Dadurch konnte der Graf der Armee stets ihren Sold auszahlen und alle ihre Bedürfnisse aus den königlichen Magazinen befriedigen, so daß selbst das Brod aus den eigenen Bäckereien geliefert und den Truppen nachgeführt wurde. Er bewirkte dadurch, daß die Lasten, welche der Krieg dem Einwohner, besonders dem Landmanne aufhäufen mußte, gleichmäßig über das ganze Fürstenthum vertheilt wurden, während bis dahin, wie in den andern carlistischen Heeren, die Gegend nicht selten ruinirt wurde, in der eine Colonne eine Zeit lang hausete.
Die Folgen waren eben so schnell, als wohlthätig. Die friedlichen Bauern, welche früher die Horden als Todfeinde gefürchtet hatten, sahen sich plötzlich gegen jede Ausschweifung gesichert, strenge Gerechtigkeit ward ihnen zu Theil, und die erlittene Beleidigung wurde hart bestraft. Sie erkannten, daß die Abgaben, wenn auch schwer, gleichmäßig auf Alle vertheilt waren, und sie gewöhnten sich bald, die Anwesenheit carlistischer Colonnen als eine Wohlthat zu betrachten, da sie ja alle Bedürfnisse baar bezahlten und also erwünschte Gelegenheit zum Absatz der Produkte gaben. Die Einwohner gaben sich daher ganz ihren den Royalisten so günstigen Gesinnungen hin, und was der gute Wille der Einwohner vermag, ist durch hundertfach wiederholte Erfahrungen bewährt.
Auch verkannten die Catalonier nicht, wem sie solches Glück zu danken hatten; — denn als glücklich darf ihr Zustand bezeichnet werden im Vergleich mit dem Elend der früheren Jahre und dem, was die andern Provinzen litten. — Wie oft hörte ich während meines kurzen Aufenthaltes im Fürstenthume den Grafen von España als Retter gesegnet; wie oft wünschten die Bauern ihm Heil und Glück, den Augenblick preisend, in dem er die Zügel der Regierung in die Hand nahm!
Auch schien das Glück dem edlen Greise nicht abhold. Denn wiewohl er nicht durch gewonnene Schlachten seinen Namen verherrlichte, gelang es ihm, selbst gegen den Baron de Meer, der eben so kräftig und gewandt in Barcelona durch Militair-Despotismus herrschte, wie der Graf in Berga, in den Gebirgen Hoch-Cataloniens sich zu souteniren, während er mit der Organisation seiner kleinen Armee beschäftigt war. Und als er dieses vollbracht, breitete er trotz der numerischen Überlegenheit der Feinde, die über 40,000 Mann stark waren, ihre Zersplitterung klug benutzend, mehr und mehr in die Niederungen sich aus und nahm einige feindliche Forts. Täglich wurde sein Übergewicht fühlbarer, seine Herrschaft weiter ausgedehnt.
Er belagerte Ripoll, eine ansehnliche, Gewerbe treibende Stadt in Hoch-Catalonien. Die Besatzung und die Nationalgarde vertheidigten sich mit äußerster Hartnäckigkeit, wie denn die Einwohner der Stadt als exaltirt liberal gesinnt berüchtigt waren. Am 27. Mai 1839 ward der Sturm auf die offene Bresche angeordnet. Die carlistischen Bataillone griffen äußerst brav unter den Augen des Grafen an, der kaltblütig dem heftigsten Feuer ausgesetzt blieb und seine Krieger ermunterte. Dreizehn Mal rückten die Stürmenden unter dem Schall der Janitscharen-Musik gegen die Bresche; dreizehn Mal wiesen die Christinos, gleichfalls durch ihre Musik, wie durch das Angstgeschrei der Weiber und Kinder angefeuert, standhaft den Angriff zurück. Doch der vierzehnte Sturm ward gleich fest unternommen, und die Vertheidiger wichen ermattet von der Bresche, auf der die Mehrzahl gefallen war. Alles, was Waffen trug, wurde von den wüthenden Soldaten niedergemacht; die übrigen Bewohner mußten sogleich die Stadt verlassen, welche niedergebrannt und bis auf den letzten Stein rasirt wurde. Der Verlust der Carlisten war sehr bedeutend; ein Bataillon zählte von seinen acht Capitains sieben außer Gefecht gesetzt.
Der Graf ließ eine Säule errichten mit der Inschrift: aqui fué Ripoll. — Hier stand Ripoll. —
Ein solches Beispiel rächender Strafe verfehlte seine Wirkung nicht. Mehrere Posten der Feinde wurden geräumt oder ergaben sich, und die Carlisten streiften, fast ohne Widerstand zu finden, bis nahe nach Barcelona und südlich in die reichen Gefilde des Ebro, während die Christinos sich darauf beschränkten, mit starken Massen ihre Festungen zu verproviantiren. Zugleich trat ein wichtiger Wechsel in der feindlichen Armee ein, da das Commando derselben an der Stelle des energischen Baron de Meer, der, ganz Militair, von den Anarchisten unendlich gefürchtet ward, dem General Valdés übertragen wurde, demselben, der gegen Zumalacarregui so unglücklich gekämpft hatte.
Valdés erklärte sofort, daß es mit den Mitteln, über die er verfügte, nicht möglich sei, die Fortschritte des Grafen de España zu hemmen, dessen Truppenzahl doch drei bis vier Mal so schwach war, als die mobile Macht der Christinos. Er mußte indessen, um sich zu halten, irgend etwas unternehmen und erklärte endlich nach der Mitte Septembers seine Absicht, Berga, den Hauptsitz der Carlisten, anzugreifen, da er wohl hoffte, daß die Kunde von dem vollbrachten Verrathe Maroto’s und der Beendigung des Krieges in Navarra Entmuthigung oder gar Sympathie für ihn hervorbringen werde. Wahrscheinlich würde es ihm nicht besser ergangen sein, als einst dem General Oráa vor Morella. Aber Valdés begnügte sich, da die anticipirte Muthlosigkeit nicht sichtbar wurde, von einer Höhe herab das einige Stunden entfernte Berga zu betrachten, und kehrte wieder um.