Don Manuel Brusco war Lieutenant im Geniecorps der portugiesischen Armee unter Don Miguel und zeichnete sich vor Oporto mehrfach aus; er verließ sein Vaterland bei dem unglücklichen Ausgange des Krieges und hielt sich längere Zeit in England und Frankreich auf. Zu Paris hatte er ein besonderes Glück an der verrufenen Roulette-Tafel, da er niedrig spielend ein Fünffrankenstück unbemerkt liegen ließ, welches wieder und wieder gewann, bis endlich die Bankhalter baten, der Eigenthümer möge genau erklären, auf welchen Nummern er spiele, da der große Haufen Gold und Papiere dieses nicht mehr erkennen ließ. Brusco sah ruhig dem Spiele zu und schwieg, als auf die Frage der Banquiers einige Nahestehenden erklärten, daß ihm das Geld gehöre. Da es von sonst Niemand reclamirt wurde, steckte er freudig erstaunt den Gewinnst ein und fand bei näherer Untersuchung, daß er vierzig und einige tausend Francs betrug.

Er benutzte das ihm so zugefallene Geld zu einer Reise durch die Niederlande, Deutschland und die Schweiz, indem er besonders die Schlachtfelder besuchte und studirte, worauf er, da sein Geld rasch dem Ende nahete, im Jahr 1836 nach Navarra ging, um Carl V. seine Dienste anzubieten.

Da er thätiger zu kämpfen wünschte, als es dort im Geniecorps möglich war, trat er in das 4. Bataillon von Castilien ein, verließ mit der königlichen Expedition die Provinzen und fiel bei dem Übergange über den Cinca mit den Trümmern des braven Bataillons in die Hände der Feinde. In Zaragoza erduldete er alle Leiden der Gefangenschaft, bis Cabrera Ende 1838 ihn auswechselte, anfangs in seinem Generalstabe placirte und dann überall benutzte, wo seine hohen Kenntnisse als Ingenieur anwendbar waren. Brusco erwarb sich die Achtung des Generals in hohem Grade, ward nach der Ankunft des Baron von Rahden zu dessen Adjudanten ernannt und im Sommer 1839 mit den Festungen im Turia beauftragt, wo seine unermüdliche Thätigkeit weiten Spielraum fand. — Auch er entkam, als der Widerstand aufgehört hatte, verwundet nach Frankreich.

Die Stellung des Ingenieurs hat in Spanien sehr viele Vorzüge; aber nirgends war sie so angenehm, wie die unsere dort in Neu-Castilien. Dem spanischen Reglement gemäß empfängt der Ingenieur Instructionen nur von den Chefs seines eigenen Corps — als cuerpo facultativo das erste der Armee — und ist ihnen allein verantwortlich; er ist ganz unabhängig von den übrigen Waffengattungen, mit deren Commandeurs er nur berathet, ihre Mitwirkung, wo er deren bedarf, fordern kann, aber nicht ihren Befehlen untergeben ist. Da uns nun die Verbindung mit unserm Chef in Morella fast immer abgeschnitten war, wir auch dessen Resolutionen natürlich nie erwarten durften, so waren wir ganz selbständig und standen eben so wohl da als Haupt in unserm Districte, wie Palacios, Gil und Valmaseda in den ihrigen. Nur galt es, mit Festigkeit unsere vielfach angefochtenen Rechte aufrecht zu halten.

Und zwar war dieser unser District so weit ausgedehnt, wie jene Anführer ihre Herrschaft auszudehnen vermochten, da wir dort alle Bedürfnisse für unsere Festungsbauten einzutreiben berechtigt waren, weshalb wir denn häufig Kriegszüge auf eigene Faust unternahmen. Wir hatten nemlich zu unserer Verfügung zwei Compagnien Sappeurs, über 250 Mann, lauter ausgesuchte Leute, da das Sappeurscorps, so wie die Artillerie, unter den Rekruten auswählte, ehe sie durch Loos den Bataillonen zugetheilt wurden. Sie waren vollkommen und selbst mit Pracht in Bewaffnung und Kleidung ausgerüstet, indem alle Bedürfnisse von Cuenca, Valencia und selbst Madrid hergeschmuggelt wurden. Geld dazu war stets im Überfluß, da der General bei der Bildung derselben befohlen hatte, in die Casse der Sappeurs ein Sechstel der wegen nicht geleisteter Festungsarbeiten von den Provinzen zu zahlenden Strafgelder abzuliefern, was oft außerordentlich große Summen ausmachte, so daß Sold, Arbeitslohn und Rationen, Alles doppelt so stark wie die der Linientruppen, stets regelmäßig bezahlt wurden. Bei der Katastrophe im Juni enthielt meine Casse für die Befestigung des einzigen Cañete über 9000 Duros in Silber, die dem Feinde in die Hände fielen.

Sowohl wegen unserer schönen Compagnien, als auch, weil sie bei tausend Gelegenheiten unser nicht wohl entbehren konnten, suchte ein Jeder der Chefs uns zu sich zu ziehen und durch Bezeugung der größten Rücksichten festzuhalten. Es bestand aber unter uns selbst ein eigenes Verhältniß, da ich, als Infanterie-Officier dem Corps nur aggregirt, in den lediglich die Functionen desselben betreffenden Angelegenheiten das Commando über den effectiven Ingenieurs-Capitain nicht glaubte übernehmen zu können, während Brusco, da ich älterer Capitain war, gleichfalls sich weigerte, die Oberleitung beizubehalten. Als kurz nachher Beider Avancement zum Grad von Oberstlieutenant der Infanterie[116] anlangte, blieb die Lage der Dinge ganz dieselbe.

Wir beschlossen also, gemeinschaftlich an der Spitze des Corps zu stehen und uns in die Geschäfte und die Verantwortlichkeit, so wie in die Vortheile brüderlich zu theilen. Die letzteren waren aber auch in pecuniärer Hinsicht bedeutend, da wir Stellen versahen, die nach dem Reglement nur Brigadegeneralen zukamen, deren gesetzlich fixirte Gratificationen nach einer von Brusco früher erwirkten Ordre des Generals uns ausgezahlt wurden.

Da die Befestigungen im Turia so weit vollendet waren, daß sie unserer Gegenwart nicht mehr bedurften, übernahm ich die Leitung der Werke von Cañete und Castiel Favib nebst der gelegentlichen Inspection des Turia, während Brusco die Arbeiten in Beteta und diejenigen übernahm, welche bei den Operationen Valmaseda’s in das Innere nöthig würden. Er reisete daher einige Tage später nach seinem Punkte ab, wo bereits der größere Theil der zweiten Compagnie, die ihm geblieben, sich befand; die erste unter Premierlieutenant Norma, 130 Mann stark, behielt ich bei mir. Nachdem ich den mit mir angelangten Lieutenant Losada in Castiel Favib installirt und die Festungen im Turia besucht hatte, kehrte ich nach der Mitte des Aprils nach Cañete zurück.

Die Stadt liegt an dem südlichen Abhange des Gebirgszuges, welcher, als Sierra de Albarracin bekannt, den Tajo dem atlantischen und die kaum drei Viertelstunden von diesem und von einander entfernt entspringenden Flüsse Guadalaviar und Xucar dem mittelländischen Meere zusendet und durch das Gebirge von Cuenca mit der Sierra morena zusammenhängt. Die Provinz, wiewohl von mehreren schrofferen Ketten durchzogen, bietet im Allgemeinen zwischen niedrigen Bergreihen breite, ebene Thäler dar und ist fruchtbar. Doch hatte die Kriegsplage schon seit Jahren so schwer darauf gelastet, daß es keine Hülfsquellen mehr lieferte, indem die Einwohner nur noch das für den eigenen Unterhalt und die geforderten Abgaben gerade nöthige Land bestellten und das übrige unbebaut liegen ließen.

Die Truppen mußten deshalb weither ihre Subsistenzmittel herzuführen, wobei sehr Viel durch Schleichhändler geschah, die aus den reichen Ebenen Valencia’s mit Gefahr des Lebens — die Christinos erschossen jeden Maulthiertreiber, der, freiwillig nach unsern Festungen reisend, von ihnen aufgefangen wurde — aber auch mit ungeheurem Gewinne Lebensmittel jeder Art und selbst die mannigfachsten Delicatessen brachten. Täglich langten solche Caravanen, oft auch mit sorgfältig versteckten Waffen, militairischen Abzeichen, Tuch und sogar Pulver beladen, aus den umliegenden Provinzen an, und da das Gouvernement durch die weithin eingetriebenen Contributionen reichlich mit Geld versehen waren, die Truppen auch regelmäßig ihren Sold erhielten, fand Alles raschen Absatz.