Espartero’s Absicht war, während des Winters unsere Armee in ihrem Hochgebirge zu blokiren und sie zu hindern, Hülfsmittel aus den fruchtbaren Niederungen zu ziehen. Er errichtete deshalb Linien, ließ viele kleine Orte befestigen und garnisoniren und gab selbst, wo das Volk irgend den Christinos geneigt sich zeigte, den Landleuten Waffen in die Hand, damit sie gegen unsere Streifcorps sich schützen könnten. Dennoch drangen diese mitten durch sie und selbst in den Rücken jener Linien ein und beuteten die Provinzen aus. Doch rettete die Krankheit des Generals den Feind vor größeren Verlusten, da die Unterfeldherren mehr mit Intriguen wegen der Folgen von Cabrera’s sicher erwartetem Tode, als mit der Bekämpfung der Christinos sich beschäftigten und ihre Truppen während des Winters fast ganz unthätig ließen.

O’Donnell aber, um die Verbindung Arévalo’s im Turia mit der Hauptarmee ganz abzuschneiden, hatte alle Ortschaften längs der Chaussee von Teruel nach Segorbe befestigt, so daß es unumgänglich wurde, zwischen zwei dieser, höchstens drei bis vier Stunden von einander entfernten, Forts zu passiren, zwischen denen stets starke Cavallerie-Patrouillen die Straße auf- und abtrabten. Er nahm darauf das drei Stunden jenseit derselben liegende leicht befestigte Manzanera.

Dann wurde General Aspiroz beordert, Chulilla anzugreifen, welches im Thale des Guadalaviar — Rio Blanco — den Übergang über denselben beherrschte, das südliche Valencia den Streifzügen der Carlisten öffnete und dagegen den Feinden el Turia nach Südosten hin schloß. Das Fort, auf einem isolirten Felsen angelegt, dessen Fuß im Süden der Fluß bespült, enthielt nur Infanterie, etwa 200 Mann. Aspiroz stellte sechszehn Geschütze gegen dasselbe auf, mit denen er bald die künstlichen Vertheidigungswerke zermalmte, und die er so nahe placirte, daß drei Scharfschützen, hinter einem Felsen liegend, eine Batterie von vier Geschützen in einem Tage zweimal zum Schweigen brachten. Dreizehn Tage hielt die brave Garnison das Feuer dieser Geschützmasse aus, der sie nur ihre Gewehre entgegensetzen konnte; viermal versuchte der Feind mit hohem Muthe die Erstürmung durch Escalade, und viermal wurde er, schon auf dem Felsen angekommen, mit den Leitern in die Tiefe zurückgeschleudert.

Doch Entsatz war nicht möglich, das Wasser fehlte, und endlich setzte eine Bombe auch das Magazin der Mundvorräthe in Brand. Da vereinigten sich die 87 Mann, welche noch lebten, ließen sich bei Nacht an Stricken von der 50 Fuß hohen Felswand in den Fluß hinab und schlugen sich durch den staunenden Feind, der hier am wenigsten angegriffen zu werden erwartete. — Arévalo belohnte einen jeden Freiwilligen mit einem real vitalicio — einem Real täglich auf Lebenszeit, in Spanien gewöhnliche Prämie für kriegerische Auszeichnung der Soldaten —; die Officiere bekamen einen Grad.

Nach dem Verluste von Chulilla ward Chelva, wo eine Kirche zur Sicherung gegen einen Handstreich befestigt war, geräumt, worauf der Feind es sofort besetzte und nebst Tuejar, Titaguas und Aras befestigte, wo er dann seine Depots für die auf das Frühjahr aufgeschobene Belagerung der übrigen carlistischen Festungen bildete.

Arévalo, der sich im Allgemeinen ganz auf die Defensive beschränkte, überfiel im Februar 1840 eine feindliche Colonne in Peralejos de las Truchas in Castilien und nahm dreihundert Mann gefangen, gab aber im März das Commando an den Brigadier Don Salvador Palacios ab, welcher bis dahin mit Auszeichnung die Brigade von Tortosa befehligt hatte.


Im Norden arbeitete indessen Espartero eifrig, um seinen Kaufplänen Eingang zu verschaffen. Schon im December war Cabrera genöthigt gewesen, eine General-Ordre mit der Bestimmung zu erlassen, daß Niemand etwaigen schriftlichen Befehlen, selbst wenn sie mit seiner Unterschrift und seinem Siegel versehen und auf das dazu gebräuchliche, lithographisch reich verzierte Papier geschrieben seien, in irgend zweifelhaftem Falle gehorche, wenn sie nicht persönlich durch einen der — in der Ordre mit Namen bezeichneten — Adjudanten und Ordonnanz-Officiere überbracht würde. Espartero hatte nämlich durch einen Spion an den Gouverneur der Festung Aliaga eine Ordre gesendet, vom Grafen von Morella unterzeichnet, welche die bestimmte Weisung enthielt, die Festung sofort zu räumen und nach Verbrennung aller Vorräthe, wo möglich mit den leichten Kanonen des Forts, auf Villarluengo oder Cantavieja sich zurückzuziehen. Dem Gouverneur, der kurz vorher ganz entgegengesetzte Befehle erhalten hatte, schien dieser so eigenthümlich, daß er einen Irrthum voraussetzte, die Vollziehung auf seine Verantwortung aufschob, bis er neue Instructionen vom General erhalten würde, an den er sogleich einen Adjudanten schickte, und während der Zeit den Überbringer, der sich verwirrt zeigte, arretirte.

Da fand sich, daß der General nie eine ähnliche Ordre ausgestellt hatte. Der Spion, da er sich entdeckt sah, gestand, daß Espartero sie ihm eingehändigt und für die Überbringung eine große Belohnung zugesagt habe; er ward erschossen. Der große Siegesherzog an der Spitze seiner sechsfach überlegenen Massen fand es nicht unter seiner Würde, auch noch zur Fälschung seine Zuflucht zu nehmen! Er hatte die Handschrift des Grafen von Morella und die Verzierungen den echten so vollkommen nachgemacht, daß ein Unterschied nicht zu entdecken war. — Ich selbst sah im Hauptquartiere diese falsche Ordre.