Der General-Intendant des Heeres, Bocos de Bustamente, der bisher die ganze Administration leitete, wurde seiner Stelle entsetzt und die Junta aufgelöset, da sie, anstatt zu ordnen und zu leiten, nur die schon so schwierigen Verhältnisse mehr und mehr verwickelte. Leider konnte der General den Blutsaugern nicht die Millionen entreißen, mit denen sie auf Kosten des Heeres, des Landes und der Sache, deren eifrige Vertheidiger sie sich nannten, ihre Zukunft zu sichern gewußt hatten.

An die Stelle der aufgelöseten ward eine Real Junta militar de administracion y govierno gebildet, die unter dem Vorsitze des Generals en Chef fast ganz aus Militairs höherer Grade zusammengesetzt war, welche durch strenge Pflichterfüllung, Entschiedenheit in ihren politischen Ansichten und Redlichkeit solchen Vertrauens würdig schienen. Bald zeigte es sich, wie auch der am schärfsten Blickende getäuscht wird, und wohl noch mehr, wie Versuchung dem Besten gefährlich ist: im Frühjahr gingen drei der Vocale und unter ihnen derjenige, welcher mit Recht als der Tüchtigste, Thätigste und Einflußreichste unter den Gliedern der Junta gerühmt wurde, der Oberst Villalonga, zu Espartero über, da sie den gänzlichen Fall der Parthei unvermeidlich nahe sahen. Sie nahmen die Casse der Junta mit sich. — Viele Enttäuschungen warteten des edlen Cabrera!

In eben dieser Zeit ward ein Mann in Morella ergriffen, der, Jedermann unbekannt, seit einigen Tagen dort sich umhertrieb und, so wie der General in der Festung anlangte, zu ihm sich zu drängen suchte. Da er nicht Auskunft über sich geben wollte, durch seine Reden aber den Verdacht böser Absichten fast zur Gewißheit steigerte, ward ihm erklärt, daß er, falls er nicht gestehe, wer er sei und weshalb er dorthin gekommen, unverzüglich erschossen werde. Um ihn noch mehr einzuschüchtern, wurde er selbst in capilla gesetzt, und ein Priester sollte zu christlichem Tode ihn vorbereiten. Schäumend vor Wuth gab er sich da, weil er ja doch sterben müsse, als Mörder an, der von den Radicalen zu Barcelona gedungen sei, die Welt von dem gefürchtetsten Vertheidiger der Legitimität zu befreien. Er rühmte sich zugleich, an der Ermordung des gefangenen Obersten O’Donnell und der Seinen, so wie an der Niedermetzelung der Mönche thätig Theil genommen, ja ein Stück jenes unglücklichen Opfers geröstet und verzehrt zu haben; dann versprach er wieder, im Fall ihm das Leben geschenkt werde, Espartero in der Mitte seiner Garde niederzustoßen. Der Mann, plump, frech und erbärmlich feig zugleich, war gewiß sehr schlecht gewählt für das Geschäft, dem er sich unterzogen hatte. Sein abgeschlagenes Haupt ward zur Warnung auf einem Galgen vor der Stadt aufgesteckt. Vor seinem Tode erklärte er, daß mit ihm noch zwei Banditen von Barcelona abgesendet seien, die jedoch meines Wissens nie versuchten, die beschlossene Schandthat auszuführen.


Espartero rückte in der zweiten Hälfte Octobers mit den 35 Bataillonen, die er persönlich führte, von Norden gegen die Gebirgsmasse vor, welche den Grundsitz der carlistischen Macht bildete, und zu deren Vertheidigung Cabrera seine Truppen concentrirt hatte. Sie konnte als eine große Veste angesehen werden, in der Morella und Cantavieja, durch Lage, Kunst — so glaubte man wenigstens — und noch mehr durch die Schwierigkeit der Annäherung besonders stark, den Haupt-Vertheidigungskörper, die vorliegenden Forts Cullá, Alcalá la Selva, Aliaga, Villarluengo und Castillote die Außenwerke, das weit vorgeschobene Segura aber, so wie die Festungen des Turia im Südwesten und Villamaleja im Süden, selbstständige detachirte Werke bildeten, welche in Flanke oder Rücken dem angreifenden Feinde sehr gefährlich werden konnten.

Cabrera sandte deshalb Llagostera mit einem starken Corps, um bei Segura sich aufzustellen, von wo dieser jedoch, da Espartero unaufgehalten über Muniesa und am 26. October selbst bis Calanda vordrang und so die schwächste Seite der Gebirgsveste bedrohete, auf Castillote sich zog und dort Espartero sich entgegenstellte.

Zugleich hatte O’Donnell von Teruel seine 21 Bataillone herangeführt und war sofort bis Villarroyo vorgedrungen, worauf er das Städtchen Camarillas als Depot und Anhaltspunkt befestigen ließ, zu welchem Zwecke Espartero Estercuel ausersah, indem er auch Montalban, um Segura in Schach zu halten, wieder befestigen und diese Puncte durch mehrere feste Posten links mit Calanda und rechts mit den von O’Donnell besetzten Orten und bis Teruel verband, so im Halbkreis eine Linie, ähnlich denen der Nordprovinzen, um das eingeengte Gebiet der Carlisten ziehend.

Eine Colonne von 8 Bataillonen befehligte der Brigade-General Don Juan Cabañero, der, früher in Cabrera’s Armee die Division von Aragon befehligend, mit Maroto zu den Christinos übergegangen war und sich der besondern Gunst des Siegesherzoges erfreute, da er genau mit dem Kriegsschauplatze bekannt war und versprochen hatte, seine früheren Cameraden zu bearbeiten. So gab er ein treffliches Werkzeug ab für die Bestechungspläne seines neuen Anführers.

Kleinere abgesonderte Detachements sollten die Communicationen sichern, das Land besetzen und dadurch seine Hülfsquellen den Carlisten unzugänglich machen und auch wohl die Bewohner, indem sie das ganze Land von den Schaaren der Christinos überschwemmt sahen, heilsame Furcht vor der Macht des gerühmten Feldherrn lehren. So schweifte Martin Barea in dem Gebiete von Montalban und Segura, das Bataillon der portugiesischen Fremdenlegion, welches so lange schon unter Borso di Carminati’s Befehlen brav gegen Cabrera gekämpft hatte und aus einer Brigade zu einem Bataillon zusammengeschmolzen war, zwischen Segura und der großen Heerstraße umher.