[10] Zwei große Ortschaften Guipuzcoa’s, Azpeytia und Ascoytia, zeichnen sich so durch die herrlichen Gestalten ihrer Männer wie Weiber aus, daß es schwer sein möchte, in ihnen irgend ein junges Mädchen aufzufinden, welches nicht in jedem andern Punkte den Namen einer Schönheit erhalten würde.
[11] Negros, Schwarze, wurden die Constitutionellen schon zur Zeit Ferdinand’s schimpflich benannt, wogegen in jener früheren Epoche die königlich Gesinnten sich als „Weiße“ bezeichneten, welche Benennung jedoch nicht wie jene bestand.
[12] Es ist bekannt, wie Espartero, nachdem er im Vertrage von Bergara von Neuem die Aufrechterhaltung der fueros zugesagt, nun mit ihrer Vernichtung beschäftigt ist.
IV.
Mehrere Truppen-Abtheilungen waren angekommen, Munition ausgetheilt und alle die Vorbereitungen getroffen, welche dem Soldaten anzeigen, daß bald sein Muth wird in Anspruch genommen werden. In der Nacht des 5. Juni weckte mich der dumpfe Lärm, der stets den Abmarsch der Truppen begleitet, und im Augenblick gekleidet und bewaffnet eilte ich den Bataillonen nach, deren Marschrichtung die Absicht, die feindlichen Stellungen anzugreifen, nicht bezweifeln ließ. Da mein Pferd noch nicht angelangt war, konnte ich meine Functionen bei dem General nicht versehen, weshalb ich dem 2. Bataillon von Guipuzcoa mich anschloß, dessen Grenadier-Compagnie von einem Schweizer, mit dem ich näher bekannt geworden war, commandirt wurde. Noch vor Tagesanbruch standen — oder besser lagen — wir, hinter dem Kamm einer Anhöhe auf der Erde ausgestreckt, den Vorposten des Feindes gegenüber, die in ihre buntgestreiften wollenen Decken gehüllt rasch auf- und abschritten, die Morgenkälte abzuwehren, die selbst in jener Jahreszeit ihnen empfindlich blieb; die wild wehmüthigen playeras — Meeresufer-Gesänge —, die Kinder des südlichen Andalusien verrathend, wurden vom leichten Winde in abgerissenen Klängen zu uns herübergetragen. Hinter den Vorposten erhoben sich die Verschanzungen über Passages, augenscheinlich zum Ziel unseres Angriffes bestimmt. — Ein zweites Bataillon lagerte etwas zur Rechten hinter uns.
In lautloser Erwartung lagen wir da. Wer vermöchte die Gefühle zu schildern, die in der Brust des Jünglings stürmisch wogen, da er die Stunde des ersten Kampfes nahen sieht! Stolz und Beklommenheit, Vertrauen und Ungeduld wechseln gleich mächtig: der Augenblick ist ja da, den er so lange herbeigewünscht, der bewähren soll, daß er würdig ist, um den Preis der Tapferkeit mit Kriegern zu ringen.
Weithin zur Linken ertönte ein Schuß, ihm folgten Tausende; die Jäger-Compagnie[13] des Bataillons stürzte auf das Signal, in Tirailleurs sich auflösend, gegen die Vorposten-Linie der Feinde, welche langsam zurückwich, bald aber durch bedeutende Massen unterstützt wurde, gegen welche zu schwach auch unsere Tirailleurs gelegentlich verstärkt werden mußten. Ungewiß hin und her wogten nun die Feuer-Linien, ohne daß lange etwas Entscheidendes unternommen wäre; zu unserer Linken aber ertönte fortwährend lebhaftes Flintenfeuer, von häufigen Kanonenschüssen übertäubt. Ich verfluchte schon die Idee, welche diesem Bataillone mich anschließen machte, da es dem Anschein nach nur den Feind zu beschäftigen bestimmt war. In der That mußte es niederschlagend sein, regungslos hinter der Höhe zu liegen und nur von Zeit zu Zeit Verwundete, in tiefem Schmerze ächzend, zurückgeführt zu sehen; mein erstes Feuer kühlte nach und nach ab, wie die Sonne höher stieg, Hunger und Durst, immer gleich tyrannisch, machten sich sehr fühlbar, und ich äußerte schon gegen meinen Schweizer den Wunsch, daß das Gefecht aufhören oder wir zu thätiger Mitwirkung bestimmt werden möchten.
Da sprengte ein Stabsofficier heran — ohne Zweifel bringt er die Ordre zur Bewegung, sei sie vor- oder rückwärts —; Aller Augen, finster vor Ungeduld glühend, wandten dem Reiter sich zu. Er wechselte einige Worte mit dem Chef des Bataillones, welches einen Augenblick später in Masse gebildet stand, während eine zweite Compagnie die noch immer in Tirailleurs aufgelöseten Jäger verstärkte. Nachdem der Commandeur seinen Guipuzcoanern wenige Worte der Aufmunterung, mir unverständlich, zugerufen, erstiegen wir rasch die Anhöhe, die bisher uns gedeckt, und sahen vor uns eine kaum vollendete Verschanzung, ihr zur Seite mehrere kleine Colonnen, deren Scharlach-Uniform weithin in der Sonne glänzend die Engländer kund gab. Die andalusischen Schützen zogen sich schnell vor unsern Tirailleurs zurück und stellten sich, die Fronte der Schanze frei lassend, hinter den nahen Felsen auf, die allein der kahlen Höhe, auf der wir fechten sollten, Abwechselung verliehen. Das uns folgende Bataillon wandte sich gegen die Truppen, welche neben dem Werke aufgestellt waren, zu dessen Nahme die in Masse gebildeten sechs Compagnien des unsrigen, die Grenadiere an der Spitze, vorrückten.