Bisher hatten die Feinde, wenn auch stets von unsern Colonnen beobachtet und oft in günstigen Stellungen aufgehalten, keinen ernstlichen Widerstand gefunden, und jubelnd wähnten sie, daß die Kraft unserer Krieger gebrochen sei, und daß rasches Vorwärtsschreiten ihnen hinreiche, um der leichten Beute sich zu versichern. Viele glaubten selbst, daß Cabrera nur die Unterwerfung verzögere, um bessere Bedingungen für sich und die Seinen zu erpressen. Espartero hatte schon seine Siegeskünste in Thätigkeit gesetzt; wenn das Gold über den Obergeneral nichts vermochte, sollte es bei den Untergebenen desto mehr seine Macht bethätigen. Er erließ Proclamationen, in denen er das Volk aufforderte, sich ihm anzuschließen, um die Segnungen des Friedens zu erringen; den carlistischen Soldaten versprach er eine Geldbelohnung und die Entlassung in die Heimath, wenn sie den tollen Widerstand aufgäben und zu den siegreichen Truppen der unschuldigen Königinn übergingen, während er den Officieren, die sich ihm präsentiren würden, Anstellung in den Graden, die sie erlangt, und selbst Bestätigung der Orden und sonstigen Auszeichnungen zusagte, welche ihnen im Kampfe gegen seine eigenen Truppen geworden waren.

Diese waren die ersten Schritte, die er zu der Ausführung seines Lieblingssystemes that; wollte Gott, daß alle andern eben so nichtigen Erfolg gehabt hätten!


O’Donnell drang vorwärts, um seinem Gefährten die Hand zu reichen und zugleich die Aufmerksamkeit Cabrera’s auf sich zu ziehen. Am 30. October griff er Fortanete an, zu dessen Vertheidigung Cabrera rasch herbeieilte und in der That mit vier Bataillonen, die er dort vereinigte und erst am folgenden Morgen mit andern zwei verstärkte, den Ort bis zum Abend des 31. hielt. Am 1. November bereitete er sich, den ermatteten Feind von neuem zu bestürmen, als er durch einen Spion die Nachricht erhielt, daß Espartero am Tage vorher von Calanda über dem Mas de las Matas mit seiner ganzen Macht vorgedrungen sei, Morella sowohl wie Cantavieja bedrohend; und daß Cabañero Einverständniß mit einigen Officieren angezettelt habe, welche ihm am Abend desselben Tages die Festung Cantavieja einhändigen würden.

Fortanete aufgebend flog der General, nur von seinen Adjudanten und Miñones begleitet, der bedroheten Veste zu; am Tage nachher wurden die Schuldigen erschossen, und kaum gelang es dem verrätherischen Cabañero, mit seiner Colonne durch die Schluchten, ihm sämmtlich wohlbekannt, den Massen Espartero’s wiederum sich anzuschließen. Da war es, als abermals die gedungenen Mörder das Leben des Grafen von Morella bedrohten, über dessen Haupte ein schützender Genius zu schweben schien, die Elenden blendend, welche gegen ihn die Hand zu erheben wagten.

In las Parras hatte Espartero sein Hauptquartier aufgeschlagen, während die Garden unter General Leon die Dörfer Luco und Bordon, vier bis fünf Stunden von Morella, besetzt hielten. O’Donnell ging bis la Cañada vor, welches er leicht nahm; aber seine Versuche, darüber hinauszudringen, um mit Espartero in Verbindung zu treten, blieben ganz fruchtlos und kosteten ihm viele Menschen. In eben diesen Stellungen befanden sich die beiden feindlichen Armeen, als ich von Catalonien zurückkehrte, und ein bunteres Durcheinanderwerfen der christinoschen und carlistischen Truppen schien ganz unmöglich zu sein und kann nur durch die Eigenschaften des Terrains erklärt werden, welches so furchtbar gebrochen, mit unzugänglichen Felsmassen und tief gefurchten Schluchten durchzogen ist, daß die Corps häufig auf geradem Wege wohl kaum eine Viertelstunde von einander entfernt waren, während sie, um sich zu treffen, Stunden langen mühsamen Marsch zu machen hatten. — In einem regelmäßigen Kriege würde ein ähnliches Gebirge für durchaus impracticabel erklärt werden.

Espartero stand, wie gesagt, in las Parras, Luco und Bordon,[112] die Front gegen el Orcajo, die beiden Hauptfestungen der Carlisten bedrohend; seine ganze Cavallerie war im Mas de las Matas concentrirt und deckte so die Verbindung mit Calanda, welches jedoch vom Obersten Bosque blokirt wurde, der selbst unter dem Schutz des Terrains drei Mal den Ort überfiel, die Thorwache niederhieb und Officiere und Leute von den Straßen gefangen fortführte, ehe die christinoschen Truppen unter die Waffen kamen. Es durften daher nur Colonnen von einigen tausend Mann von Calanda zum Heere und nach dem Hauptdepot Alcañiz geschickt werden oder von dort kommen.

Dieser Linie parallel zwischen ihr und Morella und den Weg nach dem Orcajo deckend, welches ein äußerst wichtiger Punkt war, da dort die Straßen nach jenen beiden Festungen rechts und links abgehen, standen von Monroyo bis Olocau vier Bataillone, die aber sofort verstärkt werden konnten. Cabrera selbst blieb, nur von seiner Compagnie Miñones und den Ordonnanzen gedeckt, in Zurita, drei Viertelstunden von dem mit Truppen überladenen Luco. An der andern Seite der feindlichen Position lag das starke Castillote, eine Stunde von las Parras und dem Mas de las Matas entfernt. Dort stand, auf das Fort gestützt, Llagostera mit einem Theile seiner Division, die er in glücklichen Zügen und mit überraschender Thätigkeit — da er gewöhnlich sehr langsam sich zeigte — bis tief in das nun feindliche Gebiet hinein, nach Segura und über dasselbe hinaus führte.

In der Nacht vom 6. zum 7. November überraschte er in Barrachina das Fremdenbataillon, welches ihn zwanzig Stunden entfernt wähnte, und brachte ihm einen Verlust von 300 Todten bei: die fremden Corps hatten keinen Pardon. Den kleinen Rest rettete der entschlossene Muth desselben, da er ohne Munition der schon genommenen Kirche sich bemächtigte, in der das Bataillon seinen Pulvervorrath niedergelegt hatte, und in ihr sich vertheidigte.

Zwischen jener Armee und der O’Donnell’s, die in Fortanete und la Cañada sich verbarrikadirte, standen die carlistischen Bataillone in Pitarque, Tronchon und Mirambel, während O’Donnell’s rechter Flügel durch drei Bataillone in Val de Linares, sein Rücken gar durch die beiden Festungen Aliaga und Alcalá la Selva und den auf sie gestützten Freicorps bedroht und seine Communicationen natürlich ganz abgeschnitten waren.