[88] Die Truppen waren nie zufriedener, als wenn gegen einen von diesen Blutsaugern, die sie redlich haßten, solche rasche Justiz geübt wurde.

[89] Übrigens ließ er sie gar nicht zur Übergabe auffordern. Auch geschah das sehr selten in Spanien, indem der Bedrängte stets die ersten Schritte thun mußte.

[90] Die Kopfbedeckung der Guerrillas in Aragon und Catalonien bestand ursprünglich in diesem bunten Tuche, bis sie das Barett der Basken adoptirten.

[91] Ich will nicht deshalb behaupten, daß Madrid in jenem Augenblicke den Carlisten in die Hände gefallen wäre. Man darf vielmehr aus vielfachen Äußerungen abnehmen, daß es Cabrera’s Absicht war, Schritt vor Schritt Castilien zu erobern und durch angelegte Festungen — wie Cañete, Beteta — in ihm sich festzusetzen, bis er, wie er selbst sich ausdrückte, eine Kette von Forts errichtet hätte, deren letztes in die Fenster Maria Christina’s hineinschauen und auf immer den Trotz des revolutionairen Pöbels der Hauptstadt brechen sollte. — Aber sehr, sehr nahe war die Zeit des Triumphes, wenn nicht Espartero’s Ankunft die Lage der Dinge so ganz umkehrte.

XXVIII.

Seht Ihr jene Schaaren, die in nicht endendem Zuge die fruchtbaren Gefilde von Nieder-Aragon durchschreiten, stolz die Stirn erhebend, als ob sie so eben ruhmwürdige Thaten vollbracht hätten? Drohend ziehen sie einher in kriegerischer Haltung, hochmüthig prahlen sie mit ihrer Zahl, wie in diesem Kriege die zitternden Bürger sie noch nicht vereinigt sahen. Tausende funkelnder Reiter begleiten die weit ausgedehnten Colonnen der Infanterie, und in ihrem Gefolge schleppen sie die Verderben speienden Maschinen, bestimmt, die hohen Mauern und Wälle niederzuschmettern und Tod und Verwüstung in die Reihen des Feindes, wie in die Wohnungen des friedlichen Bürgers zu tragen.

Ha, wie sie jubeln, die Tausende! Wie sie rüstig daherziehen, als gingen sie, ein lärmendes Freudenfest zu feiern! — Und doch, sind nicht unter ihnen eben die, welche zwei Jahre früher in diesen Feldern zitternd entflohen oder, Gnade erflehend, der kühnen, siegreichen Schaar sich gefangen gaben, die unter ihres Königs Führung von ihrer Bergveste hinabstieg, bis zu den Thoren von Madrid den Schrecken ihres Namens zu tragen? Sind sie nicht dieselben, welche so lange umsonst die braven Basken niederzudrücken suchten, dieselben, deren ruchloses Wuthgeheul so oft verstummte vor dem loyalen Kriegsrufe der gefürchteten Söhne des Gebirges, gegen deren Racheschwerdt sie hinter den Wällen ihrer Festungen schimpflichen Schutz suchten?!

Sie sind es — — aber, wehe! jener begeisternde Schlachtenschrei der Treue erschallt nicht mehr; nicht eilen, wie in jenen glorreichen Tagen, die Krieger Carls V. herbei, den Triumphmarsch des Heeres der Revolution zu hemmen. Unaufgehalten, unangefochten zieht es über die offene Ebene den Gebirgen zu, denen, fern stufenförmig über einander gethürmt, die Vertheidiger Isabella’s so lange nur mit Zagen naheten; und übermüthig verkündet es, daß schon der Krieg, der seit sechs Jahren das schöne Königreich verwüstete, auf immer beendigt sei, daß der kleine Haufen, der noch in jenen Bergen für die Vertheidigung seines rechtmäßigen Königs die Waffen führt, bei ihrem Anblick flehend sich unterwerfen oder sofort unter der Übermacht zermalmt werde.