Da traf ich einige Officiere, dann dichte Haufen Freiwilliger von allen Waffengattungen, endlich selbst einen Theil meiner Sappeurs, eiligen Schrittes und mit finsterem Antlitze durch die Thäler sich zerstreuend. Der niederschlagende, nur zu wahre Bericht Aller war derselbe: Oberst Gil hatte, da er vergeblich gestrebt, nach Frankreich sich Bahn zu brechen, und rings umstellt von feindlichen Colonnen, den nutzlosen Kampf aufgegeben. Er vereinigte seine Truppen und erklärte ihnen, daß sie, von den Gefährten verlassen und ganz isolirt in der Mitte der Christinos, im Widerstande keine Rettung hoffen durften; er entband sie daher ihrer Pflicht als Soldaten im Dienste des Königs und forderte sie auf, ein Jeder für die eigene Sicherheit zu sorgen und, so gut er könne, dem väterlichen Hause zuzueilen.

Oberst Gil mit mehreren der angesehensten Officiere war nach Cuenca gegangen, um dort dem Feinde sich zu ergeben, Brusco aber hatte sich auf Zaragoza gewendet, wo er als Fremder Paß nach Frankreich zu erlangen hoffte. Die übrigen Officiere hatten sich, wie die Soldaten, nach allen Seiten hin zerstreut.


So war denn Alles vorbei. — Blutenden Herzens zog ich nach Royuela, Marco’s Dorfe, und blieb dort noch einen Tag in dem Hause des Pfarrers versteckt, den ich von einem meiner Streifzüge her als redlichen Mann kannte. Der Bruder desselben überbrachte dem Gouverneur der feindlichen Festung Teruel ein Schreiben, in welchem ich mich bereit zeigte, die Waffen niederzulegen, wenn mir der Paß nach der Gränze zugestanden werde. Da ich unverzüglich vom Gouverneur die Antwort bekam, daß er Befehl habe, einen jeden Carlisten, der freiwillig die Waffen niederlege, nach seinem Geburtsorte zu entlassen, weshalb ich ohne Besorgniß kommen möge, den Paß zu empfangen, setzte ich mich am Morgen des 20. Juni nach Teruel in Marsch. Die Theilnahme, welche die Einwohner von el Albarracin und den übrigen Ortschaften, in denen ich früher an der Spitze meiner Truppen gewesen war, in so veränderter Lage mir bewiesen, mußte bei allem Schmerze, den die Erinnerung hervorrief, mir unendlich genugthuend sein; das rauhe, aber biedere Gebirgsvölkchen, gewohnt, nur Härte und erpressenden Eigennutz zu finden, hatte die Rücksicht anerkannt, die in der Ausübung der schweren Pflicht mich stets Schonung und Milde, wo sie erlaubt waren, gegen die Bedauernswerthen üben ließ.

Gegen Mittag lag die Festung vor mir. Bei eben dem Gartenhäuschen, bis zu welchem ich wenige Wochen vorher mit meinen Sappeurs vorgedrungen war, trennte ich mich nun nach herzlichem Abschiede von meinem treuen Marco, der bis dicht an die Stadt mich geleiten wollte.

Als ich wenige Minuten später das gewölbte Thor betrat, als ich den triumphirenden Feinden mich überlieferte, da schwand meine Kraft, ich fühlte mich niedergeschmettert, und nur der Gedanke, von den verhaßten Christinos umgeben zu sein, konnte mich stärken, um im Äußern Festigkeit und Ruhe zu zeigen, während die widerstreitendsten Empfindungen meine Brust durchwühlten. Es war ja Alles vorbei. Die ewig gerechte Sache, für die wir gestritten, deren Sieg das erhabene Ziel unseres Strebens und unserer Hoffnungen bildete, war der herrlichen Früchte so vieler Thaten, so vielen Blutes — vielleicht auf immer — beraubt; sie unterlag der Übermacht der usurpatorischen Revolution, welche sie so glorreich bekämpft und so oft mit dem Untergange bedroht hatte, unterlag, weil ein Elender sich fand, ein Verräther, der, niedrigen Leidenschaften zu genügen, das Heiligste für Gold hingab! — Das zerreißt das Herz und füllt den Busen mit Gluth des Hasses und der Rache, welche nie erlöscht.


Wenige Zeilen werden hinreichen, um eine Übersicht der Ereignisse zu geben, welche von der Eroberung Morella’s bis zu dem bald und ohne wichtigen Kampf erfolgenden Übertritt der Trümmer der carlistischen Heere auf französisches Gebiet erfolgten. Sie sind, da der Sieg entschieden war, von nur untergeordnetem Interesse, mögen aber der Vollständigkeit wegen kurz angeführt werden.

Palacios und Arévalo trafen schon am Tage nach meiner Trennung von ihnen, am 15. Juni, mit ihren sieben Bataillonen und neun Escadronen westlich von Medinaceli mit der Colonne des Generals Concha zusammen, der die Königinn Wittwe auf ihrer Reise nach Zaragoza escortirt hatte. Die Carlisten wurden, doch ohne auf ernsthaftes Gefecht sich einzulassen, geworfen und erlitten den schweren Verlust von 1400 Mann, welche von dem Nachtrabe abgeschnitten und gefangen wurden. Sie vereinigten sich darauf in den Pinares zwischen Soria und Burgos mit Valmaseda, welcher zwei starke Escadronen und 400 Mann Infanterie führte, und zogen dem Ebro zu, um durch Navarra die französische Gränze zu erreichen.

Sie überschritten jenen Fluß in Miranda de Ebro und durchzogen Alava, wurden aber, da sie das Volk in Navarra umsonst zum Aufstande zu bewegen suchten, am 25. Juni bei Tafalla nochmals ereilt und geschlagen. Valmaseda drang jedoch mit kaum 2000 Mann nach Frankreich durch; er betrat dieses Königreich am 28. im Departement des Basses Pyrenees und ward sofort als Gefangener nach dem Norden abgeführt. Palacios dagegen sah sich abgeschnitten und genöthigt, in Pamplona sich zu präsentiren, indem er erklärte, daß er die Waffen niederlegen und in feine Heimath sich zurückziehen wolle. Unter dem Vorwande, daß dieser Schritt zu spät gethan und durch die äußerste Nothwendigkeit erzwungen sei, wurde er als Kriegsgefangener behandelt.