Dennoch gelang es einigen Hunderten der Verkauften, während des Winters durch die Gebirge Castilien’s bis nach Aragon zu dringen, wo sie kräftig mitfochten in dem letzten Todeskampfe gegen die Übermacht der revolutionairen Schaaren.
Espartero besetzte nach dem Vertrage von Bergara den Rest von Vizcaya und das ganze Guipuzcoa, dessen Bewohner mit Erstaunen, aber ohne sich zu bewegen, in ihrer Mitte die Truppen erblickten, welche seit Jahren nicht mehr jene reichen Thäler zu betreten gewagt hatten. Er wandte sich dann rasch nach Navarra, durch energisches Handeln den Schrecken benutzend, den die Überraschung im ersten Augenblick hervorrufen mußte.
Der König stand noch immer an der Spitze von 14000 bis 15000 Mann; alle Bataillone von Navarra und von Alava, das 5. von Castilien und 1. von Cantabrien waren, nebst sieben Escadronen und der ausgewählten königlichen Bedeckung ihrer Pflicht getreu geblieben. Wohl hätte mit solcher Macht Viel ausgerichtet werden können, wenigstens wäre es gewiß leicht gewesen, Catalonien mit ihr zu erreichen: selbst die große Expedition, mit der Carl V. im Jahre 1837 bis an die Thore von Madrid gelangte, war nicht so stark, als sie von den Nordprovinzen auszog.
Und doch, wer möchte dem verrathenen Monarchen vorwerfen, daß er, entmuthigt und niedergebeugt durch das Geschehene, nicht sofort die zu dem kühnen Schritte nöthige Entschlossenheit fand! Auch konnte wohl die bekannte Abneigung der Navarresen, außerhalb ihrer vaterländischen Provinz zu kämpfen,[93] Zweifel erregen; und nach dem geringsten Zaudern war es zu spät, da schon die carlistische Armee ganz umringt und nach Norden hin zusammengedrängt war. Die Stellung von Lecumberry, in Gefahr, umgangen zu werden, da die feindlichen Colonnen zugleich von Guipuzcoa und unter General Rivero aus dem östlichen Navarra vordrangen, wurde verlassen, und die Bataillone, nun unter Eguia’s Commando gestellt, zogen sich in das Bastan-Thal zurück. Espartero, der am 9. September gegen jene Position aufgebrochen war, drang rasch über das Ulzama-Thal nach. Schon entflohen viele Non-Combattanten über die französische Gränze.
Auf dem Fuße von den Massen der Christinos verfolgt, zog sich der König von Elisondo nach Urdax, unmittelbar neben der Gränze; er konnte sich noch nicht entschließen, sein Königreich zu verlassen, um im fremden Lande eine zweideutige Zufluchtsstätte zu suchen. Doch immer näher kam von allen Seiten der Schall des Feuers. Vier starke Divisionen griffen rings die Stellungen der Carlisten an, welche die Pässe des Gebirges zu behaupten suchten; Fuß vor Fuß wichen sie fechtend vor der Übermacht, wobei ein Bataillon umzingelt und fast ganz aufgerieben wurde. Die feindlichen Schaaren standen, die nahen Höhen krönend, im Angesicht der Gränze.
So war am Nachmittage des 14. Septembers fernerer Verzug nicht mehr möglich. Carl V. betrat, ein Flüchtling, das französische Gebiet, nachdem er sechs Jahre lang mit männlicher Standhaftigkeit jeder Strapatze getrotzt und den tausendfach gehäuften Mühen und Sorgen im Kampfe um den Thron seiner Vorfahren heldenmüthig sich unterzogen hatte. 2000 Mann, welche ihm unmittelbar folgten, wurden bis zu dem Augenblicke des Übertrittes von den Kugeln der Christinos decimirt. Den König begleitete seine erhabene Gemahlinn nebst dem Prinzen von Asturias und dem Infanten Don Sebastian. Die Behandlung, welche die französische Regierung dem unglücklichen Fürsten zu Theil werden ließ, ist allgemein bekannt und gewürdigt.
Mehrere Generale und Minister waren dem Könige schon vorangegangen, viele andere folgten sogleich, unter ihnen Graf Casa Eguia, General Sylvestre, Chef des Genie-Corps, der Kriegsminister Montenegro, Don Basilio Garcia, vor kurzem erst nach Spanien zurückgekehrt, Villareal, Gomez, Zariategui, der greise Pfarrer Merino und Andere, die das Exil der Unterwerfung unter das Joch der Usurpation vorzogen. Sofort betraten auch sechs Bataillone von Alava mit einer Escadron, das Bataillon von Cantabrien, einige navarresische Compagnien und die königliche Garde unter den Generalen Elío und Grafen Negri das fremde Gebiet; ihnen folgten in den nächsten Tagen alle Bataillone und Escadrone von Navarra, unfähig sich länger zu halten.
Estella und die übrigen Forts in Navarra ergaben sich bald, und vor dem Ende des Monats war mit der Einnahme des schönen Castells von Guevara in Alava, welches sofort gesprengt wurde, der Krieg in den baskischen Provinzen gänzlich beendigt.
Doch noch hatten die Carlisten einen herben Verlust zu beklagen, einen Verlust, der noch schmerzlicher wurde, weil er zu mancher Mißdeutung Veranlassung gab: der ehrwürdige Moreno, er, der so oft an der Spitze der Armee gekämpft und zu so manchem glorreichen Siege sie geführt hatte, ward von seinen eigenen Soldaten ermordet, da er Spanien zu verlassen im Begriff war. Auch die regelmäßigsten und am höchsten geachteten Heere verloren die frühere Kriegszucht, wenn furchtbares Unglück über sie hereinbrach. So ist es nicht zu bewundern, daß die Navarresen, ehe sie nach Frankreich übergingen, der Straflosigkeit gewiß, zu manchen Ausschweifungen und Verbrechen sich hinreißen ließen; und sie sind ganz besonders in diesem Abschütteln der gewohnten Bande zu entschuldigen, da ja der Umsturz aller ihrer Hoffnungen und der Werke ihrer schweren Blutarbeit durch die eigenen gepriesenen Anführer herbeigeführt war und sie also wohl Grund hatten, mit Mißtrauen gegen ihre Vorgesetzten zu verfahren.