Dafür waren aber unsere Streifparthieen im Rücken der Colonnen Espartero’s ihnen desto verderblicher. Llagostera operirte nach der Vernichtung des Fremden-Bataillons auf der Communications-Linie der Christinos, unterbrach fortwährend die Verbindung, hob die Convoys auf oder verzögerte ihre Ankunft und bedrohete unaufhörlich die kleinen Garnisons, von denen er mehrere gefangen fortführte, während der verwegene Barea vergeblich seine Unternehmungen zu hemmen strebte. Er sandte 1100 Gefangene und 337 Maulthierladungen von Lebensmitteln nach Cantavieja und Morella.
Oberst Bosque, wie gesagt, blokirte stets Calanda. Da nun Martin Barea neunzehn gefangene Carlisten erschossen hatte, führte auch Bosque von den Gefangenen, die er bei seinem zweiten Eindringen in jenen Ort machte, einen Adjudanten Espartero’s und achtzehn Soldaten an den Fuß der Mauern zurück und füsilirte sie dort. Nachdem sie die Nacht in höchstem Alarm zugebracht, fand die Garnison am Morgen die Leichname und in der Hand des Adjudanten ein Schreiben, durch welches dieser Act als nothwendige Repressalie für die Ermordung jener Freiwilligen angekündigt wurde.
Die Besatzung von Alcalá la Selva, unterstützt von dem 4. Bataillon von Aragon, fing einen Convoy auf, der von Teruel dem ausgehungerten O’Donnell zugesandt wurde, und nahm drei ihn escortirende Compagnien gefangen.
Espartero’s Lage wurde täglich mißlicher: alle seine Anschläge waren gescheitert, und jede Stunde machte die Stellung, in die er sich gezwängt hatte, weniger erträglich. Bald fehlte es ganz an Lebensmitteln, und nachdem das Holz, welches in den Dörfern sich fand, dann auch die Meubles, die Thüren und Fenster aufgebrannt waren, machte sich der Mangel an Feuerung gleich fühlbar. Umsonst erwartete der bedrängte Siegesherzog das schlechte Wetter, welches sonst in diesen Gebirgen nie ausbleibt, umsonst hoffte er, daß Schnee und Sturm ihm einen Vorwand geben würden, der den Rückzug und die Nichterfüllung seiner pomphaften Verheißungen auf Rechnung der Jahreszeit zu setzen erlaubte. Der Himmel schien sich mit den Carlisten zu verschwören, um seine Verlegenheit zu vergrößern, da, wiewohl es ziemlich kalt war, die Luft fortwährend rein blieb und kein Wölkchen am Horizonte sichtbar wurde. — Erst mit dem Anfange des Februars 1840 schien der Winter zu beginnen.
So ward denn Espartero endlich gezwungen, der Demüthigung sich zu unterziehen und die drohende Stellung aufzugeben, welche er seit drei Wochen im Herzen des Gebietes der verachteten Rebellen, wenige Stunden von ihren Hauptfestungen entfernt, behauptet hatte. Anstatt der erwarteten Eroberung von Morella lasen die erstaunten Madrider die Nachricht von dem Rückzuge ihres lorbeerbekränzten Helden. In der Nacht vom 18. zum 19. November verließen die Garden ihre Stellungen, um sich auf las Parras zurückzuziehen, wohin sie von den Compagnieen, welche zu ihrer Beobachtung bestimmt waren, begleitet und so kräftig gedrängt wurden, daß sie im Dunkel der Nacht in gänzliche Unordnung geriethen und ihren Schrecken selbst den bereits zu ihrem Empfange ausgerückten Divisionen mittheilten. Am folgenden Tage zog sich Espartero nach Calanda, O’Donnell von Fortanete auf Camarillas zurück, nachdem sie 4000 Mann geopfert hatten, um Spott und schimpflichen Rückzug damit zu erkaufen.
Rühmlich hatte die kleine Schaar, welche weder durch Versprechungen noch durch Furcht vor der sechsfachen Übermacht in ihrer Treue sich wankend machen ließ, den Feldzug des verhängnißvollen Jahres 1839 geschlossen. Mit Festigkeit sah sie den Schrecken entgegen, die der Frühling über sie häufen mußte. Espartero aber sann ergrimmt auf neue Mittel, durch die er leichten Triumph sich sichern, den gefürchteten Helden, der hindernd seinen Plänen in den Weg trat, unschädlich machen könne; er wußte, daß Cabrera’s Geist Alles belebte und aufrecht hielt, daß ohne ihn, auf den Alle mit Liebe und Vertrauen blickten, der Alles geschaffen hatte, das Werk in sich zerfallen würde. — Seine Wahl war rasch getroffen.
Die letzten Tage des Monats vergingen ohne bedeutende Operationen. Nur Llagostera zeichnete sich wiederum aus, da er in der Nacht vom 25. zum 26. November das vom Feinde befestigte und als Depot benutzte Estercuel angriff, sich dadurch in die Mitte der feindlichen Linie und zwischen die Truppen schiebend, welche rings umher cantonnirten. Er öffnete in der folgenden Nacht durch eine Mine Bresche und nahm die Stadt mit Sturm, worauf er den größten Theil der Magazine fortführte, das Übrige zerstörte und eine halbe Stunde vor dem Eintreffen des heranrückenden christinoschen Corps den Ort verlassen hatte.
Diese letzten Monate des Jahres 1839 bilden die Glanzperiode Llagostera’s, da die ungewohnte Thätigkeit, welche er unter den doppelt schwierigen Umständen entwickelte, und die dadurch errungenen Erfolge den sehr gegen ihn eingenommenen Geist der Armee auf einige Zeit mit ihm aussöhnten. Doch wußte er durch sein späteres Handeln die neu erregten Hoffnungen nicht zu befriedigen und verlor deshalb im April 1840 sein Commando.
[111] Sie waren fast alle unbärtige, sechszehn- bis zwanzigjährige Jünglinge. Die Männer, welche in den ersten Jahren des Krieges sich erhoben, hatten größtentheils mit dem Leben ihre Treue besiegelt oder befanden sich längst in dem Invaliden-Corps.
[112] General Baron von Rahden hat seinem Werke über Cabrera eine Charte des Kriegsschauplatzes im östlichen Spanien hinzugefügt, welche sehr genau und für das Verständniß der Züge und Operationen Cabrera’s seit dem Beginne des Krieges und der ihn bekämpfenden Heere zu empfehlen ist.