Alle Bauern sind sehr wohlhabend, da in Catalonien, der einzigen Provinz Spanien’s, die Untheilbarkeit der Grundstücke gesetzlich ist. Die jüngeren Söhne werden irgend eine andere Nahrungsquelle suchen — daher wohl der Unternehmungsgeist der Catalonier, der so Viele außer Landes treibt, — wenn sie nicht, wie sehr oft, vorziehen, im Hause des ältesten Bruders, des als Kind schon mit Ehrfurcht behandelten heréu,[97] als Knechte zu bleiben.
Diese Gebirgsbewohner sind natürlich rauh, einfacher, biederer und weniger gebildet als ihre Brüder von der Küste; sie sind sehr religiös, und die Geistlichkeit hat noch vielen Einfluß über sie bewahrt, während sie in den großen Seestädten nur Verachtung und Spott findet. Diese treuherzigen, kräftigen Menschen sind Carlisten mit Leib und Seele. — Allen Cataloniern aber ist ein Charakterzug gemeinschaftlich, der unendlich gegen den starren, stets zum Widerstande geneigten Trotz ihrer Nachbarn, der Aragonesen absticht. Sie treten im ersten Augenblicke sehr fest und entschieden auf, und Wehe dem, der dadurch sich einschüchtern läßt oder nicht gleiche Kraft gegen sie entwickelt. Aber sie schmiegen sich alsbald unter das Joch dessen, der Macht und Willen besitzt, um sie den Ungehorsam schwer büßen zu machen; um sie zu bändigen ist eiserner Wille und rücksichtslose Strenge nöthig, der sie, wie sehr sie auch an ihren Ideen festhalten, doch stets im Äußern weichen.
Sofort nach Ferdinand’s VII. Tode erhoben sich auch in den Hochgebirgen von Catalonien Banden, die sich für Vertheidiger seines rechtmäßigen Nachfolgers ausgaben; unter dem Namen von Carlisten ließen sie Raub und Plünderung ihr Hauptziel sein. Disciplin war ihnen eine ganz unbekannte Sache. Die Soldaten kamen und gingen und thaten, was ihnen beliebte, die Anführer lebten in höchster Uneinigkeit unter einander und strebten vor Allem dahin, ihre Koffer mit Gold zu füllen, den unglücklichen Landmann, der allein die Kosten jenes Krieges zahlte, durch ihr Plünderungs-System zu Grunde richtend.
Daher thaten sie denn auch den Christinos im offenen Kampfe geringen Schaden. Sie durchzogen vielmehr ohne Plan oder Combination die Gebirge, von denen herab sie des Raubes wegen Einfälle in die Ebene machten, wenn gerade keine Truppen dort waren, und sie überfielen höchstens einmal ein feindliches Detachement, dem sie sich zehnfach überlegen wußten, und das dann ohne Erbarmen niedergemacht wurde. Den Einwohnern konnten sie natürlich weder Vertrauen noch andere Furcht einflößen, als die, welche auf ihre Ausschweifungen und Erpressungen sich gründete, so daß die Carlisten Cataloniens damals in jeder Hinsicht den Raubhorden gleich standen, die so entsetzliches Elend über die Bewohner der Mancha brachten.
Umsonst ward General Guergué im Jahre 1835 mit einer starken Division von Navarra ausgeschickt, um die catalonischen Banden um sich zu vereinigen, sie zu organisiren und dadurch wahrhaft der Sache nützlich zu machen, deren Namen sie mißbrauchten. Alle seine Anstrengungen scheiterten an der Unlust derselben, der geringsten Zucht und Ordnung sich zu fügen, worin sie denn von ihren Chefs verstärkt wurden, die häufig offen gegen den General auftraten. So ward Guergué genöthigt, ohne seinen Auftrag vollzogen zu haben, nach den Provinzen zurückzukehren, da die navarresischen Bataillone, ihrer neuen Gefährten bald überdrüssig und an Allem Mangel leidend, einstimmig nach Navarra geführt zu werden forderten.
Dann im Jahre 1836 übertrug Carl V. dem General Maroto das Commando des Fürstenthumes, und Strenge und Festigkeit machten diesen wohl geeignet zu dem schwierigen ihm anvertrauten Werke. Aber er hatte von Anfang an wiederholtes Unglück in den militairischen Operationen, und für einen Feldherrn, der seine Autorität über undisciplinirte Haufen erst befestigen soll, ist eine Niederlage der größte, nie gut zu machende Fehler. Nachdem er umsonst Alles versucht hatte, die Widerstrebenden zu bändigen, mußte auch Maroto weichen und zog sich nach Frankreich zurück. Tristani, Royo, Urbiztondo und Andere, theils durch Mangel an Kraft, theils auch aus bösem Willen, richteten noch weniger aus.
Ich werde nicht die Geschichte jenes Krieges — wenn er solchen Namen verdient — erzählen, der ohne Erfolg von einer wie der andern Seite hingezogen wurde. Geschlagen ward fast nie; die bemerkenswerthesten Thaten bestanden in der Eroberung irgend eines befestigten Punctes durch die carlistischen Horden, meist durch Überraschung, und in der augenblicklichen Wiedernahme desselben, so wie eine Colonne der Christinos gut fand, vor ihm zu erscheinen. — Gehen wir sogleich zu dem Zeitpunct über, in dem jene Horden endlich in ein geregeltes Heer umgeschaffen wurden.