Llagostera, nach erhaltener Verstärkung am 26. bis Cabra, nahe Montalban, vorgedrungen, zog sich auf die Nachricht von dem Verluste von Segura auf Castillote zurück. Wenige Tage später langten sechszehn von den Gefangenen, auf dem Marsche nach Daroca entflohen, bei der Armee an; unter ihnen waren drei Grenadiere, die arretirt, aber, da sie selbst so schändlich getäuscht waren, nicht weiter bestraft wurden.

Der loyale Gouverneur und sein Major waren als Opfer ihrer Treue gefallen, während der Capitain der Grenadiere — welcher garde du corps Ferdinands VII., Secondelieutenant in der Armee, gewesen war — nachdem er die Sache, der er sich widmete, verrathen, seine Chefs und eigenhändig selbst den Unglücklichen, der ihm als Werkzeug diente, ermordet und den ihm anvertrauten Posten ehrlos überliefert hatte, als Oberst und mit dem Orden Isabella’s der Zweiten geschmückt, ohne Scham in den Standquartieren der Christinos sich zeigte, bis er nach Cuba, wohin er versetzt ward, abreisete. Espartero aber, nachdem er prahlende Berichte über seine Waffenthat ausgefertigt hatte, zog sich in seine alten Stellungen zurück, über weitere Ausdehnung seines Systems zu brüten.

Den Unwillen und das Entsetzen zugleich, welche der Verkauf von Segura, begleitet von so empörenden Umständen, in Volk und Heer hervorrief, wage ich nicht zu beschreiben; Jedermann blieb betäubt und von kaltem Schauder durchrieselt bei der furchtbaren Nachricht. Den hingeschlachteten Treuen zu Ehren ward ein feierlicher Trauergottesdienst angeordnet, während dem Verräther der Fluch Aller folgte. Noch war diese That in ihren Folgen besonders unheilbringend, da schon die erste Botschaft von dem beabsichtigten Verrathe des wackern Gouverneurs und von seinem Tode auf den General so tiefen Eindruck machte, daß man abermals für sein Leben zitterte.

Ich gestehe, daß ich außer mir war vor bitterm Schmerz und Grimm; ich lachte, aber das Knirschen der Zähne tönte durch das dumpfe Gelächter hindurch. Das waren entsetzliche Tage! Meine Gefühle machten mich ungerecht. Da sehnte ich mich und flehte, daß ich von diesen Spaniern befreit werde, daß Espartero rasch angreife und unter den Trümmern von Morella uns begrabe, um nur nicht in solcher Lage leben zu müssen. „So muß ich denn in jedem Gefährten einen Verräther fürchten,“ fügte ich der Schaudernachricht im Tagebuche zu, „und darf Niemand mehr vertrauen! Schrecklich, schrecklich, von solchem Geschlecht sich umgeben zu wissen. Wenn doch Espartero mit einem Schlage Alles beendete, Alles zermalmte, wenn es sein soll! Sollte ich das Ende des Krieges überleben, so wird der Augenblick, in dem ich Spaniens Gränze überschreite, der herrlichste meines Lebens, der Tag auf immer ein Dank- und Jubelfest mir sein!“


Wie wenig übrigens die Christinos daran dachten, die Zusagen zu erfüllen, welche sie doch, so bald dadurch Hoffnung auf Erfolg sich bot, überreichlich verschwendeten, trat um eben diese Zeit klar hervor, da die constitutionelle Regierung im Königreiche Galicia in einer Nacht alle die früheren Guerrilleros, welche dem Vertrage von Bergara sich angeschlossen hatten, verhaften und nach den Colonien deportiren ließ. Über funfzehnhundert jener Unglücklichen wurden so, größtentheils wohl auf immer, ihrem Vaterlande und ihren Familien entrissen, da sie doch volle Ansprüche auf alle die Vortheile hatten, welche der Vertrag den ihm sich Anschließenden gewähren sollte. Wie schwer sie auch fehlten, da sie verzagend ihren König verließen, als er gerade mehr als je ihrer Treue und Festigkeit bedurfte, war es doch nie die Sache der Christinos, dieses Verbrechen, dessen Früchte sie geerntet hatten, selbst ihr Wort brechend, zu strafen.

Gewiß eine gute Lehre für die, welche, nur den Einflüsterungen der Selbstsucht folgend, geneigt sein mochten, den Versprechen und Lockungen Gehör zu geben, durch die jetzt Espartero ebenso ihrer Pflicht sie abwendig zu machen suchte.

XXXVI.