Da der Streich nicht gelungen war, griff er wieder zur Bestechung. Am 9. Januar ließ Llagostera einen Capitain und einen Kriegscommissair in Castillote erschießen, überführt und geständig, mit dem feindlichen Heerführer in Communication zu stehen und Geldsummen von ihm erhalten zu haben. Wenige Tage später wurden zu Morella zwei Sergeanten und ein Assistenz-Wundarzt, kurz vorher vom feindlichen Garde-Corps desertirt, gefangen gesetzt, da sie durch heimlichen Verkehr mit unbekannten Personen Verdacht erregt und viel in den Befestigungswerken sich umhergetrieben hatten. So wie die Nachricht davon bekannt wurde, verschwand ein Geistlicher, der in der Verwaltung angestellt und in dessen Wohnung der Wundarzt mehrere Male gesehen war. Unter den Effecten des Arztes fanden sich bei der Durchsuchung vier Päckchen mit schnell wirkendem Gifte, versteckt unter anderen Päckchen von eben derselben Form, welche Arzneimittel enthielten.
Der Wundarzt wurde von den erbitterten Miñones des kranken Generals niedergestochen, die Sergeanten aber, kaum der Wuth der Soldaten entrissen, bekannten sich als Scheinüberläufer, zur Ausforschung und Bearbeitung des Geistes der Besatzung und nebenbei zur Besichtigung der Werke bestimmt; sie standen übrigens ganz zur Disposition des Wundarztes, der auch durch zwei Bauern die Correspondenz mit dem feindlichen Hauptquartier führte. Beide Sergeanten wurden füsilirt. Die Bauern erschienen nicht wieder, der verschwundene Geistliche befand sich schon am andern Morgen im Mas de las Matas.
Doch wie viele seiner Anschläge vereitelt wurden, Espartero ermüdete nicht, und es ist leicht begreiflich, daß unter Tausenden Einzelne sich fanden, die seinen lockenden Verheißungen Gehör gaben und zum Verrathe an der sinkenden Sache sich hinreißen ließen, da ja solcher Verrath Gold und Ämter und selbst — Schande den sogenannten Liberalen Spaniens! — Ehrenbezeugungen ihnen sicherte. Schon war die Armee ihres Führers beraubt und damit die Hauptsache gethan. Der nächste Schlag sollte ihr einen ihrer trefflichsten Stützpunkte nehmen, denjenigen, der am meisten Espartero’s Truppen beunruhigte, da er weit in ihre Flanke und ihren Rücken vorgeschoben war, und durch dessen Besitz es den Carlisten möglich wurde, noch immer bis tief nach Aragon hinein zu operiren.
Die Wichtigkeit des Castells von Segura ist früher hinlänglich dargethan. Da Espartero erst den Verkäufer gefunden, wußte er die Ausführung so schlau und gewissenlos zu ordnen, daß auch der Scharfsinnigste getäuscht und im Augenblicke der That unvorbereitet überrascht werden mußte.
Der Gouverneur von Segura, ein Oberst, dessen Name mir entfallen, war ein alter braver Haudegen, seit dem Beginn des Krieges unter den Waffen und entschiedener Royalist, der die Briefe, in denen ein Adjudant Espartero’s im Namen seines Generals ihm Grade und bedeutende Geldsummen anbot, im Fall er seine Veste überliefere, unerbrochen dem Grafen von Morella zusandte, welcher das höchste Vertrauen in seinen alten Waffengefährten setzte. Er hatte unter seinem Commando drei Compagnien Infanterie von Aragon, ein Detachement Sappeurs und ein anderes von der Artillerie als Besatzung des Castells und einige Cavallerie, den Umständen nach von verschiedener Stärke, mit einem kleinen Freicorps für die Streifzüge in das Innere der Provinz.
Am 18. Februar fing der dienstthuende Capitain im Thore einen Bauer auf, der in das Castell trat, und fand bei ihm Briefschaften von Espartero, durch die dessen Einverständniß mit dem Gouverneur und dem Platzmajor von Segura unzweifelhaft klar ward, so wie die Absicht, während der Nacht die Festung zu überliefern. Der Capitain sticht sofort den Bauer nieder, lieset seinen Grenadieren die aufgefangenen Schreiben vor und fordert sie auf, im Blute der elenden Verräther die Schandthat zu rächen und ihrem angebeteten Don Ramon zu zeigen, daß er noch treue Soldaten hat. Einen Augenblick später haben die Grenadiere wüthend den Gouverneur, den Platzmajor und einen andern Officier getödtet, und ihr Capitain als ältester Officier übernimmt das Commando.
Espartero, der bisher ruhig in seinen Standquartieren geblieben war, um nicht die Aufmerksamkeit oder gar Truppen dorthin zu ziehen, eilte am folgenden Tage mit einem Theile seines Heeres nach Segura. Eben so flog Llagostera auf die Nachricht des Geschehenen von Castillote hinzu, die Garnison abzulösen und einen neuen Gouverneur zu ernennen. Er fand, am 21. bis Ejulve vorgedrungen, durch Espartero’s Massen den Weg sich versperrt.
Dieser begann am 23. die Belagerung der Festung, und am 25. eröffneten seine Batterien ihr Feuer, welches die sechs Geschütze des Castells mit Kraft erwiederten. Es dauerte sechs und dreißig Stunden ununterbrochen fort, ohne jedoch Bresche geöffnet zu haben, da eine schmale Öffnung in den Werken an einer Stelle, wo die Mauer auf einen dreißig Fuß tief perpendiculair sich senkenden Felsen gegründet war, den Namen einer Bresche nicht verdiente; es wäre unmöglich gewesen, sie practicabel zu machen, da die Felswand stets dasselbe Hinderniß gegen den Sturm bot.
Indessen hatte der selbstbestallte Gouverneur seine Compagnie seinem Zwecke gemäß bearbeitet, indem er sie auf die gefährlichsten Posten stellte, wo sie sehr litt, sie stets im Dienst hielt und dabei von der Unmöglichkeit des Entsatzes und der Nutzlosigkeit weiterer Vertheidigung durch dazu bestellte Leute reden ließ. Bei Tagesanbruch am 27. rief er die Garnison zusammen und erklärte die Nothwendigkeit der Capitulation, da Bresche geöffnet, Entsatz nicht zu hoffen sei. Seine Compagnie stimmte ihm bei, aber die übrigen Officiere erklärten entschieden, daß an Übergabe nicht gedacht werden könne, und der Commandeur der Sappeurs, begleitet von den beiden andern Compagnien, führte seine Leute zu der sogenannten Bresche, um den Schutt aufzuräumen und sie sofort zu schließen, jenen Vorwand für die Ergebung zu entfernen. Thätig mit der Arbeit beschäftigt, erhielten die braven Freiwilligen plötzlich eine Salve aus dem Innern des Castells; die Grenadiere hatten mit dem Geschrei: „viva Don Ramon; diese wollen uns opfern!“ den Christinos das Thor geöffnet.
So fiel die herrliche Festung, bei deren Erbauung so glänzende Hoffnungen gefaßt werden durften, durch Verrath in die Gewalt der Feinde. Die ganze Besatzung ward auf Discretion gefangen, doch erlaubte ihr Espartero in seinem Jubel, ihr Gepäck und so viel Lebensmittel mit sich zu nehmen, wie sie fortbringen könnte. Ungeheure Vorräthe fanden sich im Castell und sechs schöne Geschütze, von denen nicht ein einziges demontirt war.