Espartero war genöthigt, zuerst das beschnittene Hornwerk von San Pedro Martyr anzugreifen; er that es natürlich auf dem Punkte, welcher auf Befehl des Generals verkürzt und dadurch sehr schwach geworden war. So konnte er das Feuer von vorn herein auf nur zweihundert Schritt Distance eröffnen, bis wohin er vollkommen gedeckt vorgehen konnte. Am 25. Mai ergab sich das wichtige Werk, da die Bresche practicabel und die Geschütze demontirt waren. An demselben Tage nahmen die Belagerer mehrere der kürzlich errichteten Verschanzungen nach kurzem Widerstande der Carlisten, welche, erschreckt durch den raschen Fall von San Pedro, in dessen Stärke sie so viel Vertrauen gesetzt, und überschüttet mit Geschossen jeder Art von der feindlichen Artillerie, in die Stadt sich zurückzogen, gegen die sofort die Batterien etablirt wurden.
Es war indessen nicht die Absicht Espartero’s, mit dem Blute seiner Soldaten den Besitz von Morella zu erkaufen, dessen er leichter sich zu bemächtigen hoffte. Er errichtete mehrere Mörser-Batterien und begann ein lebhaftes Bombardement, welches alsbald die unheilsvollste Wirkung hatte, da nur das Castell einige bombenfreie Räume besaß, während in der Stadt die einzige Cathedrale nicht einmal für die Niederlage der Munition und der Hauptbedürfnisse ausreichte. Nach dreitägiger Bewerfung war die ganze Stadt in einen Haufen rauchender Trümmer verwandelt; alle Vorräthe waren zerstört, selbst ein Pulvermagazin flog auf und tödtete den Chef der Artillerie, Oberst Soler, mit vielen Officieren und sechszig Mann. Laut forderten die Truppen, da keine Hülfe von außen her sichtbar wurde, gegen den Feind geführt zu werden, um in seinem Lager ihn anzugreifen.
Da beschloß der zusammengerufene Kriegsrath, sich durchzuschlagen: in der ganz ruinirten Stadt länger zu bleiben hieß, ohne den geringsten Nutzen sich aufopfern. In der Nacht zum 29. Mai stürmte die Garnison, 2200 Mann stark, aus der Festung und warf sich auf die feindlichen Positionen; nach blutigem Kampfe, in dem 250 Mann abgeschnitten und gefangen wurden, ward sie von der Übermacht in die Stadt zurückgeworfen. Einzelne nur waren durch die Schluchten entkommen. Der Gouverneur verlangte zu capituliren, aber seine Bedingungen wurden zurückgewiesen, und das Bombardement begann von neuem. Am Morgen ergab sich die Besatzung, noch fast 1800 Mann stark, auf Discretion.
Kein Flintenschuß war von der carlistischen Armee, die nach Catalonien sich zurückzog, auf die Belagerer abgefeuert, keine Bewegung zu Gunsten der Festung unternommen. So fiel Morella in die Gewalt der Christinos; der Krieg war beendigt. —
Am 29. Mai ward auch der Mariscal de Campo Don Domingo Forcadell getödtet, seit siebentehalb Jahren einer der thätigsten und einflußreichsten Anführer der Carlisten im östlichen Spanien, commandirender General von Valencia und Chef der Division dieser Provinz. Er traf bei Hervés mit einigen hundert Mann auf das Freicorps des Brigadiers Zurbano und starb im Kampfe der Verzweiflung.
Unsere Lage war sehr kritisch, da wir, nachdem Cabrera den Ebro überschritten hatte, im Innern der Halbinsel ganz isolirt standen, rings von drohenden Massen umgeben. Dazu ward die Desertion in unserm Rekruten-Bataillone von Cañete täglich größer, wiewohl der Fall von Morella nur den sechs oder sieben Chefs bekannt war, die wir an der Spitze unserer Republik standen, und es war zu fürchten, daß allgemeine Muthlosigkeit die Menge ergreifen würde, so wie die Nachricht von den Ereignissen des letzten Monats sich verbreitete.
Schon wurde in unserm Rathe von Räumung der Festung gesprochen, die doch nur kurze Zeit dem Feinde trotzen könne; es ward beantragt, in die Gebirge uns zu werfen, um den kleinen Krieg fortzusetzen, wie ihn die Guerrillas der Carlisten im Anfange des Krieges so erfolgreich geführt. Dagegen protestirten Brusco und ich, da durch solch eine Maßregel bei dem Stande der Dinge bald nur noch Raubbanden bestehen würden, eine Geißel dem Lande und ohne Vortheil, ja zur Schande der Sache, welche wir vertheidigten. So weit würden wir nie uns erniedrigen. Wir verlangten, daß Cañete vertheidigt werde, da das Rühmlichste sei, bis zum letzten Augenblick auf dem anvertrauten Posten zu verharren und kämpfend ehrenvolle Bedingungen sich zu erzwingen, wenn Unterliegen zur Nothwendigkeit wurde.
Dessen weigerten sich die Spanier fast alle, indem sie es für Wahnsinn hielten, in die Mauern sich einzuschließen und so ohne Nutzen und ohne Hoffnung muthwillig den Feinden sich auszuliefern. „Al pinar, al pinar!“ — in das Waldgebirge! — war ihr Losungsgeschrei. Dann schlugen wir vor, nach Frankreich uns durchzuschlagen, und erklärten, daß wir, im Fall die Festung zur Fortsetzung jenes kleinen Krieges abandonnirt werde, mit unsern beiden Compagnien allein den Versuch machen wollten, die Gränze zu erreichen, da es unsere Pflicht sei, unsere Leute nicht zu opfern, um etwas ganz Zweckloses zu unternehmen, was nur zu schimpflichstem Ende führen könnte.
Nach sehr lebhafter Discussion wurde endlich mit Mühe der Beschluß durchgesetzt, ruhig zu bleiben, bis wir die Ansicht der andern mächtigeren Führer erfahren und mit ihnen über das Auszuführende uns verständigt hätten. Brusco ward demnach mit dem Capitain Echevarria nach Castiel Favib gesandt, um dort Palacios zu treffen, mit dem so eben drei Bataillone von Valencia nebst einigen Escadronen, vom Ebro abgedrängt, sich vereinigt hatten. Ich aber eilte nach Beteta, dessen Leitung ich Brusco abnahm, um sowohl dort das zur Vertheidigung Nöthige anzuordnen, falls diese beschlossen würde, als auch im entgegengesetzten Falle das Detachement Sappeurs, welches Brusco dort gelassen hatte, nach Cañete oder zur Vereinigung mit dem Corps zu führen und zugleich die Absichten Valmaseda’s zu sondiren, das Schwierigste von Allem bei dem Charakter dieses Chefs.