Noch entschlossen, im Vaterlande sich zu vertheidigen, sahen sie in einem Jeden, der nach der Gränze floh, einen Verräther, welcher in der Fremde sich zu sichern suche. Mit andern Unglücklichen fiel der untadelhaft treue General Moreno ein Opfer dieser Wuth; die Navarresen tödteten ihn mit dem Geschrei: „Nieder mit den Verräthern!“
So war der langwierige Kampf der Basken gegen die Macht des liberalisirten Spanien beendet; das kühne Bergvölkchen hatte mit Aufopferung seines Königs sein Hauptziel erreicht, seine Privilegien waren bestätigt, so fern die Versprechungen der Regierung Isabella’s als Bestätigung gelten konnten. Und beurtheilen wir die Basken nicht zu hart! Bedenken wir, wie sie von ihren Chefs hingerissen und geführt wurden, und wie Volk und Soldat ja so oft, anstatt selbst zu urtheilen, durch diejenigen sich leiten lassen, welchen sie gewohnt sind mit Ehrfurcht und Gehorsam zu folgen; bedenken wir auch, daß die Basken wehrlos den Massen der Christinos sich hingegeben sahen, als schon ihre Kraft nach dem langen, blutigen Ringen erschöpft war.
Das Benehmen aber der Alavesen und Navarresen bis zum letzten Augenblicke zeigt wohl hinlänglich, daß das Heer und das Volk, wo es treue Anführer an seiner Spitze sah, bereit war, Alles für seinen Herrscher zu opfern.
Aber Schande, ewige Schande dem Mann, der sich nicht scheute, zum Verrathe die erhabene Stellung und die Macht zu mißbrauchen, welche das unbeschränkte Vertrauen seines Monarchen ihm schenkte; der um des schnöden Goldes willen Gefährten, Vaterland und König verkaufen konnte! Die Rache wird ihn zu ereilen wissen. — Und Schande den Elenden, die wissend und willig zur Ausführung der ehrlosen That ihre Hand liehen!
Die Regierung der unmündigen Isabella würdigte den unschätzbaren Dienst, welchen Maroto ihr geleistet hatte, und sie stand nicht an, öffentlich ihn dafür zu belohnen. Der abtrünnige General ward in den Grafenstand[94] erhoben und zum Präsidenten des höchsten Kriegsrathes ernannt; er prunkte seitdem in Madrid mit den Millionen, die jener Handel ihm eingebracht hatte. Auch seine Helfershelfer, Cabañero, Urbiztondo, la Torre und die Führer der vizcaischen, guipuzcoanischen und castilianischen Truppen, wurden reich abgelohnt.
Espartero aber, da nun seine Gegenwart im Norden Spaniens überflüssig ward, beeilte sich, indem er die Provinzen stark besetzt ließ und zugleich ganz sie entwaffnete, mit 45000 Mann nach Unter-Aragon aufzubrechen; auch detachirte er eine starke Division nach Catalonien zur Hülfe des Baron de Meer, der dort schwer gedrängt wurde. Er hoffte, daß sein gefürchteter Name und der Anblick der Massen, die er heranführte, hinreichen werde, um die kleine Schaar des Grafen von Morella zu eiliger Unterwerfung zu bewegen. Wie hätte er auch ahnen mögen, daß er Männer treffen könne, die seinen so oft erprobten Künsten zu widerstehen wagten; Männer, die mit der Gewißheit des Unterliegens und mit Bestechung und Verrath aus ihrer eigenen Mitte angegriffen, vorzogen, ihrem Könige und ihrer Pflicht treu, bis zum letzten Augenblick ehrenvoll zu kämpfen und mit den Waffen in der Hand zu fallen, als daß sie den lockenden Verheißungen Gehör gegeben hätten, durch die der Siegesherzog seine Siege zu erkaufen suchte!
[92] Orduña ist die einzige ciudad und die alte Hauptstadt der Provinz, wiewohl oft die villa — Stadt zweiter Classe — Bilbao außerhalb Spaniens falsch als solche bezeichnet wird.
[93] Sie trat bei jeder Gelegenheit sehr markirt hervor. So wie der Navarrese Navarra verließ, ward er der schlechteste Soldat, unruhig, zu Aufstand und Unordnungen geneigt und stets unzufrieden, indem sein ewiger Refrain war: „Nach Navarra, nach Navarra!“
[94] Als Graf Casa-Maroto.