Unsere Escadrone trabten rechts und links ab, den Ort zu umstellen, während die Bataillone auf die niedrigen Anhöhen rings sich vertheilten, von denen die leichten Geschütze in dem Augenblicke ihr Feuer eröffneten, in dem die Infanterie zum Sturm gegen die Häuser vordrang, welche, gleichfalls auf einer Höhe liegend und sämmtlich massiv, einer kräftigen Vertheidigung fähig waren.
In Carboneras befanden sich zwei Bataillone von Ecija und ein und ein halbes von dem Linien-Regimente el Rey nebst zwei Escadronen; ein Bataillon des Regimentes Reyna Gobernadora, ein halbes vom Rey und eine Escadron standen in Reilla, eine Stunde weit auf dem Wege nach Cuenca liegend. Gegen diese wandte sich Forcadell mit einem Theile des Corps. Er traf die Feinde auf dem Marsche, da sie, das Feuer hörend, ihren Cameraden zu Hülfe eilten, griff sie an, zersprengte sie gänzlich und machte etwa 500 Gefangene, von denen zwei Compagnien der Reyna Gobernadora niedergemacht wurden, da sie, nachdem sie sich ergeben hatten, wieder zu den Gewehren griffen und von hinten auf die Sieger feuerten.
Forcadell rückte dann zur Beobachtung gegen Cuenca vor, wohin am Abend, keine Gefahr ahnend, der Anführer der Division mit seinem Chef des Generalstabes zu einer Berathung mit dem commandirenden General der Provinz gezogen war, so daß, da der zweite Commandeur in Reilla sich befand, der älteste Oberstlieutenant zu Carboneras commandirte.
Der Angriff unserer Freiwilligen, wie erschöpft sie auch sein mußten, war äußerst brav, aber der Feind, von der ersten Überraschung zurückgekommen, vertheidigte sich mit gleicher Bravour; jedes Haus mußte einzeln genommen werden, in jedem kämpften die Christinos verzweifelt und räumten es gewöhnlich erst, wenn es angezündet über ihnen zusammenzufallen drohte. Die Bataillone, nachdem sie einige Stunden gefochten hatten, wurden durch andere abgelöset, um zu ruhen, worauf sie von neuem ins Feuer gingen, während ihre Cameraden auf einige Zeit zurückgezogen wurden. Das Dorf brannte fortwährend rings umher, dichte Rauchwolken gen Himmel sendend, aus denen das ununterbrochene Knallen der Schüsse, das wilde Geschrei der Fechtenden und das Krachen der einstürzender Mauern schauerlich durch einander tönten. Am Abend hatte die Eroberung der Trümmer von etwa zwanzig Häusern, die zum Theil mit dem Bajonnett genommen und wieder genommen waren, uns schon über 300 Mann gekostet.
Mit immer gleicher Wuth von beiden Seiten tobte der Kampf die Nacht hindurch; doch waren die Christinos während derselben schon bedeutend nach der Mitte des großen Dorfes zusammengedrängt, rings von einem Kreise rauchenden Schuttes und halb eingesunkener Wände umgeben, wodurch das Vordringen unserer Freiwilligen bedeutend erschwert wurde. Auch die noch vertheidigten Häuser brannten langsam weiter, indem die Angreifer bemüht waren, brennbare Stoffe um sie her anzuhäufen. Die Einwohner des Dorfes aber, von denen freilich einige getödet waren, retteten sich meistens zu uns und wurden auf des Generals Befehl sofort in den nächsten Dörfern untergebracht.
Cabrera war wüthend. Er fluchte den Feinden und drohete furchtbare Rache, da sie ganz ohne Hoffnung auf Hülfe nutzloses Blutvergießen veranlaßten,[89] er jammerte über seine armen Burschen, wie sie fortwährend todt oder verwundet aus dem Getümmel zurückgebracht wurden; dabei waren noch immer keine Lebensmittel vorhanden, und die Hitze wurde gegen Mittag furchtbar drückend. Endlich erschien ein großer Convoy, von dem nahen Cañete gesendet, worauf der General sofort den gerade ruhenden Truppen einen Theil der Lebensmittel austheilen ließ und dann, da sie kaum gegessen hatten — an Kochen war natürlich nicht zu denken, — zur Ablösung der kämpfenden Bataillone sie schickte, damit auch diese mit Brod und Wein sich stärkten. Zwei Maulthierladungen von Orangen, welche der Gouverneur von Cañete aus besonderer Aufmerksamkeit dem General bestimmte, befahl er nebst dem exquisiten Weine den Verwundeten zu bringen, für sich und jeden Officier seines Stabes eine Orange zurückhaltend.
So oft ein Haus lebhaften Widerstand leistete, beorderte Cabrera irgend einen Officier aus seiner Umgebung, an die Spitze der Stürmenden sich zu stellen; und wehe! wenn er nicht der Erste der Gefahr sich entgegenwarf. Auch ich ward mehrere Male mit solchen Aufträgen geehrt und führte sie mit Glück aus. Cabrera selbst setzte sich häufig der größten Gefahr aus und ging bis dicht an die noch vom Feinde vertheidigten Gebäude vor. Officiere und Ordonnanzen wurden an seiner Seite verwundet, und ein Capitain von Tortosa, da er vor dasselbe Fenster eines eben eroberten Hauses trat, aus dem der General eine Sekunde vorher den Fortgang des Kampfes beobachtet hatte, ward durch eine Büchsenkugel zu seinen Füßen todt niedergestreckt.
Schon nahete wieder der Abend, und immer noch hatten die Christinos zehn oder zwölf Häuser rings um die Kirche inne, aus denen sie ein lebhaftes Feuer gegen die anstürmenden Truppen unterhielten. Mit mehreren Adjudanten und anderen Officieren stand ich hinter dem General, der bleich mit furchtbar gefalteter Stirn und über einander gekniffenen Lippen den vierten Sturm beobachtete, welchen eine Compagnie von Tortosa auf ein kleines, unscheinbares Haus machte, das, aus der noch vom Feinde besetzten Masse vorspringend und sie flankirend, mit großer Festigkeit behauptet wurde und ganz von Truppen gefüllt schien. Wieder mußten die braven Tortosiner weichen, nachdem die am kühnsten vorwärts Dringenden unter dem mörderischen Feuer gefallen waren.
Einen Augenblick stand der General starr, nur das Gesicht von einer krampfhaften Bewegung durchzuckt; dann wandte er rasch sich um, und das geisterhaft flammende Auge auf die sich zur Seite wendenden Officiere gerichtet, rief er mit Donnerstimme: „Wer wagt es? Niemand, carajo?“ Mit hochklopfendem Herzen flog ich, von einem jungen Cavallerie-Officier begleitet, an die Spitze der Grenadiere, denen Cabrera ermunternd: „Vorwärts noch ein Mal, Burschen, und stecht die Teufel alle nieder!“ zurief.
Mit lautem viva el Rey! viva Cabrera! stürmten wir vorwärts. Nach fünf Minuten langem Ringen im Innern des Hauses hatten die herrlichen Tortosiner es genommen, alle Räume mit Todten und Sterbenden gefüllt; schon feuerten sie aus den Fenstern auf die zunächst liegenden Gebäude.