrain selten Anwendung fand — in den übrigen Provinzen seines Commandos zur Beobachtung der Carlisten zurückgelassen hatte, deren Hauptmacht er natürlich unter Cabrera’s Befehl sich gegenüber wähnte.

Dieser aber entsendete nach und nach von den 14 Bataillonen und 7 Escadronen, welche er nach Tales führte, die größere Hälfte nach den vom Feinde entblößten Theilen des Kriegsschauplatzes und blieb mit nur 7 Bataillonen und 2 Escadronen in den Schluchten und Abhängen nahe Tales stehen, den Feind durch gewandt berechnete Manövres und Listen glauben machend, daß er fortwährend das ganze Corps vor sich habe, wobei die unbedingte Ergebenheit der Einwohner trefflich ihn unterstützte. Ja selbst von jener unbedeutenden Macht detachirte er noch drei Bataillone und fast die ganze Cavallerie auf längere Zeit, die Communicationen des Feindes mit Castellon de la Plana und Valencia bedrohend.

Durch solche Täuschung irre geleitet, operirte O’Donnell vierzehn Tage lang nur mit äußerster Behutsamkeit und Zeit raubender Vorsicht gegen die kleine Schaar Cabrera’s. Als er aber endlich den Betrug erkannte und die kostbare Zeit, welche er unnütz dort verloren hatte, während die übrigen carlistischen Truppen weithin das christinosche Gebiet beherrschen und ausbeuten durften; da erst griff er in blindem Zorn eben so fehlerhaft, wie er vorher gezaudert, mit allen seinen Truppen in Masse die Stellung der Carlisten an, die er so lange kaum zu betasten wagte, und erkaufte den Besitz eines nutzlosen Thurmes mit dem Blute von Tausenden seiner Krieger.[86]

Schon am 1. August hatte O’Donnell seine Batterien gegen das kleine, nur funfzig Mann fassende Castell und die beiden, noch weit unbedeutenderen Thürme errichtet; da jedoch die Stellung Cabrera’s eine größere Annäherung ohne Kampf nicht zuließ, waren die Batterien so entfernt, daß sie fast gar keinen Schaden thun konnten. Die Carlisten harcelirten fortwährend die feindliche Armee, bald hier, bald dort erscheinend und so ihre Schwäche verbergend. Am 4. August zerstörten sie selbst einen großen Theil der feindlichen Arbeiten, und am 6. jagten sie alle avancirten Posten in gänzlicher Verwirrung auf das Hauptcorps, worauf sie am folgenden Tage den Versuch O’Donnell’s, eines vorwärts neben dem Castell liegenden Felsens sich zu bemächtigen, mit Verlust zurückwiesen. Die Scharmützel dauerten während der nächsten Tage ununterbrochen fort, ohne daß das Feuer der Batterien gegen die Werke oder die furchtsamen Demonstrationen der Armee gegen die Bataillone Cabrera’s entscheidenden Effect gehabt hätten.

Erst am 14. August, da die Feinde durch die Unvorsichtigkeit der Carlisten[87] von deren Schwäche unterrichtet waren, stürmten sie mit Aufbietung aller ihrer Kräfte die nur durch vier Bataillone vertheidigten Stellungen derselben, welche sie auch alsbald nahmen, den linken Flügel nach hartnäckigem Widerstande aus dem Dorfe Suera baja vertreibend, worauf sie es niederbrannten. Sie bemächtigten sich dann der beiden Thürme — ein jeder war durch funfzehn Mann vertheidigt — und verbrannten auch das Dorf Tales, wurden aber bei dem Sturme auf das Castell zurückgeschlagen, weshalb sie nun ihre Batterien nahe demselben aufführten.