So wie der Graf sich erholte, ward er, noch auf der Erde ausgestreckt, mit Schmähungen und Mißhandlungen überhäuft, bis ein Maulthier herbeigeführt war, auf das er, nur mit seiner Uniform bekleidet, gehoben wurde, ohne daß ihm gestattet wäre, Etwas von seinem Privat-Eigenthume mit sich zu nehmen. Zwei Vocale, unter ihnen wieder Ferrer, der glühendste Feind des Gestürzten, wurden beauftragt, ihn nach Frankreich. zu geleiten; mit ihnen vereinigten sich auf dem Wege dahin mehrere Chefs, auch der Ros de Eroles, alle rachgierig und nach dem Blute des edlen Greises dürstend. Die Mißhandlungen wurden von jedem neu Hinzukommenden wiederholt, das Empörendste ward an dem Hülflosen, dem man Bauerntracht angelegt hatte, ausgeübt, Schandthaten, wie nur Spanier sie erdenken mögen, verwildert und an alle Gräuel gewöhnt durch die schaudervollen Scenen, deren Theater ihr Vaterland seit dem Anfange dieses Jahrhunderts war.

Umsonst flehte der Gemarterte, fast siebenzigjährige Mann um raschen Tod — er hatte ja die Hoffnung, Frankreichs Gränze zu erreichen, längst aufgegeben —; umsonst suchte er die Peiniger zu leidenschaftlicher Wuth zu reizen, indem er ihr Verbrechen, ihren niedrigen Undank ihnen vorwarf und zeigte, wie sie zu Verräthern an dem Könige wurden, dem sie zu dienen vorgaben. Von Hof zu Hof durch die finstern Schluchten des Gebirges der Gränze parallel geschleppt, duldete der Greis, der Feldherr während drei Tage, was immer seiner Henker Wuth ihn zu quälen ersinnen konnte. Und er bewährte bis zum letzten Augenblicke die hohe Standhaftigkeit, durch die er während seiner ganzen Laufbahn sich auszeichnete.

Da endlich naheten seine Begleiter der Gränze; noch ein Mal belebte ein schwacher Hoffnungsstrahl die Brust des Grafen: wann schwände dem Menschen ganz die Hoffnung! Aber plötzlich wird angehalten und der Dulder, durch Erschöpfung schon dem Tode nahe, ist vom Maulthiere gehoben, und losgebunden; er sieht vor seinen Füßen eine dunkle Tiefe, in deren Grunde der Segre schäumend über die Felsen sich Bahn bricht. Errathend, was seiner hattet, erfleht der Greis, sich bekreuzend, die Gnade der heiligen Jungfrau und fordert dann die Elenden auf, ihr Werk zu vollenden.

Doch ein junger Officier stürzt athemlos herbei: Don Mariano Ortéu, der Adjudant des Grafen und sein Liebling — noch kommt er zu rechter Zeit, um zu retten und zu rächen! Der Graf, als er ihn erblickt, haucht schwach mit bittend hoffnungsvollem Tone: „Mariano!“ — Das Ungeheuer drückt hohnlächelnd sein Pistol ab und durchbohrt die Brust seines Generals, seines Wohlthäters, Güte und Liebe mit Mord vergeltend.

Der Sterbende ward gebunden in den Fluß gestürzt, auf dessen Ufern nach einigen Tagen Landleute den zerschmetterten Leichnam, kaum noch kenntlich, fanden; trauernd beerdigten sie die Überreste des verehrten und gefürchteten Grafen de España auf dem Friedhofe ihres Dörfchens.

Die Mörder aber kehrten im Triumph nach Berga zurück und erfrechten sich selbst, das Andenken ihres Opfers zu schänden, indem sie in einer allgemein verbreiteten Proclamation als Verräther ihn darstellten, der, ein zweiter Maroto, seine Armee dem Feinde habe verkaufen wollen. Die Verleumdung fand überall die gebührende Verachtung. Der edle Graf de España wird stets als ein Märtyrer seiner Treue und nie wankenden Loyalität in dem Andenken aller guten Spanier eben so hoch stehen, wie er lange schon als General und als gerechter Mann die Achtung und das Vertrauen seines Fürsten und die Bewunderung Aller sich erworben hatte, die seine Eigenschaften zu erkennen und zu würdigen wußten.

Das Heer empfing die Nachricht von der Absetzung und dann von dem Tode seines Anführers mit Staunen, welches mehrfach selbst in Gährung überging. Aber auch Segarra hatte bis dahin die Achtung und Liebe der Soldaten genossen, und er wußte für den Augenblick ihre Unruhe durch Freigebigkeit und durch Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse des Heeres hinzuhalten, bis bald der Versuch des General Valdés, das bedrängte Solsona mit Lebensmitteln zu versehen, ihre kriegerische Thätigkeit ganz in Anspruch nahm. Und der Soldat, gewohnt zu gehorchen und Andere für sich denken zu lassen, ist ja so leicht getäuscht, so leicht gelenkt, wenn er nur begriffen ist.

Viele Officiere aber verließen die Armee Cataloniens, unwillig, unter den Mördern des Chefs weiter zu dienen, den ihres Königs Weisheit ihnen gegeben hatte. Einige schlossen sich der Armee des Grafen von Morella an; die meisten, unter ihnen General Ivañez — el Llarj de Copons —, Oberst Camps und Perez Davila, Commandeur der ersten Division, verzweifelnd, da solche That unbestraft bleiben konnte, wanderten nach Frankreich aus.

[106] Die Aufrührer Cataloniens gegen Ferdinand’s rechtmäßige Regierung und die Edlen, welche in Estella von dem Verräther Maroto gemordet wurden, sind mit dem einen Namen von Ultra-Royalisten bezeichnet!

[107] Ich erzähle die Schandthat, wie sie im Januar 1840 im Hauptquartiere des Grafen von Morella von Cataloniern berichtet ward, welche hoch genug standen, um genau unterrichtet zu sein.