Die Armee unter seinem unmittelbaren Commando bestand aus folgenden Truppen:
Die Division von Aragon unter General Llagostera enthielt 9 Bataillone, von denen zwei erst kürzlich bewaffnet waren, und 6 Escadrone; die Division von Valencia unter General Forcadell 7 Bataillone, von denen das eine neu gebildet, und 4 Escadrone; die Division vom Ebro in der 1. Brigade, Tortosa, unter Oberst Palacios 4 Bataillone, in der 2. Brigade, Mora, unter Oberst Feliú 3 Bataillone und 4 Escadrone.
Dazu kamen das Schützen-Freibataillon des Oberst Bosque, das Sappeurs-Bataillon und das Bataillon der Artillerie, so daß die Armee aus 26 Bataillonen und 14 Escadronen oder 14000 Mann Infanterie und 1300 Pferden bestand.
Die Brigade, welche, 4 Bataillone und 2 Escadrone stark, jenseit der Heerstraße von Teruel nach Segorbe stand und die Festungen des Turia nebst Cañete und Beteta kaum hinlänglich garnisoniren konnte, darf nicht in Betracht gezogen werden, da sie zu den diesseitigen Operationen gar nicht mitwirkte, der Feind auch zwei überlegene Colonnen unabhängig ihr entgegengestellt hatte; ebenso wenig die beiden Escadrone, mit denen Valmaseda nach Catalonien und im December, von dort zurückkommend, nach Neu-Castilien abging.
14000 Mann und 1300 Pferde sollten dem Angriffe von 80000 Mann begegnen! Doch hatte jene Minderzahl den Vortheil des Terrains für sich, so wie die Stütze, welche ihre Forts und der Geist der Einwohner ihnen gewährten; dagegen machte wieder das Terrain den Gebrauch ihrer herrlichen Cavallerie unmöglich, weshalb diese größtentheils entsendet wurde, um in Flanke und Rücken des Feindes seine Communicationen zu erschweren. Aber dieses kleine Heer wurde furchtbar durch die gränzenlose Hingebung der Krieger, ihre unwandelbare Treue und vor Allem ihr Vertrauen auf den Führer, den sie stets an ihrer Spitze auf dem Pfade des Sieges und der Ehre gesehen hatten. Unendlich war der Enthusiasmus, den der Anblick des geliebten Generals, ein ermunterndes Wort aus seinem Munde in den Freiwilligen erregte; und die friedlichen Einwohner begrüßten mit eifrigen Wünschen für sein Glück den Feldherrn, der gegen Feind und Freund so brav wie gerecht sie geschützt, und den sie daher als rettenden Engel zu betrachten sich gewöhnt hatten.
Cabrera unterließ Nichts, was diesen Geist des Heeres und des Volkes erhalten und heben konnte. Er erließ Proclamationen, in denen er mit schwarzen Zügen den Verrath — wiewohl nicht in seinen ganzen Folgen — schilderte, der den König gezwungen hatte, das angestammte Reich zu meiden. Er sprach dann in feurigen Worten zu den Herzen seiner Kameraden; er erinnerte sie an die zahllosen Unbilde und die Schmach, welche die Männer der Revolution auf Alles gehäuft hatten, was ihnen theuer und heilig sein mußte; er rief die Gefahren und die Drangsale ihnen ins Gedächtniß, die sie unter seiner Leitung erduldet, und aus denen die Hülfe des Höchsten sie stets mit Ehre und Ruhm gerettet, die Siege, welche sie so oft, weit schwächer und wo schon Rettung unmöglich schien, über die prunkenden Massen der erbitterten Negros davongetragen hatten. Er zeigte, wie von dem Augenblicke an, in dem er mit funfzehn Mann und ohne Waffen den Kampf begonnen für die Vertheidigung seines Königs und seiner Religion, wie er da, von Schritt zu Schritt durch die himmlische Vorsehung geleitet, endlich ein glänzendes Heer habe bilden, und, der anfangs Verachtete und einem wilden Thiere gleich von Schlucht zu Schlucht Verfolgte, die übermüthigen Feinde im Sitze ihrer Macht bedrohen können.
Er forderte schließlich seine treuen Streitgenossen auf, nicht zu verzagen, da sie nun die jauchzenden Schaaren der Christinos sich heranwälzen sahen, er bat sie, vertrauensvoll und brav, wie bisher, ihrem Führer zu folgen, der stets der Erste sein werde, wo Gefahr und Ehre lockten, und er versprach ihnen, wenn sie standhaft aushielten in dem großen Kampfe, bei dem die Frucht aller ihrer Anstrengungen auf dem Spiele stand, den Schutz der gnädigen Himmelsköniginn, der hehren Jungfrau der Schmerzen, die nie zugeben werde, daß ihre frommen Kämpen unter den Streichen der alles Heilige verspottenden Trabanten der Revolution erlägen.
Und der Aufruf ihres Generals entflammte zu höchstem Feuer die Begeisterung der wackern Soldaten. Sie alle schwuren, bis zum Tod ihrem Eide treu zu bleiben, und als Cabrera zu Morella die Garnison versammelte und, wie jeder Unteranführer in seinem Corps es thun mußte, öffentlich erklärte, daß jetzt alle die, welche nicht den Muth in sich fühlten zur Fortsetzung des schweren Kampfes, bis das Begonnene ganz vollbracht sei, frei und unangetastet in die Heimath sich zurückziehen könnten, daß aber von dem folgenden Tage an der Soldat, welcher von seinem Corps sich entferne, ohne Gnade erschossen würde — da antwortete ihm ein allgemeines, dreimal wiederholtes: „viva el Rey!“ von dem den Freiwilligen fast eben so vertrauten „viva Don Ramon!“ begleitet, und nicht Einer fand sich unter den braven Burschen,[111] der von des Generals Aufforderung Gebrauch gemacht hätte.
Zugleich bemühete sich der General, viele der Mißbräuche abzuschaffen, die ganz besonders in die Verwaltung sich eingeschlichen hatten, und von denen er, bei seiner eigenen Uneigennützigkeit des Argwohnes kaum fähig, durch bittere Erfahrungen kürzlich überzeugt war: die Hülfsquellen des Landes, so wie die Beute, welche die kühnen Züge Cabrera’s durch Castilien, Valencia und Murcia schafften, wurden auf die unverantwortlichste Art vergeudet oder noch häufiger benutzt, die Habgier Einzelner zu befriedigen. Daher fehlten nicht selten die dringendsten Bedürfnisse, und — was ein furchtbarer Donnerschlag für Cabrera war, der Ähnliches nicht ahnete, da die Freiwilligen nie eine Klage deshalb erhoben — die Bataillone waren fast ein Jahr mit ihrem Solde im Rückstande.