[113] Kein Chef vom Oberst aufwärts ist ohne glänzende Anerbietungen von Seiten Espartero’s geblieben.
XXXIV.
Während der Abwesenheit des Generals Baron von Rahden stand das Geniecorps unter der interimistischen Direction des Obersten Don José Alzaga, welcher, da während des Winters in allen Festungen thätig gearbeitet werden sollte und daher alle Officiere des Corps beschäftigt waren, die Leitung der Werke von Morella und dessen Castell gleichfalls über sich nahm. Diese befanden sich zur Zeit des Anrückens Espartero’s in eben dem Zustande, in dem Oráa im Jahre 1838 sie gelassen hatte; man war lediglich darauf bedacht gewesen, die Bresche zu schließen. Umsonst hatte Herr von Rahden seit seiner Ankunft darauf gedrungen, die Befestigung zu vervollständigen und die nahen, vom Feuer des Castells beherrschten Höhen mit wechselseitig sich vertheidigenden Werken zu krönen, hinter denen ein deckendes Corps wie in einem verschanzten Lager stehen könnte, während sie die Arbeiten des Feindes unendlich erschwert hätten, da sie ihn nöthigten, Zeit und Material für die gar nicht leichte Eroberung derselben zu verlieren und die Arbeiten auf weit größere Distance anzufangen, indem sie von seinem eigentlichsten Angriffspunkte, den schwachen Mauern der Stadt, lange und wirksam ihn fern hielten.
Wohl hatte der Graf von Morella die Wichtigkeit dieser Arbeiten erkannt und deshalb Herrn von Rahden aufgetragen, den Plan zu entwerfen; ja, der größte Theil derselben war längst abgesteckt und bezeichnet. Aber die Offensiv-Operationen nahmen während des ganzen Jahres die Aufmerksamkeit und noch mehr alle Mittel des Generals in Anspruch, so daß bei den fortwährend unternommenen Belagerungen das Geniecorps immer fern von Morella beschäftigt war. Auf die dringenden Mahnungen des Herrn von Rahden pflegte er dann mit derbem Fluche zu erwiedern, daß, so lange er lebe, die Christinos nie mehr wagen würden, Morella sich zu nähern. So hatte Jener kaum erlangen können, daß der Bau des regelmäßigen Hornwerkes angefangen wurde, durch das er des wichtigen Punktes der Hermite von San Pedro Martyr sich versichern wollte, der von einer weit die Umgegend beherrschenden Höhe die Festsetzung des Feindes und vor Allem die Errichtung der Batterien auf dem fast einzig dazu passenden Punkte, der Querola, unmöglich machte.
Als die Schreckenskunde von der Annäherung Espartero’s ertönte, war dieses Werk noch sehr zurück. Da eilte denn freilich Cabrera herbei, die rasche Vollendung zu betreiben, und da er den ursprünglichen, trefflichen Plan und das zu seiner Ausführung noch Mangelnde sah, befahl er mit dem Ausrufe: „Carajo, das sind ja wahre Römer-Arbeiten; die passen nicht hierher!“ das Hornwerk zu verkürzen. Die Folgen des peremtorischen Befehls waren traurig. Das Fort mußte, da es außer dem wirksamen Bereiche des Geschützes der Festung lag, als detachirtes und unabhängiges Werk ganz auf die eigene Vertheidigung beschränkt sein; es ward nun aber möglich, da, wo die Abschneidung Statt finden mußte, bis auf hundert und funfzig Schritt sich ihm gedeckt zu nähern, und gerade dieser bedrohete Punkt verlor fast seine ganze Flankenvertheidigung. Dort griffen denn später die Feinde das Werk auch an und nahmen es nach dreitägiger Beschießung.
Herr von Rahden hatte im Augenblicke der Gefahr die Verschanzung rasch — zum Theil mit Pallisaden — geschlossen, um sie gegen einen Handstreich sicher zu stellen. Oberst Alzaga befahl sofort, das so eben Errichtete wieder niederzureißen und es ganz kunstgemäß und permanent von neuem zu erbauen — er fand nie gut, was nicht von ihm selbst herrührte. — Zugleich sollte dort eine bombenfeste Caserne angelegt werden.
Die Leitung dieser Arbeiten auf San Pedro Martyr ward mir übertragen, so wie ich die kürzlich begonnene Befestigung von Villarluengo vollenden und abwechselnd mit dem Capitain Verdeja Cantavieja inspiciren sollte. Diesem wurden die Forts Ares del Mestre und Cullá südlich und dem Capitain Jimenez Castillote und Peñaroya nördlich von Morella zugetheilt, während der vierte Capitain Don Manuel Brusco in den Festungen jenseit der Heerstraße von Teruel nach Segorbe befehligte. Die Subalternofficiere und Werkmeister, so wie die Compagnien des Sappeurs-Bataillons waren dem Bedürfnisse gemäß unter uns vertheilt.